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Die Geburt eines Menschen ist der Auftritt der Seele in der Welt der Polarität. Ein Zurück ist nicht mehr möglich, es geht nur noch voran. Die Zeitqualität des Geburtsmomentes offenbart, mit welchem „Auftrag“ die Seele die Bühne der Welt betritt.

 

Das Debüt eines Schauspielers ist ein ganz besonderer Schritt in seiner Karriere. Zum ersten Mal tritt er auf, präsentiert sich in der Öffentlichkeit, stellt sich der Kritik der Zuschauer und zeigt, was er kann. Der erste Eindruck, den er hinterlässt, ist entscheidend für seinen Werdegang. Dass dem Anfang etwas ganz Besonderes innewohnt, illustriert nicht nur dieses Beispiel. Vom ersten Schritt, den das Kind alleine geht, über das erste Rendezvous bis zum ersten Auto oder der ersten eigenen Wohnung: Überall drückt sich der Zauber des Beginns aus. Anfangssituationen vermitteln uns das Gefühl, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt und sich mit ihm bisher nicht gekannte Möglichkeiten erschließen.

Besonders in Krisensituationen wird der Wunsch, alles hinter sich zu lassen, zum Verlangen. Wir nehmen uns vor, es von nun an ganz anders zu machen, nur um bei der nächsten Herausforderung festzustellen, dass wir – wenn auch vielleicht in abgeschwächter Form – wieder ähnlich reagiert haben. Der Mensch mag zwar neue Lebensräume erschließen und damit Anfangssituationen schaffen, handhabt sie aber letztlich immer nur auf die ihm gemäße Weise, da sie lediglich Stationen seiner Lebensreise sind, die mit der Geburt begonnen hat.

 

Ein Same will ans Licht

Dieses einmalige, unumkehrbare Ereignis lässt sich weder rückgängig machen noch wiederholen. Es ist unser wahres Debüt auf der Bühne des Lebens. Jeder Komplex im Kosmos, von der winzigen Zelle bis hin zur riesigen Galaxie, gehorcht als Teil des Ganzen denselben Naturgesetzen. Diese wiederum sind Ausdruck des ewigen Wechselspiels schöpferischer Kräfte, die allem Werden und Vergehen zugrunde liegen. Die Pythagoräer begründeten ihre gesamte Philosophie auf diesem Gedankengut. Sie erkannten, dass sich die Beziehung der schöpferischen Urkräfte auf jeder Daseinsebene offenbart und alles Sichtbare Ausdruck unsichtbarer Gesetzmäßigkeiten ist. Diese Energiemuster bilden sich auch auf der Himmelsebene ab, denn jeder Planet ist Repräsentant eines schöpferischen Urprinzips.

Somit wohnt jedem Augenblick ein ureigenes Potential, eine charakteristische Zeitqualität inne, unter welcher sich nur das verwirklichen kann, was diesem entspricht, was latent vorhanden und somit möglich ist. Dies kann mit einem Samenkorn verglichen werden: Aus einem Kornblumensamen kann nur eine Kornblume entstehen und aus einem Sonnenblumenkern nur eine Sonnenblume.

Wenn ein Mensch geboren wird, taucht er aus dem großen Ozean des nicht offenbarten Seins – dem Urwasser des Mutterleibs – auf und tritt mit dem ersten Atemzug seine Reise durch die Welt der Polarität an. Was aber bedeutet das? Von nun an ist er den Gesetzmäßigkeiten von Raum und Zeit unterworfen, von Ursache und Wirkung, von Licht und Schatten, Tag und Nacht, von Entweder-Oder.

Auf dieses Ereignis wird das Geburtshoroskop erstellt, um abzulesen, welche Zeitqualität – also energetische Startbedingung – beim Erscheinen des Neuankömmlings herrschte. Es ist die Darstellung jener einzigartigen Kräftekombination, die mit ihm offenbar wurde und gleichzeitig durch ihn zum Ausdruck gebracht werden will – sein individuelles Energiemuster oder anders ausgedrückt: seine Authentizität.

 

Das eigene Potenzial entfalten

Somit ist der Mensch einerseits Geschöpf, wird andererseits aber zunehmend selbst zum Schöpfer, indem er das in ihm keimhaft angelegte Potential sichtbar macht und entfaltet. Allerdings vermag er nur das zu verwirklichen, was als Saat durch jene zur Zeit seiner Geburt verwobenen Urenergien in ihm angelegt ist, in dieser Hinsicht ist er determiniert.

Die persönliche Freiheit besteht darin, durch Lebenserfahrung immer klarer zu erkennen, was unserem ureigensten Wesen entgegensteht, aber auch wodurch wir diesem voll und ganz gerecht werden können. Ersteres wird von dem Gefühl begleitet, fehl am Platz zu sein, sich verbiegen zu müssen, während sich Letzteres durch mühelose Selbstverständlichkeit auszeichnet. Hans Christian Andersens Märchen vom hässlichen kleinen Entchen illustriert diesen Prozess der Selbstfindung auf vortreffliche Weise: Das Entchen stößt auf Ablehnung, solange es sich bemüht, als Ente akzeptiert zu werden  – bis es erkennt, dass es eigentlich ein Schwan ist. Das Geburtshoroskop ist vergleichbar mit dem genetischen Code, ist jedoch der Schlüssel dafür, wie sich die individuelle Quintessenz, das innere Lebensprinzip des Menschen Geltung verschaffen kann. Es illustriert das zur Verfügung stehende Potenzial, die in uns schlummernden Kräfte – den Fundus, aus dem wir schöpfen können, aber auch dessen Verwirklichungsmöglichkeiten.

Unsere Lebensaufgabe besteht also darin, über Versuch und Irrtum herauszufinden, unter welchen Bedingungen wir dem auf optimale Weise Ausdruck verleihen können. Je weiter wir uns von dieser ureigensten Qualität entfernen, desto größere Dissonanzen erzeugen wir, da wir nicht mehr wirklich in uns schwingen und zu einem Zerrbild unserer selbst werden. Erst dann sind unsere Mitmenschen, aber auch Lebensumstände in der Lage, das Schlechteste aus uns hervorzulocken. In dieser Hinsicht ist das Geburtshoroskop ebenfalls eine verlässliche Orientierungshilfe, da es auch darstellt, inwiefern Reibungspunkte, Widerstände und Krisen Signale der Selbstentfremdung sein können, aber gerade aufgrund ihrer Funktion als Regulative unverzichtbare Komponenten des Lebens sind. Wie eine musikalische Komposition benötigt die Symphonie der menschlichen Persönlichkeit auch Spannungselemente, die zum lebendigen Selbstausdruck gehören.

 

Momentaufnahme

Diese Momentaufnahme der Zeitqualität, die durch uns verwirklicht werden möchte, zeigt außerdem an, welche Aspekte unserer Ganzheit in den unterschiedlichsten Rollen, Funktionen und Lebensbereichen zum Tragen kommen – wo wir dort also nicht anders handeln und reagieren können, als wir es tun. Sie kann Aufschluss darüber geben, welche Charaktere uns entweder inspirieren oder aber herausfordern, damit wir Seiten an uns kennenlernen, die sonst verborgen blieben. Das Geburtshoroskop weist uns aber auch auf unseren ganz persönlichen Rhythmus hin: wie lange wir benötigen, um Erfahrungen zu verinnerlichen, und wie es sich äußert, wenn sich etwas überlebt hat, wir also zu stagnieren beginnen und im Begriff sind, uns dem natürlichen Lebensfluss zu entziehen. Hierdurch wird ersichtlich, dass sich wirkliche Astrologie mit geistig-seelischen Inhalten beschäftigt und – im Gegensatz zu ihrer leider oft praktizierten Form, die diesen Namen nicht verdient, da sie versucht, Ratsuchende abhängig zu machen –, Eigenverantwortung und Selbsterkenntnis fördert. Es gibt keine größere Freiheit, als sowohl zu erkennen als auch zu akzeptieren, wer und wie man wirklich ist.

Daher kann nicht eindringlich genug betont werden, dass es weder ein gutes noch ein schlechtes Geburtshoroskop gibt. Letzteres zu behaupten bedeutete, dem Menschen seine einzigartige Existenzberechtigung abzusprechen. Jeder ist ein unentbehrliches Puzzlestück des großen Ganzen, dessen Same zum Zeitpunkt, an dem er die Bühne des Lebens betrat, der Welt der Materie übergeben wurde. Dieser Same möchte aufgehen, sich entfalten, da alles Lebendige nach Selbstausdruck strebt. Damit liegt das Ziel dieser Lebensreise eindeutig auf der Hand: nämlich die bestemögliche Variante seiner selbst zu werden.

Das Geburtshoroskop kann hierfür als Wegweiser, Gebrauchsanweisung und Gedächtnisstütze dienen. Es ist das Skript des Theaterstücks unseres Lebens. Dessen Thema ist zwar vorgegeben, die Inszenierung jedoch obliegt unserer künstlerischen Freiheit als Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person.


Abb: © icetray – Fotolia.com

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