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Leben in der Wildnis

Leben in der Wildnis

Titel: Leben in der Wildnis

Author: Éric Valli

Verlag: Knesebeck

Preis: 29,95

ISBN: 978-3868734577

Begegnungen mit Aussteigern

Ist es das? Der Ausstieg aus der Gesellschaft, der Abschied von Konsum, Zivilisation und Zwängen. Das raue Leben, ganz nah an und mit der Natur. Ist das die Realisierung des Traums?

Behutsam und abseits von reißerischen Storys und Tränendrüsen-Dramatik nähert sich der französische Fotograf und Weltenbummler Èric Valli in dem großformatig gebundenen und mit 150 Abbildungen versehenen mehreren Aussteigern und arbeitet fotografisch und in Form von Reportagen ihre Lebensgeschichten heraus.

In den Weiten Amerikas findet er sie – die modernen Robinsons, die ihren Abschied von Städten und uns nahmen. Und es zeigt sich: Die Aussteiger sind keinesfalls Menschen, die ihre Lebenszeit vertrödeln und verträumt den Tag totschlagen. Sie packen hart an, müssen es, um zu überleben, sie müssen planen und ihre Ziele im Auge behalten.

Er stellt mit jedem der vorgestellten Menschen auch verschiedene Selbstversorger-Lebensformen vor, geht mit auf Flohmärkte, auf Jagd, legt seine industrielle Kleidung ab und lernt sich Kleidung aus Tierhäuten zu fertigen, entzündet auf steinzeitliche Weise Feuer, isst Eichhörnchenragout und Bären-Burger und wird zum prähistorischen Jäger. All diesen Menschen und ihren faszinierenden
Lebensweisen ist aber gemein, dass sie nicht völlig aus dem System ausgestiegen sind und durchaus auch auf Produkte der Zivilisation zurückgreifen beziehungsweise einen gewissen – wenn auch sehr geringen – Geldbedarf haben, um ihr Leben in der Natur führen zu können.

Valli bemüht sich um Objektivität, scheint aber leicht dazu zu neigen, doch etwas zu beseelt das Image von edlen Wilden, die ihr Ideal leben, zu beschreiben. Aber vielleicht ist es ja auch so simpel? Etwas sehr einfach tut er auch die selbst aufgeworfene Frage nach medizinischer Versorgung der Aussteiger damit ab, dass die meisten Robinsons ja eine sehr gute körperliche Kondition hätten und sich mit Naturmedizin gut auskennen würden. Eine Aussage, die dann doch etwas mentale Zahnschmerzen verursacht.

Fazit: Ein spannendes und sehr lesenswertes Buch – gerade im Angesicht schwindender Ressourcen, geplanter Obsoleszenz, Naturkatastrophen und wachsender Umweltverschmutzung. Èric Valli spricht von einer regelrechten „Off-the-grid“- Bewegung (außerhalb des Netzes/Selbstversorger) in den amerikanischen Weiten. Aber wie lässt sich so ein Lebenskonzept in Europa oder gar Deutschland verwirklichen, wo jeder Quadratzentimeter verteilt und vereinnahmt scheint?

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