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Für Zehntausende von Jahren hat Feuer unsere Zivilisation definiert. Es ist das Feuer, das es uns erlaubt hat Metalle zu schmelzen, Chemikalien zu reinigen, Autos, Züge und Flugzeuge zu betreiben, die Erde zu betonieren und zum Mond zu reisen. Ohne Feuer gäbe es keine Silizium-Chips, keine Medikamente, kein Plastikspielzeug, keine Waffen oder Bomben, keine Fernseher oder Computer. Dies ist wahrlich ein „Zeitalter des Feuers“ – ein Zeitalter, das rapide seinem Ende zugeht.

Das Zeitalter des Feuers ist eines der Trennung, während dem die Menschen versuchten, die Natur zu beherrschen und zu kontrollieren. Vom Anfang, vom Kreis des Lagerfeuers an unterteilt es die Welt in zwei Teile: den sicheren heimischen Teil und die Wildnis. Hier war der Herd, der Mittelpunkt des Kreises der Häuslichkeit. Hier war Wärme, welche die kalte Welt auf Distanz hielt. Hier war die Sicherheit, Raubtiere in Schach zu halten. Hier war Licht, das einen menschlichen Bereich definierte, aber auch die Nacht jenseits davon umso tiefer, umso fremder machte. Außerhalb des Kreises des Feuerscheins war das Andere, das Wilde, das Unbekannte.

Das Zeitalter des Feuers ist auch eine Zeit der Herrschaft. Die ursprünglichen Technologien des Feuers verwendeten vor allem Holz, nahmen es damit heraus aus dem normalen biologischen Zyklus und vereinnahmten den natürlichen Fluss der Materie und Energie. Nicht länger nährte das Holz Generationen von Insekten, Pilzen und Böden. Diese Aneignung der oxidativen Energie des Holzes für menschliche Zwecke definierte sehr früh die dominierende Beziehung, die Technologie verkörpert. Heute sieht die gleiche Logik alle Materialien der Welt als „Ressourcen“ und klassifiziert sie nach ihrer Nützlichkeit für den Menschen. Heute verbrennen wir Öl, kein Holz, aber die Mentalität der Verbrennung ist die gleiche: Die Aneignung der gespeicherten Energie für menschliche Zwecke der Kontrolle, begleitet von der Degradierung aller anderen Phasen des Zyklus unter dem wahnwitzigen Vorwand ewigen Wachstums.

Die mangelnde Tragfähigkeit unseres gegenwärtigen Systems ergibt sich aus seiner Linearität, der Annahme eines unendlichen Reservoirs von Ressourcen und einer grenzenlosen Kapazität für Abfälle. Feuer ist eine passende Metapher für ein solches System, denn es beinhaltet eine einfache Umwandlung von Materie von einer Form in eine andere und setzt in diesem Prozess Energie, Wärme und Licht frei. So wie unsere Wirtschaft alle Formen des gespeicherten kulturellen und natürlichen Reichtums verbrennt, um Energie in Form von Geld freizusetzen, so verbrennt auch unsere Industrie gespeicherte fossile Energieträger um die Energie zu gewinnen, die unsere Technologie antreibt. Beide erzeugen eine Weile lang Wärme, aber auch immer größere Mengen an kalter, toter, giftiger Asche und Umweltverschmutzung, ob nun die Aschehäufchen verschwendeter Menschenleben oder die Minen-Gruben und Giftmüll-Deponien der Industrie.

Feuer ist an sich nicht unnatürlich. Feuer ist, zusammen mit seiner biologischen Entsprechung der Oxidation, eine Stufe des natürlichen Zyklus. Unsere Torheit ist so zu tun, als könnte diese Phase ewig und unabhängig existieren. Nur wer nicht die ganze Wirklichkeit sehen kann, würde sagen: „Natürlich können wir das Feuer ewig brennen lassen, wenn es zur Neige geht, fügen wir einfach mehr Brennstoff hinzu.“ Zu glauben, dass ein immer größeres Feuer ewig aufrechterhalten werden kann, ist ganz offenischtlich absurd. Wenn die Brennstoff-Vorräte groß wären, könnte die Illusion vielleicht aufrechterhalten werden. Aber heute ist es immer offensichtlicher, dass uns der Treibstoff ausgeht, sowohl das soziale Kapital als auch die natürlichen „Ressourcen“ – während wir schon in der Asche ersticken.

Das Ende des Zeitalters des Feuers verspricht eine Umkehrung des Verlaufs der Trennung und Herrschaft, die das Feuer geschürt hat. So eingebettet, wie wir in die Ideologie der Trennung sind, ist es schwer, sich eine Art von Technologie vorzustellen, die nicht die Objektivierung, Dominanz und Kontrolle der Natur beinhaltet. Doch diese Technologien existieren, auch wenn wir sie kaum als solche erkennen. Sie stützen sich nicht auf Feuer, sondern auf Erde, Wasser, Licht, Schall und den menschlichen Körper. Verwurzelt in einer fernen Vergangenheit, tragen sie doch das Versprechen eines „neuen Zeitalters“ in sich. Wer weiß, welche Weisheit es als „Wassermann-Zeitalter“ benannt hat? Ich werde es „Zeitalter des Wassers“ nennen.

Wasser – die Essenz der Natur

Wasser (auch wenn es offensichtlich ist) hat dem Feuer sehr entgegengesetzte metaphorische Konnotationen. Wasser widersetzt sich der Linearität: endlos zirkulierend, ist es auch der Mittler der Zyklen der Natur und nährt ebenso Wachstum wie Zerfall. In ähnlicher Weise widersetzt es sich der Trennung: als „universelles Lösungsmittel“ strebt es eher weg von der Reinheit, um an seiner Umgebung teilzunehmen. Wasser ist auch die Nemesis der Kontrolle. Es findet den kleinsten Riss, kann von nichts gehalten werden. Als Wellen im Ozean zerstört es jedes Bollwerk. Im Gegensatz zum Feuer, dass alles sauber brennt und reinigt, was es berührt, ist Wasser ein großes Durcheinander. Daher ist der Schlüssel zum Erhalt von Häusern, Büchern, Lebensmittelen, Kleidung und Metall sie trocken zu halten.

Wasser, mit seinen Zyklen und Strömen, seiner Wildheit und Allgegenwart auf der Erde, könnte man als das Wesen der Natur beschreiben. Unsere Abhängigkeit von Wasser – die Tatsache, dass wir hauptsächlich aus Wasser bestehen – leugnet die primäre Arroganz der Zivilisation, dass wir von der Natur getrennt wären oder sogar ihr Herrscher. Wir sind ebenso wenig Herrscher der Natur, wie wir Herrscher des Wassers sind!

Wasser und Wissenschaft

Aber seit Jahrhunderten haben wir versucht, uns vom Gegenteil zu überzeugen. In der Wissenschaft zeigt sich die Einbildung der Herrschaft auf grundlegende Weise in der Annahme, dass Wasser ein Wirrwarr von strukturlosen identischen Molekülen sei, ein generisches Medium, in dem ein Tropfen dem anderen gleicht. Für eine Standard-Substanz können universelle Gleichungen gelten. Dass jeder Teil des Universums einzigartig sein könnte, ist zutiefst beunruhigend für jede Wissenschaft der allgemeinen Anwendung von Standard-Techniken. Dasselbe gilt für Technologie. Nur ein Universum, das sich aus generischen Bausteinen aufbaut, ist zugänglich für Kontrolle. So wie ein Architekt voraussetzt, dass zwei Stahlträger identischer Zusammensetzung Balken auch identische Eigenschaften besitzen, so glaubt der Apotheker dies auch von zwei Proben aus reinem H2O.

Dass zwei Proben von H2O, oder Graphit, oder Ethanol oder einer anderen reinen chemischen Substanz identisch sind, ist ein Dogma mit enormen Konsequenzen. Dies bedeutet, dass die Komplexität und Einzigartigkeit der Objekte unserer Sinne eine Illusion ist, dass alles nur Permutationen der gleichen Standard-Bausteine sind. Eine solche Sichtweise entspricht natürlich der Objektivierung der Welt, die aus ihr eine Sammlung von Dingen und Massen macht.

Die entgegengesetzte Ansicht sieht jedes Stück des Universums als einzigartig. Kein Tropfen Wasser, keine zwei Steine, keine zwei Elektronen sind identisch, sondern jedes hat eine einzigartige Individualität. Dies ist im Wesentlichen die Auffassung des Animismus, die jedem belebten und unbelebten Objekt einen Geist zuordnet. Für eine Steinzeit-Person war die Idee, dass das Wasser aus einer beliebigen Quelle einen einzigartigen Charakter oder Geist hat, offensichtlich. Die moderne Chemie leugnet es und sagt jeder Unterschied sei nur durch Verunreinigungen bedingt – das zugrundeliegende Wasser ist das gleiche. Animismus sagt nein: einen Geist haben, ist einmalig sein, irreduzibel und in sich einzigartig. Einen Geist haben, heißt besonders zu sein.

Mit dem Anbruch des Zeitalters des Wassers kehren wir zu unseren animistischen Wurzeln zurück und erkennen die einzigartige, geistige Natur eines jeden Tropfen Wassers und in der Tat jeder Substanz des Universums. Nicht einmal das Gebiet der Chemie ist immun gegen diesen Paradigmenwechsel, so wie es immer deutlicher wird, dass das Wasser tatsächlich Struktur auf mehreren Ebenen zeigt. Selbst innerhalb der Mainstream-Chemiker und Materialwissenschaftler wird erkannt, dass der Aufbau von Wasserstoffbrücken und Van-der-Waals-Kräfte für viele ungewöhnliche Eigenschaften des Wassers verantwortlich sind. Nur wenige glauben allerdings, dass diese Strukturen Informationen an biologische Systeme übermitteln können. Ja, Wasser hat Struktur, könnten sie zugeben, aber es gibt kein Signal in dem Lärm.

Wasser-Erinnerung

Dem Widersprechen Forschungen wie die von  der „Wasser-Erinnerung“ aus 1988, als der sehr angesehene französische Allergie-Forscher Jacques Benveniste in der Fachzeitschrift „Nature“ behauptete, dass Wasser die Eigenschaften einer gelösten Substanz behält auch nachdem die gelöste Substanz entfernt wurde. Oder die Homöopathie, die seit über zwei Jahrhunderten ein beachtliches Maß an Komplexität hat, trotz des Fehlens einer triftigen reduktionistischen theoretischen Grundlage. (Mit anderen Worten, niemand weiß wirklich, wie es funktioniert.) Was aber klar ist, ist, dass sie irgendwie Wasser benutzt, um die Informationen natürlicher Stoffe an den Körper zu vermitteln. Zwei verschiedene Proben von homöopathischen Hochpotenzen können beide chemisch reines H2O sein, sind aber laut Homöopathie bei weitem nicht identisch in ihrer Wirkung.

Vielleicht weil sie auf Wasser basiert, fördert die Homöopathie eine Philosophie der Heilung, die sehr verschieden ist von der Eroberung der Natur, welche die Feuer-basierte Allopathie charakterisiert. Allopathische Medizin beruht auf Kontrolle: tötet Mikroben, diktiert Hormonspiegel, entfernt Organen und Tumore. Während Schulmedizin die Natur beherrscht, sieht die homöopathische Medizin die Natur als Lehrer des Körpers. Der Homöopath sucht eine natürliche Substanz, die den Körper ein gesünderes Muster des Seins lehren kann. In der Natur suchend, anstatt sie zu bezwingen oder zu überwinden, nähert sich der Homöopath Heilung im Sinne des Wasser statt des Feuers.

Noch weiter entfernt von der wissenschaftlichen Seriosität, finden wir die Arbeiten von Masura Emoto, dem japanischen Fotograf, der uns Eiskristalle von Wasser zeigt, das verschiedenen Einflüssen ausgesetzt war: elektromagnetischen, emotionalen, musikalischen und so weiter. Kritiker zeigen in der Regel auf methodische Versäumnisse und seine Online-Promotion – aber der Inhalt seiner Arbeit ist offenbar unter ihrer Würde auch nur angesprochen zu werden. Zwar ist seine Arbeit nicht streng wissenschaftlich, aber das soll sie vielleicht auch nicht sein. Sie ist schön und für diejenigen, für die es „wahr klingt“, Anregung für eine neue Richtung des Forschens und Denkens.

Im Wesentlichen bestätigt Emotos Arbeit die metaphorischen Assoziationen von Wasser als ein universelles Medium, ein universelles Lösungsmittel nicht nur für physische Materialien, sondern auch für Gedanken, Gefühle, Energie und Informationen. Wasser trägt den Stempel seiner Umgebung und da jeder See, Fluss oder Tropfen Wasser sich an einem einzigartigen Ort auf der Erde befindet, ist jeder Tropfen einer einzigartigen Kombination von Einflüssen ausgesetzt. Gleichzeitig (da sich diese „Umwelt“ ja auf den ganzen Planeten und darüber hinaus erstreckt) enthält jeder Tropfen Wasser einen Informations-Eindruck des ganzen Universums. Emotos Arbeit legt nahe, dass jeder unserer Gedanken und jede Absicht jeden Tropfen Wasser auf der Erde beeinflusst – es ist nur so, dass das beabsichtigte Ziel, zusammen mit dem Wasser in unserem Körper, am stärksten betroffen ist.

Eine Folge davon ist, dass wir den Auswirkungen unserer Gedanken, Worte und Taten nicht entkommen können. Einmal in das Universum entlassen, hinterlassen sie ihre Spuren, reorganisieren sie die Wirklichkeit, in der wir leben. Im Zeitalter des Wassers werden wir dieses Prinzip verstehen. Im Gegensatz dazu nimmt heute die Ideologie der Technologie an, dass wir die Auswirkungen unserer Verwüstungen für immer vermeiden können, so wie ein Süchtiger die Schmerzen mit dem nächsten Drink bekämpft. Aber irgendwann, wenn die Updates nicht mehr funktionieren und die Kosten unerträglich werden, verstehen wir, dass alle Dinge schließlich wie Wasser zu ihrem Ursprung zurückkehren.

Das Zeitalter des Wassers

Das Zeitalter des Wassers wird den Wasserkreislauf auch in der Wirtschaft nachahmen. Das Feuer ist der Inbegriff des Konsums, wie wir ja auch tatsächlich in unserer Jahrtausende langen Verbrennung sozialen und natürlichen Kapitals erfahren konnten. Heute jedoch sind wir bereits in den Vorläufern der zyklischen Wirtschaft des Wasser-Zeitalters. Abfall-Recycling ist nur ein Anfang, genauso wie Null-Abfall-Produktion, volle-Kostenrechnung und zinslose Währungssysteme. Schließlich werden alle in das verschmelzen, was Paul Hawken eine „Industrielle Ökologie“ nennt, eine Imitation der Ökologie der Natur, in der „Abfall das Essen ist“

Vielleicht der tief greifendste Wandel des Wasser-Zeitalters wird in unserer Spiritualität stattfinden – darin, wie wir uns selbst auf das Universum beziehen. Oben, bei der Besprechung des Animismus, sagte ich, dass jeder Wassertropfen oder ein anderes Objekt „einen einzigartigen Geist hat“ – aber das ist nicht ganz richtig. Der Begriff des Geistes als etwas, dass man „haben“ kann und außerhalb Materie liegt, ist eine Metapher der Trennung und des Feuers. Was Animismus eigentlich bedeutet ist, dass jedes Ding Geist ist, dass die Materie selbst spirituell, heilig und besonders ist. Geist kann genauso wenig von der Materie getrennt werden, wie die Struktur aus dem Wasser entfernt werden kann, dass sie trägt. Das Zeitalter der Wassers ist eine Zeit, in der wir die Erde und alles auf ihr als heilig behandeln.

Gleichzeitig lehrt Wasser uns, dass der einmalige Geist jeder kleinen Einheit von Materie nicht diskret und getrennt ist vom Rest der Wirklichkeit. Wie alle Dinge, einschließlich uns selbst, nimmt Wasser die spirituellen Qualitäten von allem auf, was es umgibt; dank seiner Allgegenwart und Empfänglichkeit, ist es auch das Medium der Gemeinschaft von allem mit allem.

Einzigartig sind wir, jeder von uns – aber nicht mehr getrennt, als zwei Tropfen Wasser im Ozean.


 

Dieser Artikel erschien zuerst auf englisch bei realitysandwich.com. Übersetzt und bearbeitet von David Rotter.

Eine Antwort

  1. Maik Heyne

    Hallo

    Danke für den schönen Artikel.
    Ich finde das überbrachte Bild des Überganges vom Feuer- zum Wasser-Zeitalter sehr schön und aufrichtig.

    Ich kann den Artikel empfehlen, wenn die kleinen „Nebenbei-Bewertungen“ und „leicht genervte Untertöne“ beim Lesen herausgelassen werden.

    Schöne Zeit und Liebe für alles was ist,
    LG Maik.

    Antworten

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