Was Frauen fühlen

Titel:  Tabu Abtreibung

Author: Renate Günther-Greene

Verlag:  Ellert & Richter, 2015

Preis: 176 Seiten, 12,95 Euro

ISBN: 978-3831906048

Das Buch beginnt mit einem Bekenntnis: 40 Jahre nach der damals noch illegal durchgeführten Abtreibung ihres Kindes bricht bei Renate Günther-Greene der Schmerz darüber plötzlich hervor.  Die Filmemacherin versucht auf diese Erfahrung hin, mit anderen Frauen über diesen Verlust und den damit einhergehenden Prozess ins Gespräch zu kommen, stößt aber zunächst nur auf eine starre Mauer des Schweigens und der Abwehr. Ist es ein Schweigen, ein Begraben des Schmerzes aus Sorge, dass das damit einhergehende Leid von radikalen Abtreibungsgegner/innen für ihre Zwecke vereinnahmt wird?

Über 110.000 Frauen treiben jährlich in Deutschland ab, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weit darüber. Die Gründe sind unterschiedlich – Günther-Greene macht deutlich, dass es hier kein Gut oder Böse, Richtig oder Falsch gibt. Aber: Viele Frauen bleiben anschließend in ihrer Not allein, fühlen sich stigmatisiert, leiden unter Scham, Schuldgefühlen, (Bestrafungs-) Ängsten, posttraumatischen Belastungsstörungen. Für ihr Buch sprach sie mit Betroffenen und medizinischen Expert/innen – behutsam legt sie so Ursachen, Lösungen und Denkanstöße frei.

Fazit: Kein leichtes Buch. Viele – aber nicht alle – Frauen berichten hier von ihren Problemen mit  Abtreibungen, oft mit der Aussage, vielleicht einen falschen Weg gegangen zu sein. Diesen Gefühlen Raum zu geben und sie losgelöst von dem nicht in Frage zu stellenden Recht auf Abtreibung zu sehen, ist schwer, aber notwendig. Frauen sollten über ihren Schmerz sprechen dürfen, ohne dass sie ihr Recht auf Selbstbestimmung verlieren. Für Interessierte: Gleichzeitig entstand eine Dokumentation, die im März erstmals auf Arte ausgestrahlt wurde.