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Tanz. Die Muttersprache des Menschen

Tanz. Die Muttersprache des Menschen

Titel: Tanz. Die Muttersprache des Menschen

Author: Dorion Weickmann

Verlag: Herbig

Preis: 19,99

ISBN: 978-3776627046

Aufforderung zum Tanz

Jeder hat „es“ bestimmt schon mal getan. In den Anfängen vielleicht unbewusst und voller Unschuld, im Laufe der Jahre bewusster, später eventuell sogar mit Anleitung. Aber über das Tanzen gesprochen, sich ausgetauscht wird im durchschnittlichen Alltag eigentlich wenig. Bei vielen findet er mit steigendem Alter auch immer seltener statt. Dorion Weickmann betrachtet den Körper als ein Instrument, das ja nun wirklich ohne Ausnahme jedem Menschen in die Wiege gelegt worden ist.

Tanz ist so vielfältig wie das Leben. Es gibt kultische und heilige Tänze, rituelle Trancetänze, Tanz als hochpräzise und ausgefeilte Kunstform, als Volkstänze oder beispielsweise auch einfach als unbeschnittenes und freies Ventil für Emotionen wie Hass oder blanke Freude. In den zahlreichen Kapiteln der drei großen Abschnitte, in die das Buch eingeteilt ist, geht die Historikerin Dr. phil. M.A. Dorion Weickmann, die als Tanzkritikerin unter anderem für die „Süddeutsche Zeitung“, die „Zeit“ und die „tanz“ schreibt, der wechselhaften Geschichte des Tanzes nach – schließlich galt die Kenntnis über Tänze bis ins 20. Jahrhundert hinein geradezu ehern zum bürgerlichen Bildungskanon, bevor das Tanzen bei uns deutlich an Reputation verlor. Und so bewegt sie sich inhaltlich durch sämtliche Zeitalter und mannigfaltige Kulturen und gibt ihren Leser/innen Einblick in Motivation, Ablehnung, Herkunft und auch moderne Auswüchse wie in der TV-Werbung über den Klobrillenrand tänzelnde Bakterien für Putzmittelwerbung. Den Anfang macht sie mit archäologischen Funden, zufällig erhaltenen Zeichnungen in Stein – Bilder, die 40.000 Jahre überdauerten und uns tanzende Frauen zeigen – und spannt den Bogen bis hin zur heutigen Zeit, Neurowissenschaften und Kognitionsspezialisten, die untersuchen, was der Tanz mit uns eigentlich macht.

Fazit: Auch wenn das etwas an die staubigen 50er Jahre gemahnende Cover auf manche anfangs etwas abschreckend wirkt: Dorion Weickmann erzählt spannend, aktuell, faktenreich und in lockerer und amüsanter Sprache, gespickt mit zahlreichen Belegen, Zitaten und Wortmeldungen. Ein interessantes kulturgeschichtliches Buch über ein ungewohntes Thema – auch für Leute, die mit Tanzen sonst eher selten bis keine Berührungspunkte haben.

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