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Zins und Zinseszins – die Ursache von Armut und Ausbeutung

Welche Erfindung hat den größten Einfluss auf die Entwicklung der Menschheit gehabt? Das Rad? Oder die Schrift? Beide werden, das ist leicht zu beweisen, vom Geld übertroffen: Analphabeten können ohne zu lesen und zu schreiben existieren. Auch ohne die Benutzung von Rädern kann man in Deutschland überleben. Aber ohne mit Geld in Berührung zu kommen, ist ein Leben in unserem Lande nicht denkbar!

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es kein anderes Ding gibt, das Menschen ähnlich häufig gebrauchen und über das sie gleichzeitig so wenig wissen! Wie kann das sein? Und vor allem: warum ist das so?
Die Antworten auf diese Fragen lauten: Weil es nicht gelehrt wird! Und: Weil dieses Nicht-Wissen den Interessen einiger weniger dient!
Die meisten Menschen haben falsche Vorstellungen vom Geld, dadurch falsche Gefühle dem Geld gegenüber und in der Konsequenz: zu wenig Geld! Bomben und Kanonen kosten Geld. Bevor also Blut fließen kann, muss erst Geld fließen. Wohnungen, Schulen und Kindergärten kosten ebenfalls Geld. Woraus folgt, dass das Geld selber weder gut noch schlecht ist. Aus dieser Tatsache folgern viele, dass es also an der Boshaftigkeit der Menschen liegen muss, dass das Geld so oft für grausame und unmenschliche Zwecke eingesetzt wird. Hieran etwas ändern zu wollen, bedeute daher, die „Natur des Menschen“ ändern zu wollen – und das, so hat uns die Geschichte gelehrt, ist nahezu unmöglich.

Silvio Gesell und die menschliche Marktwirtschaft

Was aber wäre, wenn der Fehler gar nicht im Menschen, sondern im Gelde liegen würde? Noch nicht einmal im Geld selber, sondern in dem bei uns herrschenden Geldsystem? Wobei, wie wir noch sehen werden, der Begriff „herrschendes Geld“ den Kern des Problems trifft. Bestünde doch die Lösung fast aller heute „herrschenden Probleme“ in „dienendem Geld“! Das Verdienst, diesen Zusammenhang erkannt und die Lösung entwickelt zu haben, kommt einem Manne zu, dessen Namen nur wenige kennen, obwohl er gemeinsam mit Gutenberg, Luther und Goethe auf die Liste der „größten Deutschen aller Zeiten“ gehört. Doch ist der Name Silvio Gesell (1862-1930) ebenso wie sein Hauptwerk, das 1916 veröffentlichte Buch „Die natürliche Wirtschaftsordnung“, stetiger Gegenstand von Diffamierung und Denunzierung gewesen – und dies aus Gründen, die leicht verständlich sind, sobald die Machtfrage („Cui bono?“ – Wem nützt es?) gestellt wird.
Getreu dem Motto, dass der Prophet im eigenen Land nicht viel gilt, wollte im Deutschland des Jahres 1918 niemand die Worte hören:
„Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, dass es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen!“ Worte, die heute, im Deutschland des Jahres 2005, genauso aktuell sind wie damals – und genauso zutreffend!
Und damit ist das „Zauberwort“ gefallen: Zins! Vielleicht wollen Sie es an dieser Stelle noch nicht glauben. Vielleicht erscheint es Ihnen „zu einfach“, die zahlreichen Probleme unseres Planeten pauschal auf „den Zins“ zu schieben? Dann stellen Sie sich doch einfach mal die „100.000 Euro-Frage“:
Auf welchen Betrag wächst eine Kapitalanlage von 100.000 Euro bei 7 Prozent durch Zins und Zinseszins in 100 Jahren an?
Nehmen Sie jetzt bitte keinen Taschenrechner zu Hilfe, sondern lediglich Ihren gesunden Menschenverstand: 7 Prozent von 100.000 sind 7.000. Mal 100 sind 700.000. Plus die 100.000 Anfangskapital macht 800.000 Euro. Der Betrag, um den es geht, muss also (durch den Zinseszins!) größer sein als 800.000. Aber wieviel? 3 Millionen? 5 Millionen? 10 Millionen? Tippen Sie einfach „aus dem Bauch heraus“!
Die korrekte Antwort (und Links zu weiteren Informationen) finden Sie im Internet auf der Seite
www.100000euro-frage.de (und am Ende dieses Textes ;-).
Wenn Sie damit nicht gerechnet hätten, wird Ihnen hoffentlich klar, dass „es so nicht weitergehen kann“. Denn auch wenn die Banken es in ihrer Werbung gerne falsch darstellen („Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten“): es sind IMMER Menschen, die das Geld erarbeiten müssen!
An dieser Stelle folgt oft der Einwand: „Wer wird schon 100 Jahre alt?“ Das mag stimmen – doch unsere VOLKSWIRTSCHAFT sollte älter als 100 Jahre werden, oder? Durch den exponentiellen Faktor des Zinseszinses ist jedoch die Lebensdauer einer zinsbasierten Volkswirtschaft (sofern nicht Krieg als Mittel zu Kapitalvernichtung und Nachfrageschaffung eingesetzt wird!) auf etwa 70 bis 80 Jahre beschränkt.

Geld kann man nicht essen

Gegenwärtig sind wir im 56. Jahr seit Einführung der D-Mark im Jahre 1948. Die Konsequenz können Sie heute schon erkennen, wenn Sie die Webseite des „Bund der Steuerzahler“ unter www.steuerzahler.de besuchen. Dort finden Sie die „Schuldenuhr“ und können zuschauen, wie sich die Schulden unseres Landes in JEDER SEKUNDE um 1.714 Euro erhöhen!
Wenn Sie verstehen, dass dies Sie DIREKT betrifft, können Sie sich ausrechnen, was es Sie kostet, diesen Artikel zu lesen…

…es sei denn, Sie gehören zu jenen 4 Prozent unserer Bevölkerung, die mit jedem Atemzug reicher werden. Wenn Sie über ein Vermögen verfügen, das mindestens 10 mal so groß ist wie der Betrag, den Sie im Jahr ausgeben, gehören Sie zu den Gewinnern. Glückwunsch! Sie sollten sich allerdings nicht zu früh freuen. Denn der Zwang zu immer weiterem und immer schnellerem Wachstum, unter den der Zins unsere Wirtschaft stellt, führt geradewegs in die ökologische Katastrophe! Die Abholzung der Regenwälder, die Überfischung der Meere, die Ausweitung des Ozonlochs und das Abschmelzen der Polkappen – das alles betrifft auch diejenigen, die sich heute noch für die Gewinner halten! Auch diese werden, gemäß der Weissagung der Cree-Indianer, „am Ende feststellen, dass man Geld nicht essen kann“!

Wer jedoch Kritik daran zu üben wagt, dass Entscheidungen fast nur noch unter den Aspekten „Gewinnmaximierung“ und „Shareholder-Value“ getroffen werden, dem wird vorgeworfen, eine Neid-Diskussion zu führen. Aber kann man wirklich von „Neid“ reden, wenn die Vermögenswerte der drei reichsten Menschen dieser Welt höher sind als das Bruttoinlandsprodukt der 48 ärmsten Entwicklungsländer, in denen über 568 Millionen Menschen leben?

Der Zins – das Instrument der Umverteilung

Wer sich diese Fakten vor Augen führt, der staunt immer wieder über den Zynismus des herrschenden Systems. Da spenden die Bundesbürger nach der schrecklichen Tsunami-Katastrophe über 350 Millionen Euro, obwohl allein die reichste Familie des Landes eine Milliarde hätte spenden können – um anschließend immer noch 14 Milliarden übrig zu haben! Wie kommt es zu dieser „Ungleichverteilung“? Die Antwort liegt im Zins, dem Instrument der Umverteilung, der Ursache von Armut und Ausbeutung. Viele Menschen glauben, sie würden nur dann Zinsen bezahlen, wenn sie Schulden haben. Dies ist jedoch ein großer Irrtum. Tatsächlich bezahlen sie fast jedes Mal Zinsen, wenn sie etwas kaufen. Der Unternehmer, der eine Maschine per Kredit finanziert, rechnet die Kosten dieses Kredites in den Preis des Endproduktes hinein. Bei vielen Produkten betragen diese Kapitalkosten mittlerweile zwischen 30 und 40 Prozent – bei Wohnungsmieten sogar über 70 Prozent! Die Zinsen werden denjenigen gutgeschrieben, die so viel Geld haben, dass sie es verleihen können.
Wobei es in der Natur der Sache liegt, dass die Schulden der einen in exakt dem gleichen Maße steigen MÜSSEN, wie die Vermögen der anderen! Diejenigen, die jetzt schon so wenig Geld haben, dass sie sich welches leihen müssen, zahlen also drauf. Doppelt und dreifach! Heute verteilen wir in der Bundesrepublik auf diesem Weg an JEDEM TAG über 980 Millionen Euro von Arm nach Reich. Sollte das vielleicht der Grund dafür sein, dass der Zins in ALLEN Religionen der Welt verboten ist? Ob Buddhismus, Islam, Christentum, Hinduismus oder Judentum – überall gilt das Zinsverbot (welches innerhalb der jüdischen Gemeinden auch befolgt wird)!

Das Geld muss umlaufen

Denn der Zins ist von Menschen erdacht und eben nicht „gottgegeben“! Es gibt mehrere Beispiele in der Geschichte, wie zinsloses Geld Frieden und Wohlstand bringt. So wurden die meisten Städte in Deutschland im sogenannten „goldenen Mittelalter“ gegründet (zwischen 1150 und 1450). Die Brakteaten, dünne Silberblechmünzen, die nur einseitig geprägt waren und nicht gehortet werden konnten, DA SIE ZWEIMAL PRO JAHR „VERRUFEN“ (UMGEPRÄGT) WURDEN, führten damals zu einer 300 Jahre währenden Hochkonjunktur!

Silvio Gesell erkannte, dass das Geld mit einer Art „Umlaufsicherung“ ausgestattet werden muss, damit es nicht gehortet wird. Unser heutiges Geld ist nämlich ein Zwitter: zum einen ist es öffentlich (Verbot, eigene Geldnoten zu drucken), zum anderen privat. Geld ist aber das Blut des Wirtschaftskreislaufs. Stockungen müssen daher zum Infarkt (in Form von Massenarbeitslosigkeit und Deflation) führen. Verglichen mit dem öffentlichen Straßenverkehr ist es so, als ob ich mein Auto auf einer belebten Kreuzung parke und nur dann wegfahre, wenn mir die anderen Verkehrsteilnehmer eine Gebühr (Zins) dafür bezahlen. Beim Straßenverkehr ist es jedoch umgekehrt: ich werde abgeschleppt und muss auch noch Strafe zahlen. So sollte es auch beim Geld sein!
Die theoretischen Grundlagen dieser neuen Wirtschaftsordnung (Humanwirtschaft oder Fairconomy genannt) sind längst erarbeitet und werden sich in Zeiten des Internet auch nicht auf Dauer unterdrücken lassen. Unsere heutigen Politiker sind jedoch ratlos, hilflos und machtsüchtig auf die Sicherung ihrer eigenen Versorgungsansprüche bedacht. Deshalb ist es so wichtig, dass möglichst viele Menschen erkennen, dass es Alternativen gibt! Was ist denn der Nachteil der Humanwirtschaft? Für 96 Prozent der Bevölkerung gibt es keinerlei Nachteile! Lediglich ein zweifacher Milliardär bleibt eben zweifacher Milliardär und wird nicht innerhalb von 10 Jahren auf Kosten der Allgemeinheit automatisch zum vierfachen Milliardär!

Welches Fazit ist aus all‘ diesen Argumenten zu ziehen? Wir müssen die „geistige Deformation“ besiegen, die uns glauben macht, reine Luft, sauberes Wasser und menschenwürdige Arbeit für ALLE seien NICHT MÖGLICH! Nur solch ein neues Denken kann die Abkehr vom derzeit vorprogrammierten Untergang der Menschheit bringen.

Die meisten Menschen haben falsche Vorstellungen vom Geld, dadurch falsche Gefühle dem Geld gegenüber und in der Konsequenz: zu wenig Geld!

 

Die korrekte Antwort lautet 86.771.630 Euro!

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Über den Autor

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Tomas Klünner, 42, Journalist, Vater von drei Kindern, seit November 2004 Vorsitzender des LV Berlin-Brandenburg der Humanwirtschaftspartei

Lit.: Bernhard A. Lietaer: „Das Geld der Zukunft“,

Riemann Verlag 2002, ISBN-10: 3-570-50035-4, ISBN-13: 978-3-570-50035-4, Sonderausgabe, 480 Seiten, 17 €

„Mysterium Geld“, Riemann Verlag 2000, ISBN-10: 3-570-50009-8,

ISBN-13: 978-3-570-50009-5, 368 Seiten, gebunden, 21 €

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Tel.: 030 – 46 06 76 85

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