Anzeige

Monika erzählt mir von einem schweren Autounfall  8 Jahre zuvor. Seitdem schmerzt ihr gesamter Körper, ohne jeglichen medizinischen Befund, und sie fühlt sich insgesamt sehr kraftlos. Bei der CranioSacralen Anamnese stelle ich u.a einen sehr schwachen CranioSacralen Rhythmus fest. Als ich mit meiner Hand unter ihrem Kreuzbein bin, beginnt Ihr linker Arm sich langsam zu heben. Ich frage Monika, was Ihr Arm sagen würde, hätte er eine Stimme und sie sagt: „Hilfe holen“. Nun verdreht sich ihr Körper in eine außerordentlich spannungsvolle Postion und ich unterstütze diese Verdrehung, indem ich mit den Händen folge. Als ihr Körper stoppt, stoppt auch ihr CranioSacraler Rhythmus. Zu dem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, daß ihr Körper sich genau in der Position befindet, den er bei dem Autounfall hatte. Sie bleibt für ca. 5 min. in dieser Postition. Ihr CranioSacraler Rhythmus kommt wieder und sie stöhnt leise. Ich frage sie was für sie geschieht und sie berichtet von ihrem toten Mann auf dem Sitz neben Ihr, Sie selbst hilflos, bewegungsunfähig, alleine für Stunden. Tränen brechen sich Bahn und schwemmen die Erinnerung des Grauens und des Schmerzes aus Ihren Zellen.  Ihr Körper hatte ihr den Weg zurück zu dem grauenvollen Erlebnis Ihres Autounfalls gezeigt. Es war ein Anfang, sich der schrecklichsten Erfahrung ihres Lebens zu stellen. Nach der Sitzung sieht sie um Jahre verjüngt und vitaler aus. Ihr CranioSacraler Rhythmus ist viel stärker und gleichmäßiger fühlbar und ihre Schmerzen haben nachgelassen.

Das, was sich in dieser Sitzung abgespielt hat, nennen wir im CranioSacral Balancing den „Somato Emotional Release Prozeß“, den „Prozeß der körperlich emotionalen Befreiung“ . Für mich war diese Sitzung, die ich während einer Fortbildung einer Kollegin gab, sehr eindrucksvoll. Sie lehrte mich die Intelligenz des Körpers, der genau weiß , was notwendig ist, um einen Schmerz loszulassen. Diese Wertschätzung der Intelligenz des Körpers ist für mich eine der Hauptprämissen der CranioSacralenArbeit geworden.

Eine der Voraussetzungen der Arbeit mit dem CranioSacralen System ist die Anfang dieses Jahrhunderts von dem Osteopathen W.G. Sutherland gemachte Entdeckung, daß die verschiedenen Knochen des Schädels sich in ständiger rhytmischer Bewegung befinden. Erzeugt wird diese durch die Bewegung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor). Der Liquor umfließt das Gehirn- und Rückenmark in einem Membranschlauch der durch die Hirn- und Rückenmarkshäute gebildet wird. Er dient dem Schutz und der Nahrung für unser Nervensystem. Der Begriff „CranioSacral“ erklärt sich dadurch, daß diese Flüssigkeit zwischen dem Schädel (Cranium) und dem Kreuzbein (Sacrum) fließt. Durch die ständige Produktion und den Abfluß des Liquors entsteht eine rhythmische Bewegung, die der „CranioSacrale Rhythmus“ genannt wird. Dieser Rhythmus ist am ganzen Körper spürbar. Füllt sich das System, weitet sich der Schädel und die Wirbelsäule streckt sich Richtung Kreuzbein. Wie eine Welle dehnt sich diese Bewegung über das Bindegewebe im ganzen Körper aus. Diese Bewegung ist für das Auge nicht sichtbar, aber für geübte Hände am gesamten Körper spürbar. Sie ist ungleich feiner als Atem und Pulsschlag, und pulsiert mit ca. 6-12 Zyklen pro Minute auch wesentlich langsamer.

Ziel des CranioSacral Balancing ist es, dem CranioSacralen Rhythmus die größtmögliche Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Bei Beginn einer Sitzung legt der Therapeut, sozusagen als Lauschstation, seine Hände auf verschiedene Teile des Körpers um Harmonie und Stärke des CranioSacralen Rhythmus zu erforschen. Dort, wo der Rhythmus kaum oder asymetrisch spürbar ist, liegt eine Störung vor. Das kann an einem Schädelknochen, am Kreuzbein oder an jedem anderen Körperteil sein.

Die therapeutische Arbeit umfaßt mehrere Bereiche. Ein Bereich ist die Arbeit mit den Schädelknochen, die sogennannte „Kopfarbeit“. Sind die Schädelknochen nicht mehr zueinander elastisch, können sie sich nicht mehr dem durch die Liquorproduktion entstehenden Druck anpassen. Der Schädel kann nicht mehr „atmen“. So entsteht ein Flüssigkeitsdruck. Dieser Druck wird auf Hirn- und Nervengewebe weitergegeben und es können Symptomatiken wie Kopfschmerzen, Gesichtsneuralgien, Kiefergelenksproblematiken, aber auch hormonelle Störungen entstehen. Ursache kann ein Schlag oder Unfall auf den Kopf, eine chronische Muskelverspannung im Nacken- oder Rückenbereich, ein Geburtstrauma oder aber auch eine falsche prothetische Versorgung der Zähne sein. Die deutsche Medizin lehrt, im Gegensatz zu der italienischen und amerikanischen, immer noch das Modell des starren Schädels. Erst langsam fangen einige Zahnärzte und Ärzte an, sich mit der Realität der beweglichen Schädelnähte anzufreunden und CranioSacrale Therapie in Ihre Behandlungsplan zu integrieren; sehr zum Wohle ihrer seit Jahren  erfolglos therapierten chronischen Schmerzpatienten.

Ein weiterer Bereich ist die Arbeit mit dem Bindegewebe. Der Therapeut legt die Hände dort auf, wo er eine Störung des Rhythmus festgestellt hat und wartet auf einen leichten Bewegungsimpuls, dem er folgt. Wir arbeiten mit einer indirekten Technik, d.h. wir folgen bis zum Ende der Bewegung, ohne Gegendruck, und warten, bis eine Entspannung eintritt. Das ist, als ob dem Körper durch unsere Hände innen ein Spiegel vorgehalten würde: „ Schau mal, so hälst Du !“Merkt der Körper, daß jemand anderes die Spannung für ihn hält, kann er endlich loslassen. Ursachen für Blockierungen im Bindegewebe können z.B Trauma nach Operationen oder Unfällen aber auch organische Erkrankungen sein.

Die Bindegewebsarbeit  kann noch durch den „therapeutischen Dialog“ unterstützt werden. Mit Hilfe von NLP- und Hypnosetechniken wird ein Dialog mit dem Teil des Körpers initiiert, der ein freies Fließen des Rhythmus verhindert. Dadurch kann der Klient erkennen, welche Funktion die Bewegungshinderung für ihn hat. Das ist immer angezeigt, wenn ein emotionaler Konflikt oder ein emotionales Trauma sich im Körper niedergelassen hat, wie in meinem obigen Beispiel. Der therapeutische Dialog ist eng mit der Somato Emotional Release Arbeit verbunden.

Ein letzter großer Bereich ist die Arbeit mit der Gehirn-und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) selbst. Indirekt arbeitet der Therapeut immer mit dem    Liquor, weil unser Hauptziel immer ist, dieser Flüssigkeit die größtmögliche Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Wir sind also immer auch in direktem harmonisierenden Kontakt mit dem Nervensystem, was dieser Arbeit eine ungemein tiefenentspannende, regenerierende und vitalisierende Wirkung gibt, egal um welche Symptomatik es sich gerade handelt. Wir können die Bewegung des Liqour aber auch direkt beeinflussen, indem wir den CranioSacralen Rhythmus für kurze Zeit stoppen z.B. durch sanftes Halten und Fixieren des Kreuzbeines. In der CranioSacralTherapie nennen wir das „einen Stillpunkt einleiten“. Das ganze System steht für einen Moment still und kann sich neu ordnen, das Nervensystem kann sich beruhigen und/oder Erfahrenes integrieren; auch der Klient erlebt diesen Moment als tiefe Stille. Manchmal fällt der Körper auch von alleine in einen Stillpunkt: bei tiefer Entspannung oder bei einem tiefen therapeutischen Geschehen, wie bei meiner Sitzung mit Monika. Für den Therapeuten ist das immer ein wichtiges Indiz, das die Selbstheilungskräfte des Kör- pers eingesetzt haben.

Letzendlich ist der CranioSacrale Rhythmus immer selbst der „Heiler“. Durch das sanfte Lösen von Blockierung leistet der Therapeut nur assistierende Vorarbeit. Er bringt dadurch den ganzen Körper in Schwingung und Resonanz, und überläßt ihn in den nächsten Tagen der „Selbstheilung“.

„Die CranioSacrale Therapie gehört nicht zu den Körpertherapien, die umschulen, umstrukturieren und konditionieren. Es ist eine Kontaktaufnahme mit einem dem Körper innewohnenden Rhythmus, einem Instinkt. „ (Dr. R. Merkel) Und dieser Instinkt geht immer in Richtung Heilung.

Empfohlene Literatur:
John E. Upledger

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*