Anzeige

Perfekter Inselstaat als Vorbild für die Welt

Es ist ein alter Traum: Auf einer einsamen, paradiesischen Insel eine perfekte Gesellschaft errichten. Ein internationales Team macht das jetzt wirklich. Auf der polynesischen Insel Moorea soll ein hundertprozentig ökologischer und biologisch komplett abbaubarer Modellstaat entstehen – mit neuem Wirtschaftssystem und allem, was dazugehört.

 

Wir wollen dort zeigen, dass im Bereich Energie, Bekleidung, Behausung, Ernährung und Verkehr alles im vollständigen Einklang mit der Natur organisierbar ist. Wir würden eine Geldreform sowie Parlaments-, Gesundheits-, Bildungs- und Kulturreformen durchführen. Das Gebiet soll eine Art Schaufenster werden, ein Präzedenzfall, der der Welt zeigt: Seht, es ist möglich!“, sagt der Initiator Eric Bihl im Interview mit der taz.
Die Initiative steht in Kontakt mit internationalen Spezialisten für alle benötigten Gebiete, mit 14 Universitäten in Deutschland, der Schweiz und Österreich, und wird zudem das alte polynesische Wissen der Insel-Bewohner vor Ort nutzen.

 

Vom Roman zur Wirklichkeit

Beseelt von der Vision einer neuen Gesellschaft „jenseits von Kapitalismus und Kommunismus“, baten Eric Bihl und seine Kollegen vom Verein Equilibrismus den Autor Dirk C. Fleck, ihre Vision in einem Roman festzuhalten. So sollte die Idee mehr Öffentlichkeit bekommen, und die Hoffnung war, dass „sich die Menschen mit einem klareren Bild vor Augen nach der praktischen Umsetzung sehnen werden.“ Als zweite Stufe sollte dann das vorgeschlagene Konzept auf einer kleinen Insel in die Realität umgesetzt werden, um der Welt endgültig zu zeigen: Es geht, lasst es uns einfach machen!

Der Plan scheint aufzugehen: Das Buch „Das Tahiti-Projekt“ ist ein voller Erfolg, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und gewann 2009 den Deutschen Science-Fiction-Preis. Inspiriert von der Lektüre kamen zwei Studenten mit dem Spezialgebiet „Erneuerbare Energien“ 2009 nach Tahiti, um eine Machbarkeitsstudie zu erstellen – mit positivem Ergebnis. Auch ein Dokumentarfilm ist in der Mache, und nun rollen bereits Vorbereitungen zur Umsetzung. Allerdings wird das Projekt nun auf Tahitis Nachbarinsel Moorea starten und damit deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant.

 

 

Equilibrismus – ein neues System

Eric Bihl, der Initiator des Tahiti-Projekts, erklärt die Herangehensweise so:
„Wir haben es eben nicht mit einem Fehler im System zu tun, sondern mit einem fehlerhaften System. Deshalb dürfen wir nicht nur die Symptome, sondern müssen gleichzeitig die Ursachen angehen. Dies aber geht nur, wenn wir uns gedanklich völlig vom bestehenden System lösen, völlig neue Paradigmen zu einem neuen Konzept fügen.“

Um die Zustimmung der Menschen zu einer Veränderung zu bekommen, eignen sich eBuch und Film hervorragend, als zweiten Schritt braucht es dann das reale Beispiel eines funktionierenden Staates.

Das neue System hat Bihl „Equilibrismus“ getauft, was sich vom lateinischen Wort für Gleichgewicht ableitet. Es stellt eine Art „Komplettlösung“ dar, denn es nützt nach Ansicht von Bihl nichts mehr, „an fehlerhaften Systemen herumzubasteln“. In unserer komplexen Welt sind alle Teilbereiche der Gesellschaft zu eng miteinander verwoben.

„Wir beobachten ja täglich das Paradox, dass die Leute zwar sehen, dass das derzeitige System nicht funktioniert, dass sie aber trotzdem jedem neuen Vorschlag äußerst skeptisch gegenübertreten. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass sie sich jede Veränderung auf einem Gebiet im bestehenden System vorstellen, und da kann vieles nicht funktionieren, weil Altes und Neues nicht zusammenpassen.“
Das Tahiti-Projekt soll „eine bessere Welt plastisch erlebbar machen“ und dadurch die geistigen Filter sprengen, die derzeit viele Menschen daran hindern, Alternativen überhaupt denken zu können.

 

 

Orientierung an der Natur

Zu den Grundprinzipien des Equilibrismus gehört die konsequente Orientierung an der Natur in allen Bereichen. Dazu gehört zum Beispiel, dass alles, was der Natur entnommen wird, ihr auch wieder zurückgeführt werden muss, um im Kreislauf zu verbleiben. Die zentralen Bereiche des Equilibrismus sind:

 

1. Ökoalternativen sowie Effizienz- und Strukturneugestaltung
2. Natürliches Kreislaufwirtschaftssystem
3. Nachhaltige Geld- und Bodenordnung
4. Weltbürgertum

Wer sich angesprochen fühlt, kann sich auf der Website des Projekts nähere Informationen holen und es aktiv unterstützen: Für die 16.000 Einwohner der Insel werden derzeit mindestens ebenso viele Unterstützer gesucht, die helfen, das Projekt finanziell auf die Beine zu stellen.

 


Eric Bihl, der Kopf und Organisator des Tahiti-Projekts, fährt gerade für einen Monat nach Moorea. Nach seiner Rückkehr wird David Rotter für
SEIN-online ein Interview mit ihm über den aktuellen Stand der Realisation des Projektes führen. Das Interview wird voraussichtlich Ende Mai auf unserer Website zu lesen sein.

Links:
www.tahiti-virus.org
www.tahiti-projekt.org
www.equilibrismus.de
www.tahiti-projekt-film.org


Abb.: © Martin Valigursky – Fotolia.com

 

Eine Antwort

  1. Carl Jaegert

    Ich habe nie verstanden, was am Tahiti-Projekt so anziehend ist. Der Traum vom einem solchen idealisierten Südseeparadies erschreckt mich eher.

    Der Roman – und die dahinterliegende Idee – hätte mich fasziniert, wenn er nicht in Tahiti spielte, sondern in der DDR. 10 Jahre nach dem Mauerfall …

    Als neue zeitgemäße „Freie Republik Schwarzenberg“ gewissermaßen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Republik_Schwarzenberg

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*