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Im Laufe meines Lebens habe ich mich mit vielen religiösen und spirituellen Menschen austauschen dürfen. Ich habe verschiedenste Lehren und Traditionen kennengelernt, und verschiedene Heilmethoden, mit denen Menschen arbeiten und zu helfen versuchen. Und weil Menschen sind wie sie sind, streiten sie, und in religiösen und spirituellen Fragen streiten sie nicht weniger als außerhalb von ihnen, nein, vielmehr sind hier, da es um so ernste Dinge geht wie Sinn, Gott und Erlösung, die Zerwürfnisse noch schwerwiegender.

Die Weisheiten des einen sind die Irrtümer des anderen

Dem Katholik ist der Protestant nicht nur Bruder, sondern auch Dorn im Auge. Der Kontemplative kann nicht anders, als jede bildhafte Vorstellung von Gott gering zu achten. LoA-Anhänger halten Betende, die bitten, für Infantile, die ihre eigene Schöpferkraft nicht kennen. Reiki-Praktizierende sind in manchen Kreisen höchst umstritten und verschiedene Reikianer wiederum sagten mir schon: „Arbeite bloss nicht mit Schamanismus. Die Gewalt der Tiergeister verkraften wir Westler gar nicht.“ Channelmedien gelten als Verführer zur Tatenlosigkeit, Engelanhänger als romantische Weltflüchtige und westliche Halbbuddhisten ziehen hier und da den Spott geborener Buddhisten auf sich (weil wohl eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe als dass ein Westeuropäer ernstzunehmender Buddhist werde). Ich überspitze, aber wir kennen alle solche oder vergleichbare Urteile.

Dogmatismus mitten im Pluralismus

Was uns die Religionsfreiheit und der Pluralismus beschert haben, ist der Luxus, frei wählen zu dürfen, in welchem Glauben, in welcher Tradition, in welcher spirituellen Praxis wir uns Zuhause fühlen. Und das ist wunderbar, denn wir können den lieben langen Tag Dinge suchen, die etwas in uns zum Klingen bringen. Wir können der Heimat nachspüren, nach der wir uns sehnen. Manch einer findet die in buddhistischen Elementen, ein anderer in schamanischen Praktiken.

Angesichts dieser Freiheiten bemerken wir oft nicht oder zu spät, dass sehr viel Unfreiheit mitten im Paradies unserer Wahlfreiheit lauert. Sie macht sich bemerkbar durch suggestiven Konsens, das lächelnde „Du weisst doch, dass das so ist“, durch Ge- und Verbote, durch Druck und Angst, durch Ächtung. Wer sich innerhalb einer Erdheilungsmeditationsgruppe als Fleischesser, Gothicmusik-Anhänger oder Motocrossfahrer outet, erlebt möglicherweise schneller als ihm lieb ist, wie ringsum das freundliche Lächeln gefriert. Es herrscht sehr viel Konsens darüber, was gut sei, was adäquat sei, was sich schicke und was nicht. Und genau da beginnt oft die Gewalt. Und die Ausübenden sind gar nicht bewusst gewalttätig aus bösem Willen – sie sind es weil sie es selbst so gelernt haben.

Ein guter Lehrer führt Dich zu Dir, nicht von Dir weg

Wenn Dein Lehrer, Medium oder Meister Dir also sagt, Du könnest nur auf einem Wege zur Glückseligkeit gelangen, dann frage Dich, ob das wahr ist. Wenn man Dir sagt, Du müssest gewisse Dinge tun und ohne sie sei jede Deiner Anstrengungen vergebens, dann frage Dich, ob das wahr ist. Wenn Dir jemand sagt, Gott sei dort und nur dort, dann frage Dich, ob das wahr ist. Wenn Dir jemand sagt, Dein Karma binde Dich, ein alter Vertrag binde Dich, die Vorsehung binde Dich, wenn Dir jemand sagt, er wisse etwas über Dich das Du nicht weißt, dürfe es Dir aber nicht sagen, dann frage Dich, ob das wahr ist. Und nutze dazu alles, was Gott Dir gab um Deine Wahrheit zu finden, und Dein Urteilsvermögen gehört dazu.

1000 Menschen, 1000 Wege

Mir wird jeden Tag bewusster, dass wir Menschen alle verschieden sind. Wir sind mit verschiedenen Aufgaben und Talenten auf diese Welt gekommen. Wir haben verschiedene Lebenswege, und wir alle haben eine Berufung. Und wir alle haben eine innere Wahrheit, der zu folgen über unser Glück bestimmt. Wenn ich sage „innere Wahrheit“ dann bedeutet das: Du bist einzigartig und etwas ist in Dir, das man „Essenz“ nennen könnte oder Deine „wahre Natur“. Was könnte also Deine Aufgabe sein? Sicher doch die, dieser wahren Natur Ausdruck zu verleihen.

Es ist vergleichbar mit einer Leidenschaft: wenn Du das Singen sehr liebst und Du tust es eine Weile nicht, dann fühlst Du Dich unvollständig. Dir fehlt der Ausdruck dessen, was Du wirklich bist. So ist es auch mit Deiner inneren Wahrheit. Sie ist vermutlich so etwas wie der göttliche Geist der in Dir seinen ganz einzigartigen Ausdruck sucht.

Woran Du einen guten Lehrer/Heiler/Helfer erkennst

Was kann also ein ernsthafter Lehrer, Seher, Heiler oder Meister für Dich tun? Das Wunderbarste, das er für Dich tun kann, das Liebevollste und Aufrichtigste ist doch sicher das: Dir zu helfen, Deine innere Wahrheit zu erschließen.
Der aufrichtige Helfer versucht nicht, Dir eine allgemeingültige Wahrheit zu verkaufen, die Dich möglicherweise um 180° dreht. Er versucht, mit Dir zusammen Spuren zu lesen. Denn in Deinem Leben sind etliche Spuren gestreut worden, die Dich darauf hinweisen, was Dich glücklich und gesund macht und was Dich in einen tiefen Seelenfrieden führen kann.

Es gibt keinen Weg, der alle ins Glück führt

Ja, Kontemplation ist wunderbar. Aber sie ist nicht der Weg für jeden. Ja, Schamanismus ist wunderbar. Aber er ist nicht der Weg für jeden. Und ja, buddhistisches Mantrasingen, Yoga und Runenkunde sind auch wunderbar, aber eben nicht für jeden. Dem einen helfen Affirmationen, den anderen machen sie krank. Dem einen hilft eine Trancereise, den anderen machen sie instabil. Es ist wichtig, wer Du bist und wo Du stehst, und von dort aus zu prüfen, was Du mitbringst und was Du brauchst und wohin Deine Reise gehen könnte.

Liebe Dich selbst genug, um DEINEN Weg zu gehen

Ob der Hinduismus mehr Berechtigung hat als das Christentum, ist nichts, was man diskutieren müsste. Sinnvoller investieren wir unsere Energie, wenn wir lernen, die Perle der Wahrheit in allem glänzen zu sehen, und uns dann den Dingen zuwenden, von denen wir fühlen, das sie uns unserer innersten Wahrheit näher bringen. Damit wir, wenn wir ihre Spuren lesen, täglich mehr das Leben umarmen und erkennen, auf wie wundersame Weise unser eigenes Wohl und das Wohl aller miteinander verwoben sind.

Das zu entdecken, hat etwas von wach werden, hat etwas von erwachsen werden. Und als Erwachsene übernehmen wir Verantwortung für das was wir tun. Und als Erwachsene haben wir den Mut, unserer inneren Wahrheit zu folgen, auch wenn sie uns zunächst einmal aus dem Schoß einer Gemeinschaft in eine Art Heimatlosigkeit führen mag. Auch wenn sie für uns selbst unbequem sein mag. Diese Strapaze auf sich zu nehmen ist immer fruchtbar, immer Segen, immer Wegweiser zum heiligsten inneren Frieden, nach dem wir uns alle so sehnen.

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6 Responses

  1. Ariane

    Ja … es sind gute Worte die klar und deutlich machen, dass es für jede Seele möglich ist, ins Licht zu gehen. Danke MA`al.
    Sobald die Mehrzahl der Wissenden hier auf Erden für die Übermittlung der Wahrheit des Urspungs allen Seins dann keine Geldwerte mehr dafür annehmen, dann sind wir hier auf Erden wirklich auf einem guten Weg.
    Das göttliche Wissen kann nicht mit Geldwerte abgegolten werden – gut das es bereits einige Wesen auf Erden praktiziert haben (u.a. Jesus) u. immer noch tun – damit jede Seele seine innere Wahrheit finden kann – dafür steht der Planet Erde.

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  2. Irina

    Wunderbar!Genau das!Ich sehe so viel Unterdrückung in den vielfältigen Yogarichtungen–alle scheinen im Krieg miteinander zu liegen. Doch nur das,mit dem ich selbst resoniere,macht mich frei!

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  3. Kato

    Ein echter Balsam der Artikel, nachdem ich eben doch mal in ein Atheistenforum gegangen bin, nur um festzustellen, dass das auch nur eine weitere Dogmatische Religion ist. Man hat mir sogar eine Predigt gehalten, gefordert, ich möge meine Sünden erkennen und drohte mit ewiger Verdamnis.

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