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Meine kleine Cityfarm

Meine kleine Cityfarm

Titel: Meine kleine Cityfarm

Author: Novella Carpenter

Verlag: Bastei Lübbe, 2010

Preis: 9,99

ISBN: 978-3404606573

Gemüseporno

Anders als das etwas süßlich durchgestylte Cover und der Klappentext vermuten lassen, handelt es sich hierbei nicht um einen fiktiven Roman, sondern um Novella Carpenters Realität. Schon immer hat es ihr der Anbau von Nutzpflanzen angetan, aber auch die Annehmlichkeiten der Stadt (kulturelle wie kulinarische) will sie nicht missen. Als sie mit Mitte 20 in ein Ghetto in Oakland zieht und im Hinterhof ihres neuen Domizils auf eine Baubrache trifft, nimmt sie diese langsam in Besitz. Was mit einem zaghaften und schuldbewussten Einpflanzen einiger Samen beginnt, wächst sich zu einem großen Gartenprojekt für die Gemeinschaft des Bezirks aus. Ein Bienenschwarm zieht ein, noch mehr Pflanzen, ein paar Hühner. Es folgen Enten, Truthähne und schließlich sogar Schweine. Novella hegt, liebt und pflegt ihre Tiere – aber auch an ihrem Tod nimmt sie bewusst Anteil und schlachtet sogar selbst. Lesend begleitet man Novella und ihren Freund Bill bei ihren Raubzügen durch Mülltonnen (Tierfutter), lernt, wie man eine Melone betrauert, warum man keine Hybrid-Samen kaufen sollte, wie man seiner Nahrung respektvoller begegnet oder Prosciutto herstellt. Man hungert gedanklich mit, als sie versucht, sich einen Monat lang nur vom Ertrag ihres Gartens zu ernähren (mit einer komplett durch Kartoffelkäfer vernichteten Ernte) und schaut interessiert zu, wie sie mit Gangs, Hippies, Pennern, Durchschnittsmenschen, Sterneköchen, durchgeknallten Schlachterinnen und allen möglichen Sorten von Fanatikern aufeinandertrifft.

Etwas nervtötend sind nur die thematischen Sprünge in der Erzählung. Gerade wenn man Interesse an etwas entwickelt hat, neigt Novella Carpenter dazu, zu einem völlig anderen Thema zu hüpfen, das ihr gerade in den Kopf kommt, und man kann dann nur hoffen, Seiten oder Kapitel später weitere Infos zu den fraglichen Personen oder dem Schicksal eines Gemüses aufzufinden.

Fazit: Ein schönes Buch, das es einem leicht macht, sich darin festzulesen. Zusammen mit Novella verfolgt man die Entwicklung der Ghosttown Farm. Auch die teilweise sehr kräftige und aus dem Herzen kommende Ausdrucksweise, oder dass sie Saatgutkataloge sabbernd als Gemüsepornos bezeichnet, bilden die einmalige Atmosphäre des Buches. Die perfekte mutmachende Lektüre für alle, die auch in der Stadt wildgärtnernd unterwegs sind. Noch eine kleine Info am Rande: Laut ihrem Blog (ghosttownfarm.wordpress.com) hat sie Ende 2010 tatsächlich das von ihr gueriellagärtnerisch besetzte Gelände kaufen können, wird also – abgesehen von bürokratischen Unwägbarkeiten der Stadt Oakland – nicht mehr von einer Räumung bedroht.

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