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Interview mit Michael Hübener

Fragen: Daniel Herbst

Deeksha ist momentan ein heißes Eisen. Es gibt sehr widersprüchliche Aussagen und Behauptungen. Das Spektrum reicht von „Erleuchtung durch bloßes Handauflegen“ bis „fauler Budenzauber“.
Wer sich in Golden City im Süden Indiens zum Deekshageber ausbilden lassen will, muss zudem mit gesalzenen Preisen rechnen. Dort entsteht gerade die mit 28.000 qm Meditationsfläche größte säulenfreie Halle Asiens. Am 22. April 2008 wird die „Shakti Stala“ eröffnet. *)
Durch eine glückliche Fügung wurde ich auf Michael Hübener aufmerksam. Er ist Marketingleiter der Verlagsgruppe Kamphausen und gerade erst selbst aus Golden City zurück gekommen.
Ein sehr erhellendes Gespräch …

Daniel Herbst: Können Sie mir mit wenigen Worten sagen, was „Deeksha“ bedeutet und was es bewirkt?

Michael Hübener: Deeksha wird im Allgemeinen als die Übertragung einer intelligenten kosmischen Energie bezeichnet, die zu persönlichem Wachstum bis hin zum spirituellen Erwachen führen soll. Deeksha ist nicht von Sri Bhagavan oder Amma erfunden worden. Es ist eine uralte Technik, die von nichts und niemandem abhängt. Ich persönlich beschreibe Deeksha gerne als eine Art besonderen Spiegel, der nicht meine persönlichen Schwächen oder Begrenzungen abbildet, sondern mir meinen wahren kosmischen Status von Stille, von Ausgebreitetsein, von Liebe und Ganzheit widerspiegelt. Viele Menschen, die Deeksha bekommen, erfahren, dass es sie auf ihre wahre Natur zurückführt. Das ist in meinen Augen das Wesentliche am Deeksha-Phänomen, und das ist nicht an Bhagavan oder Amma gebunden.

 

Wenn ich es richtig verstehe, wird bei Deeksha davon ausgegangen, dass wir als kosmische Wesen Sender und Empfänger in einer Person sind. Dazu passt, dass Deeksha gegeben und empfangen wird.

Ja, wir sind eingebettet in den Kosmos und untrennbar mit ihm verbunden, und Deeksha ist eine „kosmische Energie“. Das bedeutet, dass sie bereits in allem ist, was vorhanden ist. Deeksha ist also nicht die Übertragung einer fremden Energie, es  ist keine Fremdeinwirkung von außen, sondern eine Verstärkung der universellen Lebensenergie, die uns sowieso trägt.

Mich irritiert an Bhagavan, dass er teilweise mit Versprechungen und Visionen aus dem „Wünsch-dir-was-Land“ arbeitet. Im Buch von Kiara Windrider aus dem Kamphausen Verlag „Deeksha. Energie des Erwachens“ stehen ziemlich gewagte Sachen, z.B.: Sri Bhagavan hat die Fähigkeit, den Erleuchtungszustand mit Hilfe eines Vorganges, den man „Deeksha“ nennt, hervorzurufen – und es gibt viele tausende von Menschen auf der Welt, die diesen Zustand bereits erfahren haben…

Ich würde gerne meinen Eindruck von Sri Bhagavan darlegen. Ich habe persönlich zwei Begegnungen, sogenannte Darshans, mit ihm gehabt. Da haben wir zu dritt – er, sein Sekretär und ich – zusammen gesessen. Das war für mich eine sehr, sehr schöne Erfahrung. Es war eine Begegnung, für die ich sehr dankbar bin. Ich habe Sri Bhagavan als einen sehr offenen und freundschaftlichen Menschen erlebt, der natürlich schon eine enorme spirituelle Kraft hat. Das spürt man sofort. Daher liegt es mir fern, ihn irgendwie kleiner machen zu wollen – ganz im Gegenteil. Aber ich denke, dass es für eine wahre Spiritualität einfach notwendig ist, dass wir erwachsen werden. Und zum Erwachsen- werden gehört auch ein erwachsenes Verhältnis zu einem Guru.

Aber diese Aussagen kommen doch von Bhagavan selbst. Deshalb – und das versuche ich hier so neutral wie möglich zu formulieren: Jemand, der seine Visionen in einem so glanzvollen Licht darstellt, arbeitet suggestiv. Und das ist spirituell nicht offen.

So wie ich Sri Bhagavan und Amma verstanden habe, sehen sie sich als Avatare. Avatare sind göttliche Inkarnationen in Menschengestalt. Sie sind mit einer speziellen Aufgabe auf die Erde gekommen. Einer Aufgabe, die größer ist als das, was wir als Normalsterbliche in einem Leben schultern können. Einer Aufgabe, die mit der Entwicklung der Menschheit als solcher zu tun hat. Als Avatare sehen sich die beiden als Repräsentanten oder Archetypen der männlichen und weiblichen Schöpfungsenergie. Wenn wir davon ausgehen, dass die Schöpfung aus dem Unmanifesten, aus dem vereinheitlichten Feld, wie die Quantenphysik das nennt, entsteht, dann entsteht sie ja in dieser ersten Polarität. Und die erste Polarität drückt sich als männlich/weiblich aus. So wie ich es verstanden habe, sehen sich Sri Bhagavan und Amma als Ausdruck dieser ersten Polarität. Wenn sie sich selbst in dieser Funktion wahrnehmen, können sie natürlich alles behaupten. Dann können sie behaupten, dass sie die Schöpfung aufrecht erhalten.

 

Da kann ich mitgehen. Die Frage, die sich mir hier stellt, ist nur: Für einen spirituellen Anfänger ist diese Information weder dienlich noch entwicklungsfördernd. Er wäre in einer spirituellen Krabbelgruppe besser aufgehoben als bei einem Avatar. Wenn der Avatar aber Aussagen macht, die aus dem spirituellen Tiefparterre kommen, ist es nicht verwunderlich, dass dadurch starke Irritationen ausgelöst werden. Vielleicht ist das ein Grund, warum Deeksha immer öfter miss- und teilweise auch boshaft interpretiert wird? 

Das mag sein, und in einem gewissen Ausmaß kann ich Ihnen da folgen. Zwei Dinge. Erstens: Ich kann und will das nicht verteidigen. Schließlich ist das die Art und Weise, wie Bhagavan es dargestellt hat. Was ich aber sagen kann ist, dass man das ganze Phänomen im Kontext der indischen Spiritualität sehen muss. Sri Bhagavan und Amma sind in Südindien beheimatet und werden da als Heilige verehrt. Dort ist die Spiritualität sehr emotional. Es geht blitzschnell, dass da jemand zum Gott hochstilisiert wird. Es geht im Grunde genommen alles über die Hingabe und Öffnung. Dort werden Behauptungen, die hier im Westen provozierend wirken, ganz anders erlebt. Aus diesen Erfahrungen haben Sri Bhagavan und Amma gelernt und die nötigen Konsequenzen gezogen.

 

Welche?

Die Oneness University ist eine der spirituellen Institutionen, die sich am schnellsten verändert. Sowohl, was das Lehrgebäude als auch, was das Auftreten betrifft. – Was ich beobachte ist, dass es hier sehr deutlich um die Sache geht und nicht um die Form. D.h., wenn die Form der Sache nicht mehr dienlich ist, dann wird das dort blitzschnell geändert. Aufgrund dieser in meinen Augen missverständlichen, unterschiedlichen Auffassung zwischen östlicher und westlicher Kultur ist es jetzt z.B. so, dass das „Thema“ Amma und Bhagavan in sämtlichen Kursen nicht mehr behandelt wird. Es gibt an der Oneness University keine Bilder mehr von ihnen. Sie sind komplett im Hintergrund. Für die indische Bevölkerung sind sie aber nach wie vor erreichbar. Was ich während meines letzten Besuchs erlebt habe, ist, dass Deeksha wirklich neutral vermittelt wird. Die von Ihnen angesprochenen Dinge sind schon vor längerem publiziert. Es dauert halt seine Zeit, bis das hier ankommt …

Deshalb bin ich sehr froh, jetzt mit Ihnen über all das zu sprechen. – Deeksha soll auf der neuronalen Ebene wirken. Genau das tun pharmakologische Präparate auch. Was ist der Unterschied? Werden wir einfach nur neu „verdrahtet“?

Jede Spiritualität, die Substanz hat, die sich also nicht in einer nur kurzfristigen Gipfelerfahrung erschöpft, muss auch physiologische und psychologische Veränderungen mit sich bringen. Für mich bedeutet ein spirituelles Wachstum immer ein Wachstum auf körperlicher, geistiger und spiritueller Ebene. Ansonsten ist es eher ein Nachschattengewächs. Das ist auf Dauer instabil, was sich an den Folgen zeigt … Das bedeutet: Auf dem Weg zum Erwachen müssen sich auch Körper und Psyche ändern. Bei Deeksha kommt es ganz bestimmt zu einer Veränderung der Gehirnphysiologie. Infolge des Deekshaprozesses kommt es zu einer Kommunikation mit der göttlichen Dimension, die nicht erzwungen werden kann. Diese Kommunikation ist Gnade. Aber sie erfordert eine Anpassung unserer Antennen.

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Spirituelles Wachstum, das die Herzens-ebene ausschließt,
ist in meinen Augen nichts weiter als intellektuelles Body- building.

Hier möchte ich einmal kurz einen Schritt rüber zum Satsang gehen. Es scheint große Gemeinsamkeiten zu geben, was die Gnade anbetrifft. Aber auf der Ebene, die die „Person“ betrifft, scheinen die Unterschiede stark zu überwiegen.

Ich sehe zwischen Satsang und Deeksha mehr Parallelen als Unterschiede. Das lässt sich z.B. an Ramana Maharshi festmachen. Er soll regelmäßig Deeksha gegeben haben. Und auch Bhagavan und Amma beziehen sich oft auf Ramana. Es ist nur so, dass für viele hier im Westen Deeksha mit dem Phänomen des Handauflegens verbunden ist. Das ist aber nur eine Form von Deeksha. Auf den Kursen an der Oneness University wird sehr klar und deutlich vermittelt, dass es im Wesentlichen drei Formen von Deeksha gibt. – Die Form, die wir als noch ziemlich unerfahrene Westler am besten weitergeben können, ist die des Handauflegens. Es gibt aber auch noch das Augen- deeksha, wo die kosmische Kommunikation auf der Ebene des Blickes geschieht. Ein Blick kann sehr viel verändern.
Die dritte Form ist die Absichtsdeeksha – dort geschieht die Kommunikation auf noch feineren Ebenen – durch reine geistige Absicht. Zuerst wurde an der Oneness University sehr intensiv Handdeeksha gegeben.
Jetzt geht man dazu über, immer mehr geistiges oder absichtsvolles Deeksha zu geben. Hierbei findet keine Berührung mehr auf körperlicher Ebene statt.

Jetzt sind wir wirklich auf der universalen Ebene. [M. Hübener: Und da ist es gar nicht mehr weit zum Advaita] – Da brauchen wir die Begrifflichkeiten „Satsang“ und „Deeksha“ nicht mehr. Da sind wir bei dem Mysterium, das das Universum zusammenhält.

Aber da kommt noch ein Element dazu – das der Präsenz, das der göttlichen Gnade. Sri Bhagavan sagt sehr deutlich, dass die Wirkung der Deeksha in direkter Korrelation zu der Herzensqualität des Deekshagebers steht. D.h., wenn ich Deeksha nur mit einem intellektuellen Fokus gebe, bleibt die Wirkung sehr begrenzt. Spirituelles Wachstum, das die Herzensebene ausschließt, ist in meinen Augen nichts weiter als intellektuelles Bodybuilding. Wahre Spiritualität geht immer in Richtung Herzensentwicklung, in Richtung Kommunikation auf der Herzensebene.

 

Es scheint, als würde sich das Eine auf immer neue Weise zeigen und mitteilen wollen…

Nach meiner Beobachtung drückt sich spirituelles Wachstum im kollektiven Bewusstsein in Wellen oder auch durch „spirituelle Moden“ aus. Bis Ende der Siebziger war es Transzendentale Meditation, dann kam mit Osho eine Welle der sexuellen Öffnung und der gesellschaftlichen Provokation. Dann wurde das Thema Advaita immer aktueller. Durch die Satsang-Welle ist die universelle Einheit und Vernetzung deutlicher geworden. Und jetzt im Augenblick ist einfach die Deeksha-Welle dran. Es „spirituelle Moden“ zu nennen, ist weder schlimm noch verwerflich. Es sind einfach verschiedene Blickwinkel, die für spirituelles Wachstum essentiell sind. Deeksha hat die Dimension der Segnung, der Gnade – oder, im christlichen Sinne, die des Heiligen Geistes. Darin sehe ich den Wert von Deeksha. Das Deeksha-Phänomen geht jetzt um den ganzen Erdball, und dazu mussten Amma und Sri Bhagavan zunächst vielleicht ein bisschen forsch auftreten. Es ist ihr großes Verdienst, dass die Welle jetzt da ist. Und sie wird ihre Wirkung tun.

*) Großevent mit erwarteten 500.000 Besuchern aus aller Welt. Weitere Info:
www.onenessuniversity.org

Sri Bhagavan und Amma, die Begründer der „Oneness Univeristy“ in Golden City,
Indien
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Illustrationen: shako@netzkunstgenerator.de

Über den Autor

Avatar of Michael Hübener

Michael Hübener ist Marketingleiter der Verlagsgruppe Kamphausen in Bielefeld, vielgereister Indien-Freund und Co-Lektor der Bücher „Deeksha – Energie des Erwachens“ von Kiara Windrider (siehe hierzu auch unser Interview) und „Oneness – Erwachen zur Einheit“ von Arjuna N. Ardagh (siehe Buchbesprechung auf der Buchseite).

4 Responses

  1. Elisabeth
    Danke für die Erklärung, was Deeksha bedeutet

    Danke für Ihren Artikel, Herr Hübener. Ich kenne den Begriff „Deeksha“ erst seit 2 Tagen, nachdem eine neue Email-Bekanntschaft ihn erwähnt hat. So wollte ich einmal danach googlen und fand hier her. Ich habe mir bis jetzt noch keine Meinung gebildet, aber denke, dass Ihr Artikel mir fürs Erste dabei durchaus behilflich gewesen sein dürfte. Gruß Elisabeth aus Bielefeld

    Antworten
  2. Landei

    Was für ein Schwachsinn! Wie leicht man unzufriedenen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen kann! Angeblich sind es die Inder, die die sog. kosmische Kraft haben und weitergeben können.
    Wenn es so ist, warum werden dann in Indien Frauen und Mädchen vergewaltigtß So toll kann es da mit dem „Hier und Jetzt“ auch nicht sein!
    Wenn die Gurus Leute positiv beeinflussen können, warum tun sie es nicht mit diesen Verbrechern?

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  3. Joschka

    Wenn man aufrichtig ist, bringt einen der falsche Guru mit genau dem in Berührung, was man braucht, trotz seiner Falschheit. Und dann wächst man darüber hinaus. – Satprem

    Sogar jene, die in ihrer Suche nach Wahrheit bei falschen Gurus waren, haben spirituelle Stabilität erreicht, nachdem sie diese Gurus verlassen und den Pfad der Selbstverwirklichung betreten haben. – Shri Mataji Nirmala Devi

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  4. Gisi

    Deeksha wir hier leider von vielen sogenannten 2Tages-Therapeuten gerne benutzt um ihr Ego aufzuplustern – ich der große Handaufleger – du der Empfänger – da verwechselt so mancher Gnade mit Gnädigsein – hab ich selbst erlebt – leider! Ich lass die Finger von gurugesteuerten Anwendungen – diese Zeit ist doch längst vorbei -und Kritik ist dort nicht erwünscht! Sowas macht mich von vornherein skeptisch. Schauen Sie sich doch mal englische Berichte aus Indien zu Oneness an… mehr gesunde Skepsis seitens ihres Verlags wäre schon angebracht…
    Gisi, Stuttgart

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