Abb.: KI / @grokDas verborgene Leben 31. August 2026 Achtsamkeit, Allgemein, Geist, Innenwelten, Persönliches Wachstum, Wissen & Weisheit Es begleitet mich an jedem Tag: das verborgene Leben in mir. Manchmal nehme ich es kaum wahr, manchmal ist es nur ein leiser Funke Hoffnung, den ich behüte. Ich empfinde diese Hoffnung als ein selten gewordenes Gut – nicht weil sie verschwunden wäre, sondern weil wir ihre Quelle im Lärm unserer Zeit so leicht übersehen. von Muni Konradi Wir hoffen vielleicht auf ein besseres Leben, auf bessere Umstände, hoffen auf mehr Glück, noch mehr Erfüllung, mehr Frieden. Aber ist das wirklich mit Hoffnung gemeint? Oder ist das nur eine Erwartung, die wir an das Leben, an die Zukunft stellen? Ist der Antrieb für all das Erreichenwollen nicht eine tiefe Hoffnungslosigkeit, die sich in uns Menschen ausgeweitet hat? Eine Hoffnungslosigkeit, die gefüllt werden muss mit allerlei Ablenkung, Vergnügen, Konsum und Habenwollen, ja vielleicht selbst mit dem Streben zu höherer Erkenntnis? Aber wovon wollen wir uns dabei eigentlich ablenken? Wenn wir etwas Besseres werden wollen, eine bessere Version unserer Selbst vielleicht, dann scheinen wir ja zu glauben, dass das, was wir sind, noch nicht reicht. Dass wir so, wie wir sind, nicht wertvoll genug sind. Paradoxerweise gibt es dabei zwei Kräfte in uns, die uns in die eine oder andere Richtung ziehen, entweder, mehr ‚wert‘ zu sein als wir sind oder minder ‚wert‘ zu sein. Ich glaube, wir kennen alle die eine oder andere Haltung, vielleicht auch beide, je nach Situation, in der wir uns gerade befinden. Aber was wäre, wenn wir aufhörten, dem einen oder anderen zu folgen? Was gäbe es dann noch zu hoffen? Vielleicht nichts? Und wenn wir uns das erlauben – vielleicht kann in solch einem Moment ein tieferes Geheimnis ins uns offenbar werden. Etwas Verborgenes, das in der Stille anwesend ist, jenseits von hoffen oder nicht hoffen. Frère Roger, Gründer einer ökumenischen Gemeinschaft in Frankreich, beschreibt dies in der Einleitung eines seiner Tagebücher folgendermaßen: „Im Menschen ist ein Leben verborgen, aus dem seine Hoffnung entspringt.“ 1) Was bedeutet das? Was für ein verborgenes Leben meint er und welche Hoffnung? Vielleicht ist es ein einfaches Leben, das ganz natürlich in uns wohnt. Und ich denke, es braucht großen Mut, all das Streben, das wir uns mühsam angeeignet haben, aufzugeben. Um wieder zurückzukehren in unser Leben, ein Leben, das uns entspricht und nicht geprägt ist von Erwartungen und Bildern. Und in diesem unserem Leben entspringt eine Hoffnung. Ein kleiner Funke Hoffnung, der uns trägt. Der aus unserem Herzen kommt. Der uns handeln lässt. Der uns erlaubt, Altes hinter uns zu lassen und auf Neues zuzugehen. Es ist eine Hoffnung, die immer schon da ist. Sie lässt sich nicht denken und nicht festhalten. Sie ist spürbar in der stillen Gegenwart unseres Seins. Sie drängt nirgendwohin und will nichts erreichen. Sie entspringt jenem verborgenen Leben in uns, das sich jedem Streben entzieht und dennoch unaufhörlich wirkt. Wenn wir ihm Raum geben, beginnt es, uns von innen her zu tragen. Vielleicht besteht unsere Aufgabe nicht darin, immer mehr zu suchen, sondern dieses verborgene Leben zu hüten – still, achtsam und vertrauensvoll. Denn aus ihm wächst immer wieder neu der kleine Funke Hoffnung, der unser Herz lebendig hält. 1) Frère Roger Schutz (1915-2005), Aufbruch ins Ungeahnte, 5. Auflage, Herder Verlag, 1982, S. 13 Muni Konradi geht seit mehr als fünfundzwanzig Jahren einen Weg der Selbsterforschung und Kontemplation und lebt im modernen Kloster Gut Saunstorf. In Vorträgen, Gruppen und Gesprächen begleitet er Menschen auf dem Weg der Selbsterinnerung. Er ist Herausgeber des „Podcast eines modernen Mönchs“. www.muni.de Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar Antwort abbrechenDeine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.KommentarName* E-Mail-Adresse* Name, E-Mail-Adresse und Website in diesem Browser für meinen nächsten Kommentar speichern. Überschrift E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.Auch möglich: Abo ohne Kommentar. Durch Deinen Klick auf "SENDEN" bestätigst Du Dein Einverständnis mit unseren aktuellen Kommentarregeln.