Jonathan Stroud: Das flammende Phantom

Titel: Das flammende Phantom

Author: Jonathan Stroud

Verlag: cbj, 2016

Preis: 512 Seiten, 19,99 Euro

ISBN: 978-3570159644

Geisterstunde

Frisch erschienen ist der vierte Band der Serie Lockwood & Co.
Protagonistin ist wie auch in den vorhergehenden Büchern die Geisterjägerin Lucy Carlyle, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Wir befinden uns in einer alternativen, gerade für Kinder sehr harten Realität. Eine Geisterplage hat vor ein paar Jahrzehnten die Welt erfasst. Kommen Lebende mit den an Artefakte gebundenen Geistern in Kontakt, endet dies in den meisten Fällen letal. Da nur Kinder und Jugendliche die feinsinnige Gabe haben, sie zu sehen oder zu hören, ist viktorianisch anmutende Kinderarbeit – bei der es auch oft zu Todesfällen kommt – die Normalität. Sie arbeiten schlecht bezahlt für große Agenturen, die Geistererscheinungen gegen sehr gutes Geld austreiben und die Artefakte samt ihrer paranormalen Energie unschädlich machen.

Die Erwachsenen sind medial blind, und da die Gesellschaft alle Ressourcen darauf ausrichtet, neue Geisterfallen und Abwehrmaßnahmen zu entwickeln, gibt es in allen anderen Bereichen einen regelrechten technischen Stillstand. Der letzte Band endete ziemlich spektakulär damit, dass Lucy beschloss die kleine Agentur und ihre Kollegen Lockwood, George und der nervig-hübsch-perfekten Holly nach ihrem großen Endkampf zu verlassen. Sie war der Ansicht, dass sie sich nicht im Griff hat und Lockwood damit auf Dauer in Todesgefahr bringt. Die Erzählung setzt vier Monate später ein, durch ihre einmalige Fähigkeit des Hörens von Geistererscheinungen schlägt sie sich gut als freie Beraterin durch. Tapfer versucht sie sich selbst einzureden, ihre alten Freunde nicht zu vermissen, doch dann taucht Lockwood bei ihr auf und engagiert sie als Beraterin für einen Fall, und Lucy nähert sich wieder ihrem alten Team an – zumal sie gemeinsam einem Schwarzmarkt für gestohlene Artefakte auf die Spur kommen.

Schön ist es die Charakterentwicklung zu verfolgen: Lucy nähert sich Holly an, George hatte wohl ziemlich stark an Lucys Weggang zu knabbern und auch der charismatische Lockwood öffnet sich noch ein wenig mehr. Schon im letzten Band war auch eine Annäherung an Quill Kipps auszumachen, der eigentlich für die Konkurrenz arbeitete, sich hier aber mehr und mehr der Agentur Lockwood & Co. anschließt. Auch die Chefs zweier großer Agenturen werden hier näher beleuchtet und das ungute Gefühl, das man schon im Vorfeld von ihnen hatte, bestätigt sich im Verlauf der Story …

Fazit: Wie immer schön geschrieben, aber irgendwie sind die Bücher mit den geraden Zahlen bei Stroud nicht so der vollkommene Bringer: Der erste Band war genial, der zweite ging so, der dritte machte wieder richtig Leselust, der vierte hingegen bleibt trotz aller gruseligen Dinge leider – gemessen an dem fesselnden ersten Band – erstaunlich ungruselig und liest sich stellenweise recht zäh und trotz sich em Ende überschlagender Handlung teils ziemlich vorhersehbar. Natürlich ist es dennoch ein schönes Stück Jugendliteratur, auch wenn es die Erwartungen nicht ganz erfüllt. Etwas störend ist ebenfalls, dass nicht alle Handlungsfäden aus dem vorherigen Band, wegen dem man dieser Fortsetzung entgegenfieberte, wieder aufgenommen werden. Man merkt eben, dass Stroud mit seiner Story dem fünften und wahrscheinlich letzten Band samt einem krönenden Abschluss mit allem entgegenstrebt, was er aufzubieten hat.