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Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe

Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe

Titel: Lockwood & Co. - Die seufzende Wendeltreppe

Author: Jonathan Stroud

Verlag: cbj

Preis: 18,99

ISBN: 978-3570156179

Phantastik

Fällt der Name Jonathan Stroud, dann wird bei Menschen, die lesetechnisch auch gerne im Fantasy- und Jugendbuchgenre wildern, der Blick etwas grübelnd-glasig, und kurz darauf regnet es Buchtitelfragmente („Bartimäus!“) der Serie, mit der der britische Fantasyautor vor einigen Jahren den endgültigen Durchbruch schaffte.

Auch bei diesem Auftakt zu einer vollkommen neuen Buchserie begegnen die Leser wieder einer dystopischen alternativen Realität, die der unseren auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich wirkt und doch gänzlich andere – und zwar ziemlich tödliche – Geheimnisse bereit hält. Im Gegensatz zu der Bartimäus-Trilogie hat diese Entwicklung aber erst vor einigen Jahrzehnten ihren Anfang genommen, als Geister anfingen sich ganz langsam seuchenartig in Großbritannien auszubreiten. Geistererscheinungen in Großbritannien sind ja im Grunde ein alter Hut. Nicht jedoch in dieser Storykonstruktion: Sobald die Dunkelheit hereinbricht, verstärkt sich die Kraft der Geistererscheinungen und sie suchen Orte heim, denen sie sich verbunden fühlen oder an die sie durch Artefakte gebunden sind. Aber bei Gespenstern – neuerer Natur und uralter, die sich seit einigen Jahren nun deutlich sichtbar regen – belässt es Jonathan Stroud nicht, denn er schenkt ihnen eine immense Macht und tödliche Wirkung. Den Wesen aus dem Totenreich räumt er Kräfte ein, die Menschen beeinflussen und ziemlich schnell zu deren Ableben führen können.

Die Krux dabei: Wird ein Mensch erwachsen, stumpft er automatisch ab und kann Geister nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Mit beginnender Dämmerung verschanzt sich der erwachsene Teil der Menschheit also nun mit allerlei eisernen und silbernen Amuletten und Lavendelsäckchen bewaffnet in seinen Wohnungen und Häusern, während sich geistersensible Kinder und Jugendliche als Agenten im Auftrag etablierter Agenturen in Todesgefahr begeben, um den Schutz der Allgemeinheit zu gewährleisten. Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Jugendliche: Lucy, Lockwood und George. Gemeinsam wohnen sie ohne Erwachsene in einem Haus und bilden die Agentur „Lockwood & Co.“. Aus der Perspektive der Ausreißerin Lucy wird die Geschichte dann auch erzählt und in Rückblenden auch ihre eigene Geschichte aufgerollt. Der fesselnde Auftakt der Serie bietet eine in sich geschlossene Geschichte, zeichnet aber auch eine interessante Entwicklung der Charaktere und reißt genug neue Themen an, damit die Lust und Neugier auf den nächsten Band „Der wispernde Schädel“, der im Oktober 2014 erscheinen soll, geweckt ist.

Fazit: Gruselig. Und zwar richtig gut. Das Buch liest sich fast wie von selbst in einem Rutsch durch und verteilt spinnenbeinige Schauer auf dem Rücken. Die Geschichte ist so rasant, spannend und gut gewebt, dass man sich bei jedem Luftzug etwas ängstlich umsehen will und hofft, nicht plötzlich in den Bann eines rachsüchtigen Geistes zu geraten. Da macht der minimale Logikfehler (Warum kauft der Täter das Haus nicht einfach und beseitigt das Problem ganz simpel?) auch nichts aus und man sieht zugunsten der gut gebauten Story gern darüber hinweg. Wer hervorragend geschriebene Fantasy- und Schauerliteratur mit guten Figuren, witzigen Dialogen und einer spannenden Geschichte schätzt, erhält hier jedenfalls einen klaren Lesebefehl.

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