Mal Peet: Die Murdstone Trilogie

Titel: Die Murdstone Trilogie

Author: Mal Peet

Verlag: Piper, 2016

Preis: 320 Seiten, 12,95 Euro

ISBN: 978-3492280693

Kritik am Literaturgeschäft

Bei diesem eher ungewöhnlichen Fantasyroman handelt es sich mitnichten um eine Trilogie, wie der Titel vermuten lassen würde, sondern um ein Buch über das Schreiben einer fiktiven Fantasy-Trilogie. Quasi ein Meta-Buch.

Interessant sind die grob autobiografischen Ähnlichkeiten zwischen dem – 2015 leider verstorbenen – Autor Mal Peet und der Figur seines fiktiven Autors Philip Murdstone: Im ländlichen Bereich Großbritanniens lebend, preisgekrönter Autor von Jugendbüchern und nun sein erstes Fantasybuch schreibend – in einem Genre fischend, das eigentlich so gar nicht sein Metier zu sein scheint.

Denn Philip Murdstone hat sich zwar mit Büchern über lernbehinderte sensible Jungs eine eigene Nische geschaffen und Preise gewonnen, ist aber nicht wirklich erfolgreich und mit seinen Werken eher ein Ladenhüter. Auf Geheiß seiner attraktiven und skrupellosen Agentin Minerva Cinch soll er nun einen sich gut verkaufenden Fantasyroman verfassen. Das einzige Problem dabei: Murdstone kriegt von Tolkien & Co. quasi allergische Pickel.

Er lässt sich dennoch darauf ein, nachdem ihm Minerva eine (wirklich äußerst akkurate) klischeebehaftete Schablone, mit der diverse literarische Größen aufs Korn genommen werden, diktiert, nach der er einen High-Fantasy-Bestseller stricken soll. Nach etlichen Misserfolgen landet Murdstone schließlich sternhagelvoll und sehr verzweifelt in einem Steinkreis und geht dort einen faustisch anmutenden Pakt mit einem Kobold aus einem mystischen Reich ein, der ab da für ihn die Bücher schreibt… Auch für Peet war es der erste Kontakt mit Fantasyliteratur und es ist gleichzeitig auch – ob gewollt oder nicht – als sein letztes Buch sein Vermächtnis. Englischsprachige Originale neigen ja leider oft dazu, in den Übersetzungen zu verlieren. Ein großer Pluspunkt ist hierbei Andreas Brandhorst, der ehemalige Übersetzer der Pratchett-Romane, der es mit Mal Peets Eloquenz aufnehmen und seinen Text so ins Deutsche transportieren kann.

Fazit: In den Kritiken liest man durchweg sehr Positives über die Murdstone-Trilogie. Der zum Beispiel genannte Vergleich mit Terry Pratchett ist aber etwas irreführend in der Erwartungshaltung. Der Roman ist in verschiedene Teile gegliedert, die die diversen Stadien des (Schreiber- )Wahnsinns bezeugen, von denen Murdstone letztendlich aufgezehrt wird.

Logische Erklärungen gibt es nicht, das Chaos regiert und die Erzählung gleitet immer mehr in kafkaeske Episoden ab, in denen Wahn und Fiktion verwischen. Das Buch ist gewollt ambivalent und durchwachsen und durchaus eine sehr lesenswerte Abrechnung mit der Literaturindustrie und dem mentalen Zerbrechen daran. Spannend wäre es zu erfahren, wie viel von Peet selbst hier drinnen steckt. Amüsanterweise werden im Marketing dieses Buches natürlich die gleichen Mechanismen genutzt, die hier angekreidet werden. Wer zwar gerne Fantasy liest, aber auch dezent genervt von den miesen Werken der in den letzten Jahren die Bücherregale massiv belagernden ungemein schlechten und ungemein gepushten, (High-)Fantasyliteratur ist, sollte hier unbedingt einen Blick zwischen die Buchdeckel werfen und zumindest im ersten Teil laut lachend auf seine Kosten kommen.