Anzeige

Der Begriff der „coabhängigen Beziehung“ ist an sich schon paradox, denn zwischen Menschen mit coabhängigen Verhaltensmustern entstehen keine wirklichen Beziehungen, sondern Verstrickungen oder Pseudo-Nähe

Ursprünglich wurde der Begriff „Coabhängigkeit“ verwendet für Partner von süchtigen Menschen, die selber nicht süchtig, jedoch auf zerstörerische Weise in die Beziehung zum Partner verstrickt sind bzw. deren Sucht unterstützen. Vieles deutet bei Coabhängigkeit auch auf Sex-, Romanzen- oder Beziehungssucht hin. Süchtigen wie Coabhängigen jedenfalls sind eine Reihe von Verhaltensweisen gemeinsam, die wirkliche Nähe zu sich selbst und zu Anderen und somit erfüllende Beziehungen unmöglich machen.

Coabhängige sind süchtig nach Kontrolle und Bestätigung. Da sie nicht gelernt haben, sich selbst zu lieben, sind sie nicht in der Lage, es Anderen zu überlassen, ob sie sie mögen oder nicht, sondern versuchen, Liebe und Bestätigung herbeizumanipulieren. Der grundsätzliche Irrtum, dem Coabhängige erliegen, ist zu glauben, dass Liebe kontrollierbar und herbeimanipulierbar sei. Ihre Aufmerksamkeit ist so sehr damit beschäftigt, bewusst oder unbewusst zu kontrollieren, was ihr Gegenüber fühlen, denken, tun oder lassen soll – oder auf keinen Fall fühlen oder denken soll -, dass der Kontakt zu den Gefühlen im eigenen Körper so gut wie abgestorben ist. Wenn sich das Gegenüber nicht so verhält, wie sie es gerne hätten, sehen sie dies als ihr persönliches Versagen an.

Coabhängigkeit beginnt also in dem Augenblick, in dem wir kontrollieren wollen, was in oder mit unserem Gegenüber geschieht und dies weder ihm/ihr noch einer höheren Instanz überlassen, sondern uns selbst dafür verantwortlich fühlen und damit eine falsche Verantwortung übernehmen. Coabhängige respektieren Andere nicht als selbstständige, eigenständige Wesen, weil sie sich selber nicht als solches empfinden. Coabhängige lenken sich von sich selbst und dem unverarbeiteten Schmerz ihrer Vergangenheit unter anderem dadurch ab, dass sie andere erwachsene Menschen eigenständig zu retten oder zu verändern versuchen. Sie verwechseln die Welt hier und heute mit der Situation ihrer Kindheit, in der ihr Wohlbefinden tatsächlich von den Menschen in ihrem direkten Umfeld abhängig war.

Nach Anne Wilson-Schaef in „Die Flucht vor der Nähe“ sehen diese Beziehungen vor der Heilung so aus:

Das „Innere Mädchen“ von Person 1 erwartet, dass es von Person 2 bevatert wird, während der „Innere Junge“ von Person 2 die Bemutterung durch Person 1 einfordert. In manchen Fällen funktioniert diese Rollenverteilung über Jahre, weil beide Partner ihre Rollen übernehmen. Die Beziehung ist dann jedoch nicht nur sehr kraftlos, leblos, unbewusst und problematisch für die eventuell vorhandenen realen Kinder der beiden – sie bietet den beiden auch kaum Wachstumsmöglichkeiten zum reifen Erwachsenen hin. Und sie ist instabil – denn sobald einer von beiden mal nicht die ihm/ihr zugedachte Rolle spielt, kommt es zu Machtkämpfen, Schuldzuweisungen, Dramen oder der Suche nach einem anderen Partner. Da beide davon überzeugt sind, dass sie diese Beziehung gefährden, wenn sie sich ganz zeigen, schneiden sie sich von unerwünschten Gefühlen und Wahrnehmungen ab, was den natürlichen Fluss von Lust und Liebe erstarren lässt. Und alles, was irgendwie herbeimanipuliert werden kann, wird nicht wirklich befriedigend sein und die Kindheitswunde niemals schließen können, denn nicht mal einem Coabhängigen gelingt es in der Tiefe, an etwas Künstliches zu glauben und sich auf Dauer von Pseudo-Nähe zu ernähren.
        
Gay und Kathlyn Hendricks in „Liebe macht stark“: „Der Vertrag lautet: Wenn ich dir erlaube, durch das Leben zu schlafwandeln, dann weckst du mich auch nicht. Wenn ich einwillige, nicht zu wachsen, dann wächst du auch nicht. Wenn ich nicht darauf bestehe, dass du deine schlechten Angewohnheiten änderst, dann verlässt du mich nicht und bringst mich auch nicht dazu, meine eigenen schlechten Angewohnheiten zu hinterfragen. (…). Das Wörterbuch definiert „sich verstricken“ als „sich durch sein eigenes Verhalten in eine schwierige, missliche oder auswegslose, verzweifelte Lage bringen“. Zwei Parteien sind verstrickt, wenn sie so miteinander verknüpft sind, dass beider Freiheit eingeschränkt ist. Genau das bedeutet Coabhängigkeit.“

Aufrechterhalten werden coabhängige Beziehungen durch diverse Beziehungstrancen, z.B. die eher sadistische Variante „Alles wird gut, wenn er/sie sich verändert, wie ich ihn/sie haben will“ oder die eher masochistische Variante „Alles wird gut, wenn ich mich verändert habe, wie er/sie mich haben will.“ Oft leben die Partner in einer, nüchtern betrachtet, unhaltbaren Beziehungssituation, die weit mehr Kraft kostet als sie gibt, weil sie ihre süchtige Verstrickung mit der Trance nähren: „Es wird schon noch gut werden.“ (siehe auch Stephen Wolinsky in „Eins werden oder einander begegnen?“). Der Genesungsweg besteht aus einigen sehr unterschiedlichen Schritten. Aus meiner Sicht und Erfahrung sind die drei wesentlichsten Dinge, die einer Sucht wie auch einer coabhängigen Beziehung den Boden wegziehen und sie mittel- bis langfristig zu einer gesunden Beziehung machen können:

 

  1. Kontakt zum eigenen Körper in Hierjetzt herstellen, z.B. durch Beobachtung des Atems
  2. Ehrlichkeit sich selbst und dem Partner gegenüber
  3. Ein Umfeld, das sich nicht verstricken lässt und in dem neue, gesunde Erfahrungen mit diesen Werten und der daraus entstehenden Nähe gesammelt werden können.

Die Genesung von der Coabhängigkeit und anderen Süchten hat mir mein Leben ein zweites Mal geschenkt. Menschen, die genesen möchten, auf ihrem Weg von der Abhängigkeit zum heilenden Miteinander sinnvoll zu begleiten, ist seitdem mein zentrales Anliegen.

Dieser Artikel ist Teil der Themenseite(n):

17 Responses

  1. Ich-Sein
    Anonyme Co- Abhängige

    Liebe Leute hier,
    vor ein paar Tagen erst, wurde mir bewusst, dass ich co-abhängig bin und in meinem ganzen Leben noch keine echte und gute Beziehung gelebt habe. Diese Erkenntnis ist erst einmal schwer zu verdauen, denn sie bedeutet auch, sich selbst ins Gesicht schauen müssen und zu reflektieren, wie oft man andere manipuliert hat, um zu bekommen, was man braucht. Das Brauchen dient aber leider der Ernährung der ungesunden Muster. Gestern abend war ich zum ersten Mal in einem Meeting der Anonymen Coabhängigen. Diese Gruppe arbeitet mit dem 12 Schritte Programm der Anonymen Alkoholiker. Was sehr anders war, als alles was ich bisher kennengelernt habe ist, dass jeder nur von sich selbst erzählt und niemand aus der Gruppe kommentiert, Tipps gibt oder bewertet. Man kann sagen, was man denkt, fühlt – einfach erzählen. Ich muss sagen, dass ich oft das Gefühl hatte, kommentieren zu müssen, helfen zu sollen usw. Doch genau darum geht es: Es nicht zu tun. Somit bleibt jeder automatisch bei sich selbst. Hinterher fühlte ich mich zum ersten Mal etwas freier und bis sogar noch spät abends spazieren gegangen- was ich sonst nicht für mich selbst getan hätte.
    Sehr zu empfehlen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
    Danke fürs Lesen.

    Antworten
  2. Sahni Herecomesthesun
    Immer mehr "Ich"werden 😉

    Hallo Seemoewe,
    Dein Artikel hat mich mehr verstehen lassen,in welchem Prozess der Co-Abhängigkeit ich mich befinde.Für neue Menschen offen als Gesprächsparner bin ich fast immer allerdings ist die Tiefe meiner Gespräche immer etwas unterschiedlich.Seit dem letztem Jahr Jan.lebe ich wohnlich getrennt von meinem Freund und seinem Sohn.Das tut mir und meiner Tochter gut, denn nach acht Jahren Patchwork-Familie waren die Verstrickungen doch ziemlich Nerven aufreibend.Allerdings hab ich seit Anfang Februar eine Mitbewohnerin für die ich fast alles getan habe…aus der Psychatrie geholt,Kind über Ämter zurück gefordert(behördl.Hilfe),neue Wohnung besorgt inkl.Einrichtungsmaterialien eingeholt und Co.-Abhängigkeit ihres Exfreund geduldet, nicht zu vergessen das sie gerade hochschwanger ist.Letztes Jahr(ca.12Monate) hatte ich Ähnliches mit einer anderen Freundin…danach füllte ich mich wiedermal total ausgepowert.Und jetzt nach ca.drei Monaten mit der Mitbewohnerin erkenne ich, dass meine Geduld in der Co-Abhängigkeit kürzer wird…meine „Selbst-Liebe“wird wieder präsenter und die Mitbewohnerin zieht ja nun auch aus…Meine Eltern trennten sich als ich sieben Jahre alt war(da mein Vater ein starker Alkoholabhängiger war), meine Mutter(bei der ich lebte)hatte als ich ca.10J. war einen heftigen Autounfall, so das ich, mehr als gut war, für mich alleine war und früh zeitig den Haushalt schmiss…Warum ich das hier schreibe ist natürlich auch zur Selbstreflexion, doch danke ich Dir für die Hilfe und auch weisen Worte um mir in meiner Prozessfindung bewusster zu werden.Ich bin jetzt 35 Jahre alt, löse gerade mein Holzspielwaren Geschäft auf und hoffe mehr und mehr „ICH“ zu werden…Alles Gute für Dich!LG
    Sahni Herecomesthesun

    Antworten
  3. Sanni
    Coabhängig

    Das bin ich wohl in doppeltem Sinne Mein Lebensgefährte ist in Substitutionstherapie also Drogen-Ersatz- Therapie nach und nach kam dann Raus das er Ersatzdrogen in Form von Schmerz pflastern spritzt, welche die monatlichen Urinkontrollen nicht anzeigen, da es sich um Standardtests handelt und Spezialtests nicht ohne Verdacht gemacht werden. Ich tolleriere dies und decke ihn nun auch schon und das weil er immer sagt ist das letzte Mal und er hört auf und nun hat er nur noch ein Paar Pflaster da die Quelle versiegt ist. Ich denke aber das danach auch kein Schluss sein wird . Ich erfuhr nach und nach das er fast 14Jahre mehrfach Therapie und Entzug hatte. Ich dachte mit meiner Liebe schafft ers und stattdessen hänge ich jetzt mit drin. Meine Kinder lieben ihn und wissen von all dem Nichts. Er ist nicht der Vater. Und jetzt ist auch noch sein Vater gestorben und seine Mutter ist für mich ein wichtiger Mensch geworden. Ich vertraue ihm null und kann ihn nichtmal unbeobachtet aufs Klo lassen und das ist sehr schlimm für Beide. Ich denke lang über Trennung nach, weil ich ihn liebe ist es schwer und ich will die Kids und seine Ma nicht enttäuschen. Ich glaube aber ich werde ihm niemals trauen können weil er mich oft belogen hat wegen der Sucht und ich immer denke er besorgt sich wo was und er sagt sogar ohne ein wenig aufpuschen könne er nicht mal arbeiten. Was soll ich nur tun??:-(

    Antworten
  4. aimy

    Ohh, danke für diese seite!!! Ich bin gerade neu in eine solche beziehung „gerutscht“, diesmal sehe ich aber die problematik ganz bewusst u möchte daran arbeiten. kann man das wirklich schaffen? Könnt Ihr mir mit euren Erfahrungen mut machen? Ds
    a
    nke u liebe gruss aimy

    Antworten
  5. Heinz

    Warum wird hier der Begriff „Co-Abhängige“ genannt, obwohl es sich eigentlich um „Abhängige“ handelt?

    „Das „Innere Mädchen“ von Person 1 erwartet, dass es von Person 2 bevatert wird, während der „Innere Junge“ von Person 2 die Bemutterung durch Person 1 einfordert. “

    Das ist nur die EINE mögliche Konstellation, in der beide Partner ein Grundproblem mit sich haben. Oft ist es aber so, dass nur der eine Partner in Abhängigkeit zum anderen lebt. Das wäre dann das, was man „emotionale Abhängigkeit“ nennt.
    Der eine Partner ist nur damit beschäftigt, dem anderen die Bestätigung („Liebst Du mich?“, „Findest Du mich schön?“ etc.) zu geben, die er einfordert und wird so sukzessive auf Abstand gebracht, weil er in die Rolle eines „Elternteils“ rutscht, der dem „Kind“ die Sicherheit der Liebe geben muss, die es in sich selbst nicht finden kann. Das führt irgendwann zur völligen Überforderung und teilweisen Aufgabe des eigenständigen Lebens. Aber Co-Abhängig ist das sicher nicht, denn der gebende Part will ganz sicher keine „Bemutterung“ von seinem Gegenüber. Wie auch, wenn er es mit einem unsicheren Kind zu tun hat? Das hat mit einer gewissen Form von „Narzissmus“ zu tun, aber nicht mit „Co-Abhängigkeit“.

    Antworten
  6. eremit

    @ sevdije sopa: arbeite mal an dir selbst.
    Vermutlich liegt das Problem in Deiner Kindheit (Vater-Mutter getrennt) und vermutlich hast Du früh gelernt (lernen müssen) unabhängig zu sein.
    Musst Du es wirklich ALLEN recht machen?
    Mach es nur denjenigen recht, die es wirklich „verdient“ haben!

    Ich war auch vor kurzem in so einer Abhängigen/Co-Abhängigen Geschichte drin, und ich wollte helfen, jedoch „Hilfe“ nehmen solche Menschen (oder können?) leider nicht an.
    Was bleibt sind Fragezeichen, emotionale Leere und Zweifel am Selbst obwohl ich (bis heute) der festen Überzeugung bin, dass wir es zusammen geschafft hätten!

    Hoffe ich konnte ein wenig weiterhelfen, eremit

    Antworten
  7. sevdije sopa

    Mir geht es auch so schlecht dass ich wirklich nur daran denke wie sehr ich versage.ich hab einen kennengelernt der so gut zu mir ist und ich kann mich auf ihn nicht einlassen weil ich mich sonst wie ein Teufel fühle dem expartner gegenüber…ich versuch es allen recht zu machen und mir mach ich nichts recht.ich hab angefangen mich zu ritzen und hab Alpträume und bin kurz vor dem durchdrehen …mein Sohn ist drei Jahre alt und ich hab keine Ahnung wie ich alles schaffen soll…

    Antworten
    • aldafea

      Liebe Sevdije,
      einen Buchtipp hab ich für dich dazu: „Befreie dich durch Selbsliebe“ von Teal Swan erschienen im Koha- Verlag.
      Nur Mut!

      Antworten
  8. Volp Andreas

    Ich finde den Bericht zutreffend.Ich lebe schon 20 Jahre in einer co-Abhängigen Ehe.Teils aus gesundheitlichen Gründen meiner seits rede ich mir ein , obwohl dies ein Sebstbetrug an mir ist.Meine Frau hat sich damit abgefunden und lebt in ihrer Traumwelt.Ich dagegen verkümmere immer mehr an Selbstzweifel an meiner Person. Die Co-Abhängigkeit sitzt schon so tief daß wir uns schon mehrere Jahre keine Körperliche Gegenliebe mehr schencken.Eine Paarberatung war negativ abgelaufen.Wir haben 2 Hunde wo jeder von uns seine Streicheleiheiten sich einverleibt.Eine Trennung auf Zeit hatte ich schon in die Wege geleitet aber aus pflichtbewustsein und finanziell wieder verworfen.Mir kommt mein Leben sinnlos in der vorhandene Ehe vor.Es tut mir leid daß ich schon böse Gedanken hatte.( Ich schäme mich dafür)

    Antworten
  9. Huber

    Hallo,
    ich bin zufällig auf eure Berichte gestoßen. Ich bin seit Mitte Oktober krank geschrieben. In der Ruhe merke ich. dass ich gar nicht mehr meine eigenen Ziele verfolgt habe auch nicht meine eigenen Werte gelebt habe. Das raubt mir so viel Kraft. Ich analysiere und kommentiere ständig anderer Leute Lebenssituation ohne auf mich selbst zu achten. Es kommt für mich auch wenig dabei rüber. Die anderen privat und beruflich profitieren von meinen Beratungen und ich bleibe auf der Stelle stehen. Ich will mich selbst beruflich verändern, merke aber wie schwer mir das fällt. Seit ein paar Tagen merke ich, dass ich mich wohl nur über meinen Mann identifiziert habe. Er fühlt sich von mir eingeengt. Ich weiß gar nicht warum, weil ich mir ja auch alle Freiheiten nehme, die ich brauche. Aber irgendwie beeinflusse ich andere ständig in ihrem Tun.

    Ich habe in den letzten Tagen genau die gleichen Gedanken gehabt wie der letzte Schreiber hier im Chat. Warum nicht die Not zur Tugend machen und mit der Fähigkeit andere zu beraten Geld zu verdienen. Ich habe nur Sorge, dass man dann noch mehr analysiert im Leben als sowieso schon. Oder lässt man dann seinen engsten Mitmenschen wieder mehr Luft und Spielraum?

    Mir wurde eine 6-wöchige Therapie empfohlen in einer Klinik. Ich bin voller Zweifel, da ich auch noch 2 kleine Kinder habe, an denen ich sehr hänge. Wenn ich aber so weiter mache, lernen sie dieses abhängige Verhalten von mir auch und übernehmen es. Habe ich auch ambulant eine Chance?

    Antworten
  10. Fida Christa-Dorit

    Beim Googeln traf ich auf diese Seite und musste mit Erstaunen und erbost feststellen, was ich hier unter meinem Namen vom 1. Juli 2013 zu lesen fand.
    Scheinbar dürfte es sich hier um eine Namensgleichheit mit jemand anderem handeln.
    Ich bitte den Artikel vom 1. Juli 2013 von Fida Christa-Dorit zu löschen.

    Antworten
  11. Günter

    Liebe Elke,

    ich werde bald 55 Jahre und spüre heute zum ersten Mal den Leidensdruck meines Lebens. Ehrlich gesagt, bin ich nicht heute aus einer pragmatischen Lebensphilosophie aufgewacht und stelle nun fest, dass alles nur Mist war. Nein, ich setze mich schon seit Jahrzehnten, insbesondere mittels Reiki, mit mir auseinander. Gestern, sagen wir mal so, viel mir der Begriff „Co-Abhängigkeit“ ins Schoß. Diesen Begriff habe ich bis gestern niemals gehört.

    In meinem ganzen Leben, verstand ich so vieles nicht, weil mir einfach das Gefühl dazu fehlte. Die Liste dafür wäre unendlich lang. Seit ein paar Jahren wird mir allerdings diese Verständnislosigkeit immer bewusster. Nur konnte ich mit diesem Bewusstsein nie wirklich umgehen. Erst als ich im Februar 2012 mit meinem Neffen für 5 Wochen durch Thailand reiste, begegnete ich Menschen (Thais) deren Lächeln und Herzoffenheit mich überwältigte. Ich konnte das in einen Satz fassen „ich habe meine Berührbarkeit entdeckt“. Das geschah in Thailand. Ich weinte und weinte unaufhörlich und tue es heute noch. Meine Berührbarkeit ist ein tiefes Gefühl in mir, welches ich niemals vor dem Februar 2012 gespürt hatte. Gleichzeitig war es mir aber auch bis gestern ein Rätsel, wie es dazu kam. Wieso konnte ich bis dahin nicht berührt werden? Die Antwort habe ich nun: „Co-Abhängigkeit“. Die genauen Ursachen dafür sind mir noch nicht klar, aber an die werde ich vielleicht auch noch, wenn es wichtig ist rankommen.

    Ich war 24 Jahre verheiratet, lebte aber mit meiner geschiedenen Frau immerhin 18 Jahre zusammen. Wenn ich nun liebe Elke, ihren Text lese, verstehe ich so unglaublich vieles, was mir bisher im Verborgenem blieb. Meine Ehe war so gesehen ein reines Engagement.

    Nach meiner Scheidung stolperte ich von einer Beziehung in die nächste, überall fand ich meine Rolle als Retter und manipulierte Tag ein Tag aus. Meine eigenen Gefühle? Hm…Leere! Allen Falls dachte ich mir Gefühle aus und versuchte manipulierend deren Erfüllung zu erreichen. Das waren dann sexuelle Gefühle oder Konsum.

    Ich weiß nicht was die Zukunft bringen wird, aber mit dieser neuen Erkenntnis über Co-Abhängigkeit, fühle ich neue Wege.

    Mein Dank richtet sich an alle Beteiligten, durch die ich zu dieser Erkenntnis nun gekommen bin!

    Antworten
  12. Mike

    Hey Elke,

    danke für deinen Artikel. Ich komme gerade drauf, dass ich in vielen Beziehungen Co-Abhängig bin und war. Deshalb bin ich jetzt wahrscheinlich auf allein. Ich bin nicht fähig, eine normale Beziehung zu anderen Menschen aufrecht zu erhalten. Weder zu Freunden noch zu einem Mann. Ich leide momentan ziemlich. Dein Artikel hat mir ein wenig geholfen.

    Antworten
  13. katze1948

    Ich sehe mich auf dem Weg der Genesung der Co-Abhängikeit. bin weit gekommen. Gehe in eine Selbsthilfegruppe, sie heisst Co-Da. es gibt sie
    überall in Deutschland. Google mal, wenn Du magst. Sie sind anonym und das Beste, was es für mich gibt.

    Alles Liebe M.

    Antworten
  14. Fida Christa-Dorit

    Deine Artikel sprechen mich sehr an. Ich habe im Mai d.j. meinen 54. Geburtstag „erreicht“ und schwebe seit 10 Jahren (nach dem Tod meines Mannes und meiner Tochter) in einer neuen Beziehung quasi wie in einer „Fruchtblase“. Nach einem burn out vor 1 Jahr bin ich in psychotherapeutisch/psychologischer Behandlung, wo ich meine Co-Abhängigkeit bzw. Beziehungssucht kennenlernen durfte. Ich arbeite hart daran, Schmerz und Leid sind sehr präsent.
    Dein Angebot „ein Jahr in einer Selbsthilfegruppe“ dies zu verarbeiten, hat mich sehr angesprochen. Leider ist Berlin für mich nicht „teilnehmbar“. Ich lebe in Österreich (nahe der tschechischen Grenze). Könntest du derartiges auch in Österreich anbieten ?
    Es freut mich dich auf diesem Weg kennengelernt zu haben. Danke.

    Antworten
  15. Christa Sievers

    Ich bin neu in diesem Thema und frage mich wovon soll ich loslassen um Neues zu erkennen… Von meiner Ehe in der wir wohl beide Co abhängig sind ?Das wollte ich nie

    Antworten
  16. seemoewe

    Hallo Elke! Das ist ein sehr aufschlussreicher und informativer Artikel für mich. Als Co-Abhaengige finde ich mich in vielen der gemachten Aussagen wieder. Mittlerweile bin ich inzwischen so weit, dass ich bewusst darauf achte, weniger Verstrickungen zuzulassen, das Bedürfnis der anderen respektieren lerne, dass ich mich nicht so an sie klammere. Allerdings ist dies ein langer manchmal auch schmerzhafter Prozess, da ich nicht immer klar erkennen kann, warum andere Leute nun ausgerechnet nur auf Abstand eine Beziehung fuehren wollen.

    Doch lerne ich von diesen Personen ja am meisten, die wenig Interesse an mir haben. Ich empfinde mein Verhalten, inzwischen wirkliche Naehe zu anderen suchen zu wollen inzwischen auch nicht unbedingt jedes Mal mehr als Zwang. Im Gegenteil faellt es mir auf, dass ich leicht ins Gespraech mit Fremden kommen, und ich werde auch oefter angesprochen von wildfremden Leuten und es ergaben sich dadurch auch schon spannende Gespraeche, ohne dass ich etwas besonderes dafür tun muss, kann ich mir nur so erklaeren, dass andere Menschen das irgendwie von der Ausstrahlung her mitbekommen, dass hier jemand ist, der bereit ist ein Gespraech zu fuehren, was ja so allein noch nicht verwerflich ist.

    Darum sehe ich diese „Faehigkeit“ heute auch mehr als Chance an, als unbedingt als Fehler, zumal ich das beruflich in Zukunft auch anwenden lernen kann in einer eher beratenden Taetigkeit.

    Dass ich sofort merke, wenn mich jemand kontrolliert, ist natürlich ein Beweis dafuer, dass meine Wahrnehmung dafuer geschult ist. Ich mag es im Moment ueberhaupt nicht, wenn das jemand probiert, ohne dass ich seine Gruende nachvollziehen kann. Das heisst ich bin sensibilisiert bzw. konditioniert seit meiner Jugend, mehr kontrolliert als wirklich gesehen oder geliebt zu werden.

    Es kommt mir heute nicht mehr natürlich rüber, wenn irgendwelche Menschen anderen nachzustellen versuchen oder sie zu manipulieren. Denn wer das tut, verspielt das letzte Stück Vertrauen. Ohne mir das Gefuehl zu geben, dass ich fuer den anderen in irgendeiner Form „wertvoll“ bin als Mensch, kann ich nur langsam Kontakt zu anderen aufbauen, doch ich übe derzeit taeglich in Alltagssituationen, mit Ehrlichkeit und offenen Worten meine Mitmenschen zu begegnen, solange, bis mir das eines Tages völlig natürlich vorkommt. Denn meine These heisst, was wir einmal gelernt haben (dazu gehören auch Zwaenge und andere Gewohnheiten), können wir wieder verlernen, wenn wir bewusst daran arbeiten, genau hinhoeren und hinsehe, welche Botschaften wir von draussen empfangen und dann können wir immer noch entscheiden, wie wir anders damit umgehen….(„Loslassen“ ist wohl auch hier das Zauberwort für alle, die an Co-Abhaengigkeit leiden). Es gibt viel zu tun, packen wir es nicht nur an, sondern lassen es auch immer wieder los.

    Sonst wird wohlmoeglich ein neuer Zwang daraus….

    Übrigens Nur wer ganz loslaesst, hat ja immer wieder beide Haende frei für Neues!….

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*