Ohne Schlamm kein Lotos

Titel: Ohne Schlamm kein Lotos

Author: Thich Nhat Hanh

Verlag: Nymphenburger, 2015

Preis: 160 Seiten, 18 Euro, Erscheinungstermin: 13.7.

ISBN: ISBN: 978-3-485-02845-5

Es ist ein schönes und sinniges Bild, das Thich Nhat Hanh da zeichnet: Das erlebte körperliche oder seelische Leid bildet den fruchtbaren, nährenden Boden, aus dem das Glück erst erwachsen kann. Der aus Vietnam stammende und fast 90jährige buddhistische Mönch ist neben dem Dalai Lama wohl eine der bekanntesten buddhistischen Autoritäten.

Auf gut 160 Seiten erklärt Thich Nhat Hanh die buddhistische Sicht und Annahme des Leids. So erfährt man, dass Buddha sich in seiner ersten Lehrrede nach der Erleuchtung mit Leid auseinandersetzte. Denn um Glück zu erkennen, muss man verstehen, dass Leid in jedem Bereich des Lebens vorhanden ist, muss bereit sein, es zu umarmen, zu achten, zu verstehen. Leid und Glück sind wie Licht und Dunkelheit – man braucht das eine, um das andere erkennen zu können. Und beides unterliegt steter Wandlung.

Aus Glück kann Schmerz wachsen und umgekehrt. Oder um es mit Thich Nhat Hanh zu sagen: „Wenn Sie wissen, wie Sie den Schlamm gut nutzen können, können Sie wundervolle Lotosblumen erblühen lassen.“ Leid kann also auch nützlich sein und einem Dinge (über sich selbst) lehren. Das Schlüsselwort ist hierbei die Achtsamkeit, die schlussendlich zur Transformation des Schmerzes führt. Im Buch sind zahlreiche Übungen, die bei der Innenschau, der Minderung des Leids und vor allem beim Nähren des Glücks helfen sollen.

Fazit: Ein lebensnah, nicht verschwurbelt und vor allem sympathisch geschriebener Ratgeber. Thich Nhat Hanh bietet einen philosophischen, verständnisvollen Umgang mit dem eigenen Leid. Dazu muss man die Augen öffnen und bewusst die Ursachen und Wirkungen betrachten, anstatt sich nur im Schmerz zu verlieren oder ihn mit Konsum zuzukippen.