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Wo die Liebe hinschlägt

Wo die Liebe hinschlägt

Titel: Wo die Liebe hinschlägt

Author: Julia Strassburg

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf

Preis: 9,95

ISBN: 978-3862652327

Einstiegslektüre

Es gibt viele Formen der Hingabe. Die Menschen praktizieren alltäglich viele hiervon. Hingabe im Job, Hingabe an den Glauben, ein Projekt, die Familie, ein Ideal, an die Kunst. All dies ist im gesellschaftlichen Konsens offen legitim. Hingebungsvoll werden Menschen gepflegt oder widmen manch andere ihr Leben einer Sache. Nur wenn es an die Sexualität geht, da schlagen viele dann sofort mental ihre Beine zusammen, verschränken abwehrend die Arme und fahren im Kopf Filme voller Vorurteile ab. Schon in dem Vorgängerbuch „Schöner leiden“ versammelt Julia Strassburg die Geschichten verschiedenster Leute und lässt diese in 33 kurzen Erzählungen selbst zu Wort kommen.

Von schlicht skurrilem Kopfkino und sanft abstoßend bis zu liebenswert und lebensnah gehen hier die realen Begebenheiten und Absurditäten aus dem Fetischalltag und führen beim Lesen nicht nur zu Nachdenklichkeit, sondern ab und an auch zu spontanen Heiterkeitsausbrüchen. Auch hier nimmt Julia Strassburg ihre Leserinnen und Leser wieder mit, indem sie sie direkt zu den „Perversen“ bringt und diese lebensnah und authentisch zu Wort kommen lässt. Neben den Namen der Personen steht auch meist Alter und Berufsbezeichnung – so wird auch deutlich gemacht, dass sich der Hang zu dieser Form der Sexualität wirklich quer durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Anwälte, Vertriebler, Innenarchitekten finden sich hier einträchtig neben der Korsettmacherin.

Der erste Teil des Buches besteht aus Erzählungen von Menschen, die selbst SM leben und sehr offen und echt über ihre Schlüsselerlebnisse berichten.

Im zweiten Teil finden sich angenehm intelligente Interviews mit interessanten Menschen aus der Szene von Dominas, Hobbyhuren, Fotografen bis hin zu Fetisch-Models und Schneiderinnen.

Im dritten Teil des Buches „Perverse und ihre Hobbys“ geht die Autorin auf Fetischpartys ein und stellt diese und bestimmte Orte vor, hierbei berichtet sie stets aus ihrer subjektiven Perspektive und ihren Gefühlen heraus, versucht aber auch, die Events aus der Sicht von Anfängern zu betrachten.

Fazit: Nachdem „50 Shades of Grey“ – trotz relativ nichtssagender Inhalts und einer massiven Breitseite Klischee – die Stino-Schlafzimmer auch in Deutschland aufgerüttelt hat und (leider) fast auf jedem Nachttischchen liegt, kann man den Verlagen nur dankbar sein, wenn sie trotz großer Versuchung nicht komplett auf diesen Zug aufspringen, sondern inhaltlich handfeste und gute Bücher zu der Thematik produzieren. Hier findet sich kein billiges Zur-Schau-Stellen, mit dem es sich genüsslich im Spießertum gruseln lässt. Das Buch bietet – abseits von Klischees und anstrengenden Stereotypen – viele ehrliche Einblicke, Hilfestellung und zum Beispiel auch Begriffsklärung (zum Beispiel wo und wie man Stammtische findet, wie laufen welche Partys ab…) und ist für vollkommen unerfahrene Menschen mit der Sehnsucht, ihre Wünsche nach Hingabe und Dominanz auszuleben, sicherlich ein guter Einstieg, auch wenn der Blickwinkel der Autorin und ihr Auftreten (weiß, schlank, attraktiv, weiblich, Anfang/Mitte 30) immer im Hintergrund schwebt, da er ihre hier niedergeschriebenen Erfahrungen bestimmt.

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