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Das Bild, das unser Verstand von uns selbst erzeugt, hat zumeist wenig mit der Realität zu tun. Und das fängt schon auf der Ebene des Körpers an. Der ist nämlich sehr viel weniger getrennt, als wir uns das gemeinhin denken.

„Eins mit Allem“ ist auf der Ebene des Körpers sogar sehr real, auch wenn unser Nervensystem und unsere Wahrnehmung uns eine fundamentale Getrenntheit vermitteln.

Die Grenzen zwischen dem Körper und der Umwelt sind in Wirklichkeit fließend und das Bild, das wir gegenwärtig vom Körper haben, lässt noch viel Raum für Erweiterung.

 

Wir sind ein Biotop!

Um vorne anzufangen: Ist es überhaupt „unser Körper“? Und das ist nicht mal philosophisch gemeint. Denn Fakt ist, dass wir längst nicht seine einzigen Bewohner sind. Tatsächlich sind wir sogar in der Unterzahl! Denn in und auf jeden menschlichen Körper leben etwa 10 Billionen (10.000 mal 1 Milliarde) Bakterien – das ist etwa 10-mal soviel, wie der Mensch selbst Körperzellen hat.

Allein die Bakterien in unserem Dickdarm wiegen zusammengenommen 1,5 Kilo, auf jedem Zahn tummeln sich bis zu 100.000 von ihnen.

BakterieUnd die winzigen Gäste sind weit mehr als nur Besuch: Unsere Körper sind ein ökologische Systeme, in denen die Bakterien eine wichtige Rolle spielen. Zwischen „uns“ und ihnen herrscht ein gegenseitiges Geben und Nehmen, von dem wir ebenso profitieren, wie sie: Mensch und Bakterie leben in enger Symbiose. Sie helfen bei der Verdauung, produzieren lebenswichtige Vitamine, erhalten unser Immunsystem, halten andere Eindringlinge fern und sind alles in allem höchst kooperative kleine Wesen. Dafür bekommen sie ein schönes Plätzchen und ein Leben in Saus und Braus. Manche Bakterien machen auch gar nichts – weder Gutes noch Schlechtes – und sind einfach nur „Mitbewohner“, die uns zeitlebens begleiten und so manches Abenteuer mitmachen.

Bakterien sind längst nicht die einzigen Besucher, mit denen wir uns den Körper teilen – bewusst ist das den meisten Menschen nicht. Für das Bild, das wir von unserem Körper haben, steht uns also wohl noch eine große Wende bevor. Erst langsam begreifen wir: Menschen sind gigantische Ökosysteme für zahllose Mitbewohner; dicht bevölkerte, wimmelnde und hoch „lebendige“ Lebensräume für eine Vielzahl kleiner Lebewesen – seien sie nun Parasit, Angreifer, Mitbewohner, Symbiont, Helfer oder Gast.

 

Viele Körper

Aber eigentlich geht es noch früher los. Denn der Körper ist ja gar kein „Ding“ wie er es zu sein scheint – er ist ein Verbund tausender Zellen, die absterben, Stoffwechsel betreiben und sich vermehren. Ein riesiger hochlebendiger symbiotischer Zellhaufen, der zudem nicht mal für wenige Stunden derselbe ist.

Einzig unsere Gehirnzellen erneuern sich nicht – ansonsten könnte man sagen, dass wir etwa alle 25 Jahre einen Körper aus komplett neuen Zellen haben. Ganz stimmt es aber nicht, da die einzelnen Zell-Typen eine extrem unterschiedliche Lebensdauer haben, die von ein paar Stunden (weiße Blutkörperchen) bis zu 25 Jahren (Knochen) reicht. Dennoch: Unsere Körper sind ständiger Wandel.

 

Eins mit der Umwelt

Wenn man nun noch bedenkt, dass unsere Körperzellen aus dem gebildet werden, was wir als Nahrung zu uns nehmen, wird die Trennung zwischen dem Körper und der Umwelt endgültig unscharf. Ständig nehmen wir Material aus der Umwelt auf und erneuern uns daraus, während wir gleichzeitig Material an die Umwelt abgeben, welches dort ebenfalls weiterverwertet wird.

Die uns umgebende Luft ragt bei der Atmung ständig in unseren Körper hinein, fließt in einzelnen Molekülen durch unser Blut. Es ist dieser ständige Austausch mit dem Außen, der den Rhythmus unseres Lebens bildet und eine Trennung ist nicht denkbar. Sogar unsere Haut atmet.

Dann das Wasser, es durchfließt unseren Körper förmlich. Zu mindestens 50 Prozent bestehen wir daraus, nehmen ständig Flüssigkeit auf und geben alte ab.

Das ganze Körper-Ökosystem ist also mehr ein Fließen, als ein statischer Gegenstand und von der Umwelt kaum zu trennen. Es macht keinen Sinn, sich den Körper überhaupt unabhängig von der ihn umgebenden Umwelt zu denken. Er ist ganz und gar verschmolzen und eingebettet in das ständige Geben und Nehmen mit dem, was ihn umgibt.

 

Das sich wandelnde Eine

Diese Umgebung ist längst nicht nur der Planet, sie reicht hinaus ins Universum. Die Energie, die unser Körper verbrennt, stammt aus unserer Nahrung, die sie wiederum (sofern es pflanzliche Nahrung ist) direkt von der Sonne erhalten hat. Mit anderen Worten: Die Energie unserer Zellen war in großer zeitlicher Nähe noch ein Sonnenstrahl! Und die Energie dieses Sonnenstrahls entsteht aus Fusionsprozessen von Molekülen, deren Entstehung bis in die Zeit kurz nach dem Urknall zurückreicht.

Alles ist noch immer ganz unmittelbar „Sternenstaub“ – denn das ganze materielle Universum ist nur eine ständige Umformung dessen, was beim Urknall geschaffen wurde. Es entsteht keine neue Materie, keine neue Energie, sie wandelt sich nur. Formen, Planeten und Körper vergehen, sinken zurück in das sich wandelnde Eine, verschmelzen. Sie verbinden sich neu, erstehen auf in gewandelter Form, vergehen erneut und sinken zurück – bis in alle Ewigkeit.

Alles, was vergeht und entsteht, ist nur vorübergehende Form im Spiel des großen Einen.

 

 

Bilder

Protoplanet: Pulic Domain / Wikimedia
Bakterie: Pulic Domain / Wikimedia
Körper:  Pulic Domain / Wikimedia

 

 

Eine Antwort

  1. Dietmar

    Ein wunderschöner Artikel. 🙂
    Nun brauchen wir „nur“ noch bewußt versuchen, uns selbst ebenso harmonisch in die Menschheit als Ganzes einzubringen. Dann sind derzeit schwer vorstellbare (Höher-) Entwicklungen möglich. Faszinierender Gedanke.

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