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Feng Shui: Wie wir die Gesetzmäßigkeiten des Lebens für unser Wohlgefühl und Glück auf einfache Weise nutzen können.

Von Peter Fischer

„Die zehn wichtigsten Feng-Shui- Tipps fürs Schlafzimmer/Büro/Wohnzimmer“ – so oder so ähnlich lautet der Titel unzähliger Blog-Einträge im Internet, häufig mit einer schönen farbigen Grafik versehen und einem Tipp, wo das Bett, der Schreibtisch usw. am besten steht. Diese Artikel wecken unsere Aufmerksamkeit für das Thema und geben uns die Möglichkeit Feng Shui „auszuprobieren“. Oft kann man mit ein – fachen Mitteln auch schon beachtliche Verbesserungen herbeiführen. Leider bleibt dabei aber das volle Potential ungenutzt, das Feng Shui eigentlich bietet. Feng Shui ist Teil der „Fünf traditionellen Wissenschaften“ der chinesischen Kultur:

  1. Shan – „lebenspflegende Techniken“: z.B. Qi Gong
  2. Yi – „chinesische Medizin“: Akupunktur, Tuina, Moxibustion, Phytotherapie usw.
  3. Xiang – „Umgebungsanalyse“: Feng Shui und Gesichtslesen
  4. Bu – „Vorhersage“: Analysetechniken zur Bestimmung des weiteren Verlaufs einer Handlungskette
  5. Ming – „Leben“: die individuelle Potentialanalyse eines Klienten, deren Ergebnisse in Bezug auf Verhalten, Berufswahl, aber auch zur Raumgestaltung umgesetzt werden.

All diesen Techniken liegt die sogenannte daoistische „innere Tradition“ zugrunde, die über Jahrhunderte durch Beobachtungen von inneren (Körper und Gefühle) wie äußeren Prozessen (Natur und Behausung) zusammengetragen wurde. Diese „innere Tradition“ erkennt universelle energetische Gesetzmäßigkeiten, die zu einem ständig fortschreitenden Manifestationsprozess führen. Um dies zu beschreiben, hat der chinesische Kulturraum den Begriff „Qi“ (氣) geprägt. Er bezeichnet ein kulturspezifisches Lebenskraftkonzept, das alle Manifestationen hevorbringt. Da in der daoistischen Denkweise alles aus Qi besteht, gelten überall die gleichen Grundprinzipien – egal, ob wir die Funktionsweise eines Staates oder eines Körpers beschreiben oder ob es um spirituelle Praktiken oder die Einrichtung eines Raumes geht.

Feng-Shui: Wissenschaft des Lebendigen

Das Ergebnis ist eine Art „Theory of Everything“, eine Wissenschaft „des Lebendigen“, die vor allem die sich ständig verändernden Prozesse, in denen sich alles und jeder befindet, in den Mittelpunkt stellt. Dieser Ansatz drückt sich bereits in einem der ältesten Texte des chinesischen Kulturraums aus: dem „Buch der Wandlungen“, das traditionell dem dritten Jahrtausend v. Chr. zugeordnet wird (chinesisch: I Ging, Pin- Yin-Schreibweise: Yi Jing).

Das Einmalige an diesem Ansatz ist, Mensch, Zeit und Raum im ständigen Austausch zu begreifen und zu beschreiben. Feng Shui ist dabei nur die Projektion dieses Wissens auf unser räumliches Umfeld. Ein Feng-Shui-Berater ist also nicht einfach nur ein „Inneneinrichter“, sondern arbeitet gleichzeitig als Persönlichkeits- Coach, Strategieberater, Geomant und auf der „Qi“- (energetischen) Ebene. Es ist eine Tätigkeit mit einer sehr hohen Verantwortung und einem hohen Berufsethos. Nicht umsonst vergleicht der daoistische „Energiemeister“ Mantak Chia die Komplexität des Feng Shui mit der Raumfahrttechnik.

So kehren sich viele wohlgemeinte Feng-Shui-Tipps bei genauerem Hinsehen in ihr Gegenteil um. Obwohl zum Beispiel von der Farbe Rot im Schlafzimmer generell abgeraten wird, kann dies für einen Menschen, der gerade etwas „Feuer“ in seinem aktuellen Lebensabschnitt braucht, sehr zuträglich sein. Ein kompetenter Berater wird vor jeder Empfehlung eine Diagnose des Kunden stellen. Dabei ermittelt er sowohl durch Wahrnehmung als auch durch Berechnung die Bedürfnisse des Kunden und das Potential des Raumes. Das Ergebnis sind für den Kunden umsetzbare Empfehlungen, denn eine komplett neue Inneneinrichtung will auch erst einmal bezahlt werden. Wenn ein Experte am Werk ist, wirken oft einfache Veränderungen im Raum wie das Umstellen eines Schreibtisches oder ein bisschen Farbe an der Wand manchmal schon Wunder.

Die Seele projiziert sich in den Raum

Warum ist das so? In der daoistischen „inneren Tradition“ gehen wir davon aus, dass die Hun-Seele, (die „Hauch- Seele“, die in der Leber wohnt) mit dem Öffnen unserer Augen unser Shen („Bewusstsein“) in den Raum projiziert und die Welt um uns herum erzeugt. Dasselbe hören wir auch aus der Quantenphysik: Auf subatomarer Ebene kreieren wir mit jedem Augenblick die Welt um uns herum. Unser Körper reagiert in der Regel sehr schnell auf Ungleichgewichte im Qi-Feld und erzeugt Wahrnehmungen und Gefühle, die uns in die eigene Mitte zurückführen sollen.

Ein vergleichbarer Vorgang findet statt, wenn wir eine Wohnung beziehen und einrichten. Wir manifestieren bewusst oder unbewusst unseren aktuellen Zustand im Raum. Da wir als Menschen selbst hochdynamische Systeme sind, kann es sein, dass wir uns bereits nach kurzer Zeit in einem vollkommen anderen „Qi“-Zustand befinden. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen dem Qi, das wir im Raum manifestiert haben, und dem Qi unseres Bewusstseins. Das beste Beispiel dafür ist, wenn wir nach einer längeren „Single-Phase“ wieder eine feste Beziehung suchen und uns wundern, dass jeder potentielle Partner sich von uns abwendet, sobald er ein paar Mal in unserer Wohnung war. In so einem Fall kann es sein, dass das Qi- Feld, das wir hier über Jahre manifestiert haben, so stark ist, dass es ein klares Zeichen an unseren Besucher sendet: „Ich will alleine sein!“. Ein weiteres Beispiel für so ein Qi-Feld ist die Matratze, auf der wir nach der Trennung von einem langjährigen Partner einfach nicht mehr schlafen können oder wollen. Feng Shui liefert an dieser Stelle eine Methode, diese Interaktion zwischen Mensch und Raum zu beschreiben, und empfiehlt gezielte Maßnahmen, um das Qi-Feld des Raumes so anzupassen, dass es den Menschen, der sich hier aufhält, unterstützt.

Den Menschen im Prozess erkennen

Es geht also um sehr viel mehr, als die „Top 10 Feng-Shui-Einrichtungstipps“ umzusetzen. Feng Shui bedeutet den Prozess zu erkennen, in dem sich eine Person gerade befindet. Um zu verstehen, wie Feng Shui dabei vorgeht, nehmen wir als Beispiel einmal meine Freundin Katja, die gerne Selfies von sich auf der Foto-Internetplattform Instagram postet. Ich sehe ihr Bild und sage: „Das ist Katja!“. Doch nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt, denn dieses Bild hat nur eine Belichtungszeit von einer 1/250 Sekunde! Es hält den Zustand des dynamischen Systems, das ich „Katja“ nenne, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt fest. Trotzdem können wir dieser Momentaufnahme vielfältige Informationen abgewinnen, wenn wir über entsprechendes Fachwissen verfügen. Im Daoismus verwenden wir an dieser Stelle die Methode der „San Cai“ – der „Drei Wirkkräfte“ Himmel (天Tian), Erde (地Di) und Mensch (大Ren). Auf diese Art und Weise können wir aus dieser Momentaufnahme zum Beispiel Informationen über Vergangenheit und Zukunft gewinnen.

Erde (地Di) – manifestiertes Qi: Was vor dem Zeitpunkt der Aufnahme passiert ist, warum Katja so gute Laune hat – das können wir aus ihrem Bildkommentar entnehmen: Sie freut sich über die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings.

Himmel (天Tian) – wohin bewegt sich das Potential des Situation? Im Hintergrund des Bildes sehen wir einen Wagen, der in beängstigender, gerader Linie auf Katja zufährt, und sorgen uns, ob der Fahrer des Wagens sie überhaupt sieht.

Mensch (大Ren) – wer erlebt dies alles: Katja hat viele kleine Falten um die Augen herum, was verrät, dass sie gerne lacht und damit ein eher fröhliches Gemüt hat. Logisch: Sie hat in der Vergangenheit viel gelacht, sonst hätte sie nicht so viele Lachfalten.

Bringen wir die Informationen dieser Momentaufnahme zusammen, so entsteht folgende Prognose: Katja hat gerade gute Laune, ein Wagen könnte ihr in naher Zukunft die Vorfahrt nehmen, was dazu führen wird, dass Katja sich aufregt, aber auch schnell wieder beruhigen wird, da ja nichts passiert ist.

Kräfte erkennen und lenken

Dieses Beispiel illustriert sehr schön, wie Feng Shui funktioniert. Indem wir die Kräfte, die in einer aktuellen Situation wirken, erkennen, verstehen wir, wie sie sich weiter entwickeln könnte und welche Störungen sich in der Zukunft daraus ergeben könnten. Indem wir möglichst früh auf diese Kräfte reagieren, kann sich die Situation in eine für uns günstige Situation entwickeln.

In einer realen Feng-Shui-Beratung ist die Analyse natürlich etwa umfassender.

Die Erde (地Di) steht dabei für unsere physisch messbare Umgebung. Dazu gehören der Kontinent, die Topografie, das Mikroklima, das Land, die Stadt, geopathologische Faktoren wie Wasseradern, Elektrosmog, Baubiologie bis hin zur Wirkung des Grundrisses, in dem wir leben. Aber auch das grobstofflich manifestierte Erd-Qi enthält noch ein „feinstoffliches Erd- Qi“: ein bestimmter Einrichtungsstil, Ergonomie und die Wirkung von Raumfarbe. Im westlichen Kontext reden wir oft von der „Atmosphäre“ eines Raumes, die immer individuell empfunden wird.

Der Himmel (天Tian) steht für die Einbindung von „feinstofflichem Qi“. Dies ist der magische Teil des Feng Shui und damit natürlich in jeder Feng-Shui-Beratung von persönlichem Interesse. Denn wer möchte nicht ein Extra-Stück Kuchen auf dem Teller haben – eine zusätzliche „Zuteilung des Himmels“. Darunter stellt sich der Daoist einen Energiezustand vor, der kurz davor ist, sich zu manifestieren, ähnlich wie eine Gewitterwolke, die kurz davor steht abzuregnen. Mittels unterschiedlicher Techniken wie Ausrichtung eines Gebäudes, Wahl eines günstigen Baudatums etc. werden möglichst viele positive Faktoren dazu gebracht, in einem Gebäude zu kondensieren, um so einen „strategischen Vorteil“ zu erreichen. In China gehörte dazu übrigens auch die Wahl eines geeigneten Grabplatzes für die Vorfahren, da man eine Art „genetische Verbindung“ zu den Vorfahren wahrnahm, die man für das Glück der Familie nutzen konnte.

Das Glück selbst herbeiführen

Die „Menschen-Ebene“ (大Ren) steht für unser individuelles Handeln und die Fähigkeit, Glück und Unglück in unserem Leben selbst herbeizuführen. Im westlichen Kontext denken wir dabei unwillkürlich an psychotherapeutische Verfahren, wobei die westlichen Geisteswissenschaften diese der chinesischen Kultur absprechen. Gleichwohl gibt es in der daoistischen Tradition Konzepte der „psycho-spirituellen“ Heilung, also eine „Heilung durch Bewusstsein“ wie zum Beispiel die Technik der „Heilung durch Reden“, die auf zumindest der Psychotherapie verwandte Methoden hinweist. Auffallend ist, dass die Lebens- Wissenschaften „Ming Li“, die chinesischen „Coaching-Techniken“ der Kaiserzeit wie zum Beispiel „Bazi Suanming“ (chinesische Psychound Biorhythmie) ursprünglich auffallend wenig fatalistisch und vollständig Ressourcen-orientiert vorgehen. An Stelle des westlichen „Da hingehen, wo es weh tut“ findet man hier eine Vorgehensweise, die nach persönlichen Stärken sucht und diese für eine glückliche und erfolgreiche Lebensgestaltung nutzen will. Die Analyse des „Bazi Suanming“ verwendet als Schnittstelle zum Feng Shui die „Fünf Elemente“, die auf den fünf Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Spätsommer/„Reife“, Herbst und Winter) basieren. Zu jeder Jahreszeit können auf der Basis von Beobachtung eine Vielfalt von Zuordnungen getroffen werden, wie zum Beispiel: Vegetation, Klima, Farben, Temperatur, aber auch typische Handlungen und Verhaltensweisen in diesen Zeitabschnitten. So ist es ohne weiteres möglich, persönliche Defizite auch über die Wahl des richtigen Raumes (der richtigen Umgebung) und dessen Gestaltung auszugleichen. Es sollte also klar sein, dass eine individuelle und vollständige Feng-Shui- Beratung zwingend die persönliche Ebene des Klienten einbeziehen muss.

Was ist das größte Geheimnis des Feng Shui?

Was uns zurück zu unserem Titel bringt. Was ist „das größte Geheimnis des Feng Shui“? Es ist die Tatsache, dass unser Geist funktioniert wie eine sich selbst ins Ziel lenkende Rakete. Was auch immer in unserem Leben passiert: Es ist letztendlich nur unser eigener Geist, der versucht, ein Gleichgewicht wieder herzustellen, das uns aus irgendeinem Grunde abhanden gekommen ist. Was bedeutet das für die Gestaltung unseres räumlichen Umfelds („Feng Shui“)? Nun, dass wir eigentlich nichts weiter tun müssen, als in der Wahl und Gestaltung unserer Wohnräume auf unsere Intuition zu hören. Eigentlich wissen wir sehr genau, was gut für uns ist. Aber erstaunlicherweise ist es sehr schwer, zwischen unseren Gedanken und unserer Intuition zu unterscheiden. So folgen wir dann doch wieder viel zu oft dem neusten Modetrend oder dem Rat des Innenarchitekten. Was ebenfalls der Grund ist, warum es Feng-Shui-Beratungen gibt: um Menschen dabei zu helfen, in ihr volles Potential zu kommen und wieder wahrzunehmen, was ihnen gut tut.

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