Jonathan Stroud: Die Raunende Maske

Titel: Die Raunende Maske

Author: Jonathan Stroud

Verlag: cbj, 2015

Preis: 464 Seiten, 18,99 Euro

ISBN: 978-3570159637

Spannende Geisterjagd

Ja, es ist schon wieder ein Jahr vergangen und der lang herbeigesehnte dritte Teil der Serie „Lockwood & Co.“ ist in den Bücherregalen aufgetaucht. Der britische Autor Jonathan Stroud ist für viele ja kein unbeschriebenes Blatt mehr, sondern hat sich schon vor Jahren mit seiner Trilogie um den Dschinn Bartimäus einen Namen in der Welt der Bücher gemacht.

Nach einem genialen Auftakt mit Band 1 („Die seufzende Wendeltreppe“) und einem an der Krankheit von Buchserien dahinsiechenden und nett vor sich hinplätschernden Band 2 („Der wispernde Schädel“) nimmt die Geschichte diesmal wieder mehr Fahrt auf. Die grundlegende Story ist schnell umrissen: Die Hauptfiguren befinden sich in einer alternativen Realität, die unserer Welt in vielen Punkten gleicht, allerdings technologisch nicht so weit fortgeschritten ist, da die Hauptenergie der Menschheit auf dem Augenmerk liegt, eine Geisterplage, die sich in den letzten Jahrzehnten seuchenartig ausgebreitet hat, zu bekämpfen. Manches Praktische wie Handys wurde nicht erfunden, dafür gibt es große Fabriken, in denen Amulette, Salz- und Silberbomben zur Gespensterabwehr hergestellt werden.

Das Besondere: Nur Kinder und Jugendliche können die Geister – die in verschiedenen Stärken auftreten und tödlich sind – wahrnehmen. Erwachsene verbarrikadieren sich bei eintretender Dämmerung panisch und lassen nachts Kinder für sie die brandgefährliche Schutzarbeit ausführen.

Und genau dieser Beschäftigung gehen der charismatische Anthony Lockwood, der Bücherwurm George und die überdurchschnittlich begabte Lucy in London nach. Inzwischen haben sich die drei einen Namen gemacht und ihre kleine Agentur hat sich etabliert. Dennoch wird Lucy in ein seitenweises Teenager-Gefühlschaos gestürzt, als sie nach einem Urlaub feststellt, dass sich in der Agentur eine neue Kollegin angefunden hat. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Gruppe von Geisterjägern, die eigentlich eingeschworen funktionieren müsste und sich jetzt auch noch mit einer im Londoner Stadtteil Chelsea plötzlich akut auftretenden Geisterplage herumschlagen muss.

Fazit: Endlich wieder eine spannender und mitreißender geschriebene Story, die fast – aber nicht ganz – an den ersten Band heranreicht und nach einem durchlesenen Wintertag, eingekuschelt auf dem Sofa, schreit. Die Charakterentwicklung ist diesmal vielschichtiger, die Geschichte wieder packender. Was sich schon im zweiten Band als große, alles umgreifende Erzählung ganz sachte erahnen ließ, verdichtet sich nach und nach etwas, bleibt aber im Dunkeln und macht große Leselust auf die in den nächsten Jahren noch kommenden Bände. Zwar wird das Buch unter dem Label phantastisches Jugendbuch geführt, ist aber genauso ein spannendes Lesefutter für Erwachsene.