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Qigong in der Schule: Sanfter Weg gegen Stress, Angst und Überforderung

Schule ist kein Zuckerschlecken. Hausaufgaben, Klassenarbeiten, achtjähriges Gymnasium. Dazu kommt der Druck über Facebook und Co. Die Kinder spüren diesen Druck, ihre Eltern auch. Der Nachhilfe-Markt boomt, der Medikamentenkonsum bei Schülern steigt. Doch Lehrer und Erzieher können diesem Druck entgegenwirken. Mit Qigong-Körperarbeit können sie Schülern und Schülerinnen Wege zeigen, zur Ruhe zu kommen, Angst abzubauen und ihre innere Kraft zu spüren. Lernen können Pädagogen dies in einer berufsbegleitenden Ausbildung in Berlin.

„Manche Schüler sagen offen: Wir haben zu wenig Ruhe“, sagt die Berliner Qigong-Lehrerin Birgit Halberstadt. Bei Projekttagen an Schulen hat sie mit Siebtklässlern gearbeitet. Viele Jugendliche spürten schnell die wohltuende Wirkung und hätten sich auf Anhieb begeistert für die ruhig fließenden Körperbewegungen, anderen sei Qigong zunächst fremd gewesen.

Einige Jungen finden eher den Zugang über das Thema Kampfkunst. „Ich sage dann: Jeder gute Kung-Fu-Kämpfer sollte Qigong können.“

Jüngere finden den Zugang spielerischer. Die Augen schließen und innerlich die eigenen Atemzüge zählen. „Mal sehen, wie lange ihr es schafft.“ Die Stille erleben und aushalten. Dem Ein- und Ausatmen Raum geben. Und dann stolz sein, es bis dreißig geschafft zu haben. In Qigong-Übungen den Wechsel der Jahreszeiten aufgreifen. Oder Tieren nachspüren. „Ich bewege mich kraftvoll wie ein Bär.“

Bausteine für ein stabiles Ich: ­Achtsamkeit und Resilienz

Qi („Tschi“) bedeutet auf Chinesisch „Lebensenergie“. Gong steht für „beständig üben“. Qigong ist die Arbeit an und mit unserer Lebensenergie. In den Qigong-Übungen erfahren sich Kinder und Jugendliche neu und anders, lernen sie Achtsamkeit gegenüber sich selbst und anderen. Altersgerechte Übungen können ihnen helfen, ihre inneren Kräfte zu spüren und für den Alltag nutzbar zu machen.

Studien an verschiedenen Schulen haben gezeigt: Diese Achtsamkeit strahlt in den Alltag aus. Nach regelmäßiger Qigong-Arbeit wurden Schülerinnen und Schüler seltener von negativen Gefühlen „fortgerissen“. Sie waren emotional stabiler, konnten sich besser konzentrieren – und in der Folge auch besser lernen.

Für die innere Stabilität sei Achtsamkeit ein wichtiger Baustein, sagt Halberstadt. Aus ihr wachse, was Kinder und Jugendliche heute dringend brauchen: Resilienz. Jene seelische Unerschütterlichkeit, die uns hilft, uns in uns selbst geborgen zu fühlen, auch und gerade in Krisen und in Phasen äußeren Durcheinanders.

Praktische Erfahrung mit Achtsamkeit in der Schule hat auch die Qigong-Lehrerin Susanne Pries. In Fürstenwalde bei Berlin leitet sie seit mehr als zehn Jahren verschiedene Qigong-Workshops. Ein Mal pro Woche, ein ganzes Schuljahr hindurch. „Das war wie eine Kraftquelle für die Kinder.“ Sie freuten sich auf die AG-Termine, und für manche wurde der Ordner mit den Übungen zu einem festen Begleiter. „Diese Schüler schauen bis heute in ihre Ordner und machen in bestimmten Situationen die Übungen selbstständig.“

 

Neue Körperwahrnehmung

Ungewohnt sei für manche die Erfahrung einer absoluten Stille gewesen: nichts außer der eigenen Bewegung. „Das hat auch die Lehrer fasziniert.“ Überraschend sei für die Kinder auch eine neue Körperwahrnehmung gewesen: Ich fühle den Boden unter den Füßen. Ich spüre meine eigene Kraft. Und ich spüre die Freude, wahrgenommen zu werden und mich selbst wahrzunehmen. Susanne Pries: „Ich habe das so wahrgenommen, dass das für die Kinder wie eine Ruheinsel war.“

Auch die Themen Kopfweh und Bauchweh sprechen Susanne Pries und Birgit Halberstadt in ihren Schülergruppen an. Sie zeigen den Kindern, was Schmerzen lindern kann: Entspannungsübungen, Klopf- und Streich-Übungen, das Ausstreichen der Körper-Meridiane. „Das fanden die Kinder spannend“, sagt Birgit Halberstadt. „Lehrer nehmen auch wahr: Kinder haben weniger Angst vor Klassenarbeiten.“ Sie sehen auch: Qigong- erfahrene Schüler können mit Angst oder Müdigkeit besser umgehen: „Die Kinder fühlen sich weniger ausgeliefert. Sie haben das Gefühl: Ich kann etwas tun.“

Die berufsbegleitende Ausbildung „Qigong mit Kindern und Jugendlichen“ dauert gut zwei Jahre. In Wochenend-Seminaren lernen die Teilnehmenden die Sinnzusammenhänge kennen, die hinter Qigong stehen. Und sie erarbeiten praktische Übungen, die sie in ihrem pädagogischen Alltag einsetzen können. „Wir können mit diesen Übungen nicht das Schulsystem ändern“, sagt Birgit Halberstadt. „Aber Qigong gibt den Kindern die Chance, zum Beispiel in einer Stress-Situation gezielt eine Übung zu machen, die sie gelernt haben.“

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