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Sergej Lukianenko – Die Ritter der vierzig Inseln

Sergej Lukianenko – Die Ritter der vierzig Inseln

Titel: Sergej Lukianenko - Die Ritter der vierzig Inseln

Author: Sergej Lukianenko

Verlag: Heyne

Preis: 16,90

ISBN: 978-3453266278

Kindheitsalltag

Der 1968 in der damaligen UDSSR geborene Sergej Lukianenko ist einer der erfolgreichsten Fantasy und Science-Fiction-Autoren unserer Gegenwart. Bekannt wurde er in Europa vor einigen Jahren durch die Verfilmung seiner „Wächter“-Trilogie, die den epischen Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit thematisiert.  In „Die Ritter der vierzig Inseln“ wendet er sich scheinbar an eine jüngere Leserschaft. Der Plot ist rasch erzählt: Eben noch in seiner russischen Heimat, findet sich der 14-jährige Dima plötzlich auf einem karibischen Archipel, zusammengesetzt aus 40 Inseln, wieder. Was zunächst so traumhaft erscheint, entpuppt sich als alltäglicher Horror.
Kinder morden Kinder – in dem verzweifelten  Bemühen zu überleben und „heimzukommen“, denn nur die Gruppe, die alle anderen Inseln im tödlichen Kampf erobert, darf zurück nach Hause. Die selbstverständliche Brutalität, die in Dimas Alltag im „echten“ Leben stattfindet, trägt dazu bei, dass er sich trotz aller philosophischer Bedenken, doch recht rasch auf den 40 Inseln zurecht findet und sich scheinbar in die Tatsache des alltäglichen Mordes an anderen Kindern einfügt. Die relativ simple, aber dennoch sehr spannende Story gleicht einer modernen Robinsonade, zusammengesetzt aus Bestandteilen von „Herr der Fliegen“, „Die Truman Show“ und Lukianenkos eigenen Gedanken. Sie besitzt dadurch den Charme einer negierten und unsere Gesellschaft ernüchternde Neufassung des sozialistisch-kommunistischen Jugendklassikers „Timur und sein Trupp“. Das Buch ist leicht und flüssig zu lesen, in der Handlung wird alles – von feindlichen Spionen bis hin zu Kriegen, Heimtücke, Verrat, Angst, Aufopferungsbereitschaft, Liebe und heroischer Freundschaft – aufgeboten. Vom literarischen Stil her wirklich ein Jugendbuch, die (trotz ihrer moralischen Bedenken) losgelöste Distanziertheit der Figuren bei Themen wie Vergewaltigung oder Mord, lässt dies aber fast eher wie ein von Lukianenko genutztes Stilmittel erscheinen, um die Mechanismen der Abstumpfung drastischer herauszuarbeiten. Befremdlich wirken die nicht gerade zeitgemäßen Geschlechterrollen. Die Mädchen auf den Inseln – bis auf einige explizite Ausnahmen – sind meist dami beschäftigt zu kochen, abzuwaschen, Kleidung für die tapferen Kämpfer zu organisieren oder die Heimkehrenden geschäftig zu umturteln, um ihre Wunden zu versorgen.
Fazit: Ein mitreißender Roman und eine gelungene – wenn auch an einigen Stellen etwas bemüht wirkende – Verflechtung der beiden literarischen Genre Fantasy und Science-Fiction. Bei mir sorgte das Buch für eine durchlesene Nacht und gab Stoff für etliche Diskussionen im Freundeskreis. Allerdings ergibt sich das Ende leider etwas abrupt, samt einigen unverknüpften, offenen Fäden des Erzählstrangs.

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