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Die deutsche „Wünschepionierin“ Bärbel Mohr und ähnlich bekannte Vertreter wie Pierre Frankh sind von den Bestsellerlisten bei Spiegel und Focus nicht mehr wegzudenken. Auch die Weltbestseller „The Secret“ und „Law of Attraction“ (LOA) zeigen deutlich, dass der Durst nach Wunscherfüllung zu einem weltumspannenden Thema geworden ist. Das neue Buch von Neale Donald Walsch „Glücklicher als Gott“ ist nur auf den ersten Blick ein weiteres Werk im Kanon der Wünsche-Ratgeber. Statt unsere Sehnsüchte weiter zu befeuern, weist es den Weg zurück zur Quelle. Und die liegt in uns. 

Das Rezept hat schon Jesus verordnet: „Klopfe an, und dir wird aufgetan. Bitte, so wird dir gegeben.“ Das hört sich einfach an. Zu einfach. So einfach ist es dann auch wieder nicht, sagt Neale Donald Walsch. Es kommt auf die richtige Herangehensweise und die innere Bereitschaft an, Veränderungen wirklich für möglich zu halten und zuzulassen. Menschen, die aus einem Gefühl des Mangels heraus wünschen, können laut Walsch deshalb mit dem Wünschen auch nicht wirklich glücklich werden. Schließlich sind sie nicht bereit, das anzunehmen, was ist. Und das ist die Voraussetzung für alles Weitere! Der Schlüsselsatz zum Glück könnte lauten: Möchte das, was du bekommst!

Walsch empfiehlt, selbst für das, was wir ganz bestimmt nicht – zumindest nicht bewusst – gewollt haben, danke zu sagen: „Danke, Gott!“ Und weiter: Dankbarkeit ist die Wunderheilung für jeden Augenblick des Unwohlseins. Die Akzeptanz des Augenblicks, so wie er sich zeigt, ist die Voraussetzung für ein sich erfüllendes Leben. Es geht also erst einmal nicht darum, eine riesig lange Wunschliste zu machen…

Für den Wandel arbeiten – Gegensätze sind unvermeidlich

Wenn wir etwas unbedingt haben wollen, geben wir damit zu verstehen, dass wir es eben nicht haben. Und das, was wir nicht haben, aber zu haben wünschen, bestimmt unser Denken und macht uns zu Bedürftigen. Auf diese Weise werden wir nichts von großem Wert erreichen. Mit dem Wunsch nach mehr Geld bestätige ich mir nur unentwegt (m)einen Mangel. Das ist ein Punkt, auf den Walsch mit aller Entschiedenheit hinweist. Dazu kommt ein zweiter: Sobald wir auf etwas aus sind, wird sich auch das Gegenteil in unserem Leben bemerkbar machen. Zwangsläufig! Auf der Ebene der Manifestation (und die gesamte Welt ist nichts anderes) muss das Gegenteil dessen, was mithilfe der Anziehungskraft erschaffen werden soll, einfach deshalb auftreten, weil das, was wir als Welt erfahren, ein Spannungsfeld ist. Gegensätze sind also nicht nur unvermeidlich – sie gehören zusammen und ziehen sich an. Statt das zu erkennen, begegnen viele Menschen dem, was von Natur aus gegensätzlich ist, mit Widerstand und geben deshalb immer wieder – und vor allen Dingen viel zu früh – auf.

Sobald wir bereit sind, in Gegensätzen Chancen zu sehen, können wir ungehindert zur vollen Verwirklichung dessen kommen, was wir wirklich wollen. Wir sehen ein, dass auch das Gegenteil dessen, was wir beabsichtigen, auf dem Weg liegen kann, und lassen uns von Rückschlägen nicht mehr aus der Fassung bringen. Jetzt machen Resignation und Widerstand einfach keinen Sinn mehr. Wir erhalten die Kraft zurück, die von uns selber ausgeht. Dann haut uns so leicht nichts mehr um. Jetzt müssen wir uns nicht mehr reflexhaft gegen all das stemmen, was wir nicht wollen. Und wie von Zauberhand fühlen wir uns in die Lage versetzt, konstruktiv für den Wandel zu arbeiten. Wir sind bereit, die Gegenwart zu bejahen, und fangen an zu erkennen, dass sie alles für uns bereithält. Wenn wir so auf die Welt der Dinge und Begebenheiten schauen und so bei den Dingen und Begebenheiten sind, erschließt sich uns das Schöpfungsprinzip ganz von selbst.

Schöpfung ist Wandel, und Widerstand bringt alles Schöpferische zum Stillstand, weil der Widerstand am vorigen Stand der Schöpfung festhalten will. Solange wir etwas ablehnen, halten wir also an dem Zustand fest, den wir nicht wollen. Einfach gesagt: Wir können erst dann schöpferisch sein und das manifestieren, was wir manifestieren wollen, wenn wir keinen Widerstand mehr leisten.

Aber es geht noch weiter: Wenn wir keinen Widerstand mehr leisten, werden wir vielleicht zum ersten Mal klar und deutlich erkennen, dass das Leben sehr viel weniger ernst und fest ist, als wir geglaubt haben. Daraus ergeben sich ganz von selbst Möglichkeiten, die wir vorher nur nicht gesehen haben. Unermüdlich weist Walsch darauf hin, dass wir uns dann im Raum des Schöpferischen aufhalten, wenn wir uns nicht im „Reaktionsmodus“ befinden. „Sehen Sie zu, dass Sie irgendwie in die Zone der Dankbarkeit kommen … und schrecken Sie dazu auch nicht vor Humor zurück.“

Nichts ist so, wie es zu sein scheint

Walsch sagt, dass alles Stoffliche letztendlich Illusion ist. Dazu macht er drei Aussagen:

1. Nichts in dieser Welt ist real.
2. Alles hat die Bedeutung, die ich ihm gebe.
3. Ich bin das, wofür ich mich ansehe, und meine Erfahrung ist das, wofür ich sie ansehe.

Nichts ist wirklich so, wie es zu sein scheint! Mit dieser Feststellung wird uns ein großes Werkzeug an die Hand gegeben. Walsch will uns weniger zu Meistern über die Umstände als zu Meistern über unser eigenes Leben machen. Bei allem kommt es darauf an, wie wir es sehen. Solange wir das, was wir erleben, für real halten, werden wir nicht glauben, dass es in unserer Macht steht, seine Auswirkungen auf uns zu verändern. Dann bleiben wir viel zu oft in der Beschuldigung/Verurteilung/   Begründung hängen und sind viel zu selten „dabei“, bei uns, in unserem Leben. Dabei hat alles lediglich die Bedeutung, die wir ihm geben. Wir stehen in Resonanz zu der Bedeutung, die wir den Dingen verleihen. Ob wir das wissen oder nicht, spielt dafür keine Rolle. Alles, was wir fühlen, hängt mit der Bedeutung zusammen.

Walsch geht so weit, zu sagen, dass wir keine unguten Gefühle hätten, wenn wir sie nicht haben wollten. „Wenn ich mich von Vergangenheit und Zukunft frei mache, kann ich dem, was gerade abläuft, jede Deutung geben, die ich möchte. Das war die große befreiende Erkenntnis in meinem Leben“, sagt er und setzt sich damit der Gefahr aus, dass sich das für den einen oder anderen abgedroschen anhören mag.

Natürlich haben wir oft das Gefühl, als würden uns negative Gefühle einfach so überfallen. „Du bist, was du sein willst“, heißt also nicht, dass wir nur das sind, wofür wir uns bewusst entscheiden. Aber wir haben die Möglichkeit, uns bewusst zu entscheiden! Vor allen Dingen haben wir die Möglichkeit, uns des Zusammenhangs, dass alles, was in unserem Leben passiert, mit uns zu tun hat, bewusst zu werden! Genau hier setzt Walsch an: Komme zurück zu dir. Finde dich. Sei hier und lasse alles, was du gewesen bist, hinter dir. Er scheint uns zuzurufen: „Du bist ermächtigt! Du brauchst keine Ermächtigung!“
Wir haben direkten Zugang zur Kraft, weil die Kraft das ist, woraus wir gemacht sind. „Die Wahrheit, welche die Menschheit für immer befreien würde“, sagt Walsch, „ist auch die Wahrheit, zu der sich die Menschheit besonders schwer bekennen kann. Deshalb ist es die unausgesprochene Wahrheit, und sie lautet: Gott und wir sind eins.“ Mit allem Nachdruck und aller Schärfe – und für Europäer an manchen Stellen des Buches kaum nachvollziehbar – verwahrt er sich gegen den alttestamentarischen „Kirchengott“, der von den evangelikalen Predigern Amerikas wohl immer noch favorisiert wird…

Gott und ich sind eins.

„Ich war fünfzig Jahre lang ein Identitätsirrtum. Ich sah mich von Gott getrennt“, sagt Walsch. Er versichert uns, dass wir Liebe sind und Wohlstand und Verständnis, Vergebung und Mitgefühl. Wenn wir es bisher nicht so erleben, dann liegt das daran, dass wir uns all das selbst vorenthalten. Wir enthalten es uns vor, indem wir darauf warten, statt es zu schenken und zu teilen. Im Schenken multiplizieren wir das Haben, im Haben realisieren wir das Sein und im Sein erkennen wir, wer wir sind, und bringen es zum Ausdruck. Das ist der Sinn und Zweck des Lebens, des Daseins an sich. In dem Augenblick, in dem wir das erkennen, werden wir uns nie mehr einbilden, dass sich das Leben um uns drehen sollte. Zumindest nicht in dem Sinne, dass wir irgendetwas Bestimmtes sein, tun oder haben müssten, um glücklich zu sein. In dem Augenblick, in dem wir uns daran erinnern, dass wir nicht von Gott getrennt sind, werden unsere Alltagsdramen verblassen und keine Gewalt mehr über uns haben. Schließlich ist Glück Schöpfung und nicht Reaktion. Glück ist ein bewusster Akt!

Wirklich schöpferisch sind wir dann, wenn wir den Augenblick so erleben, wie wir ihn erleben möchten, und nicht so, wie wir ihn bisher immer wieder erleben „mussten“. Man könnte fast auf die Idee kommen zu sagen: Mangel und Missmut sind unbewusste Wiederholungen, die alles daran setzen, bewusste schöpferische Akte wirkungsvoll zu verhindern.

Glück ist die höchste Form der Resonanz

„Wenn Sie Liebe möchten, sorgen Sie dafür, dass ein anderer geliebt wird.“ Was wir anderen gewähren, gewähren wir uns selbst. Glück ist ein kosmisches Prinzip – es beruht auf Resonanz.
Wie etwas unserer Meinung nach sein sollte, ist unerheblich. „Sollte“, sagt Walsch, „ist ein menschliches Gedankengebilde ohne Grundlage in der wahren Wirklichkeit.“ Durch unsere Erwartungen grenzen wir ein, was wir unter Vollkommenheit verstehen. Unsere Erwartungen machen es uns unmöglich, die Vollkommenheit zu erleben und schöpferisch an ihr mitzuwirken.
Da hilft nur eins: Wir können uns darüber klar werden, dass das vollkommene Ereignis zum vollkommen richtigen Zeitpunkt stattfindet. Immer. Wenn wir so sehen lernen, haben wir die vollkommene Gelegenheit, auf vollkommene Weise zum Ausdruck zu bringen, was Vollkommenheit ist. „Glücklich, so viel habe ich gelernt, bin ich dann, wenn ich das Leben mit allem, was es mit sich bringt, in die Arme schließe“, sagt Neale Donald Walsch in seinem neuen Buch „Glücklicher als Gott“.

Bücher:

Neale Donald Walsch Glücklicher als GottNeale Donald Walsch: Glücklicher als Gott: Verwandle dein Leben in eine außergewöhnliche Erfahrung, Kamphausen Verlag 2008, 19,80 €

 

 

 

 

 

 

 

 

Daniel Herbst Ich ohne michDaniel Herbst: „ICH OHNE MICH“, ISBN 978-38370-53784, 14,90 €

Eine Antwort

  1. Christine Bendner
    "Glücklicher als Gott"

    Ich habe einige Bücher von Neale Donald Walsch gelesen und finde Vieles von dem, was er sagt, sehr gut. Aber mit einem Satz in seinem neuen Buch „Glücklicher als Gott“, der in der Rezension zitiert wird, habe ich erhebliche Schwierigkeiten und zwar: „Wir können uns darüber klar werden, dass das vollkommene Ereignis zum vollkommen richtigen Zeitpunkt stattfindet. Immer.“ Kann sich auch ein Mensch, der sich beispielsweise in irgendeinem Folterkeller irgendeiner Diktatur befindet und unsäglichen Qualen ausgesetzt wird, darüber klar werden? Kann er auch sagen: „Hier geschieht das vollkommene Ereignis zum vollkommen richtigen Zeitpunkt? Kann auch er unter diesen Qualen und Schmerzen sagen: „Danke?“ Daheim auf dem Sofa geht das wohl leichter. Ich denke, es gibt Situationen auf dieser Erde, wo man einfach nicht „Danke“ sagen kann. Alles andere halte ich für Theorie, die man gut vertreten kann, wenn man im Warmen und Trockenen sitzt.
    Liebe Grüße, Christine

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