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Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung in westlichen Gesellschaften. Obwohl gerne von sich gewiesen und immer noch stigmatisiert, handelt es sich mitnichten um ein gesellschaftliches Randphänomen, sondern um eine Diagnose, mit der fast jede/r direkt oder indirekt schon mal in Kontakt war oder ist.

Studiendaten weisen darauf hin, dass, auch im Zusammenhang mit soziokulturellen Einflussfaktoren, die Häufigkeit von Depressionen zunimmt. Die Behandlungserfolge – vor allem mittels medikamentöser Therapieverfahren – sind für die Patientinnen und Patienten häufig nicht zufriedenstellend und nicht selten mit unerwünschten Nebenwirkungen behaftet.

Werkzeugkiste Ayurveda

Genau hier setzt Ayurveda an, denn dieses traditionelle Medizinsystem hat mit seinem ganzheitlichen Ansatz in diesem Kontext einiges zu bieten. Ayurveda ist dabei kein Werkzeug, sondern als komplexes Medizinsystem eben eine Werkzeugkiste. Wenn es auch nach schulmedizinischen Kriterien bisher leider nur wenige Statistiken und wissenschaftliche Erhebungen gibt, ist der immense Erfahrungsschatz, über den Ayurveda durch die lange und ungebrochene Tradition mit weit über 2000 Jahren klinischer Erfahrung als Breitenmedizin in Südasien verfügt, nicht von der Hand zu weisen.

Interessant ist hierbei die andere Herangehensweise: Im Gegensatz zur Schulmedizin, die sich bei der Behandlung meist auf eine spezifische Erkrankung konzentriert, versucht man im Ayurveda den erkrankten Menschen in seiner Gesamtheit zu erfassen, Dysbalancen festzustellen und auszugleichen. Dies stützt sich vor allem auf das ayurvedische Konstitutionstypen-Konzept der drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha) und, auf der psychomentalen Ebene, der drei Gunas (Sattva, Rajas und Tamas), die als Störkonstellationen bei der Entstehung von Krankheiten eine zentrale Rolle spielen.

Ayurvedische Psychotherapie?

Der Ayurveda verfügt über eine eigene Spezialdisziplin für psychische Erkrankung im Rahmen des achtfältigen Ayurveda (Bhutavidya). Beschäftigt man sich mit der Geschichte und Entwicklung des Ayurveda, wird sehr deutlich, dass dieses jahrtausendealte Medizinsystem im Bereich Psychotherapie und Psychologie sehr viel aus der Praxis des Yoga und des Buddhismus entlehnt hat.

Spannend zu sehen, dass heute wiederum die moderne Mind-Body-Medizin/ MBSR (Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion nach Jon Kabat-Zinn) ebenfalls diesen Weg geht und Elemente aus dem Yoga, der buddhistischen Vipassana-Meditation und anderen südasiatischen Achtsamkeitstechniken einbindet. Hierzu existieren bereits einen ganze Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen, zum Beispiel auch für den Einsatz von Mind-Body-Medizin bei Depression.

Ayurvedisches Therapiekonzept

Das vielfältige Therapiekonzept des Ayurveda im Rahmen der Behandlung von Depressionen greift auf die ayurvedische Pflanzenheilkunde zurück (zum Beispiel auf Withania somnifera (Ashwagandha), Bacopa monnieri (Brahmi), Centella asiatica (Mandukaparni) und Convulvulus pluricaulis (Shankhapushphi), auf Körpertherapieverfahren wie Massagen, eine spezifisch zusammengestellte Ernährungstherapie und gegebenenfalls Reinigungselemente – und eben besonders auch auf Yoga-Therapie unter Miteinbeziehung spezifischer Atemtechniken, meditativer Verfahren sowie Unterweisung in ethische Konzepte. Hierbei spielen unter anderem pflanzenbetonte Ernährung, Gewaltlosigkeit, Empathie und Selbstempathie sowie erkenntnistheoretische Aspekte eine wichtige Rolle.

Eins sollte bei all dem jedoch nicht vergessen werden: Vor dem Hintergrund der Bedeutung gesellschaftlicher und sozialer Zusammenhänge für das Auftreten depressiver Störungen in westlichen Gesellschaften (wie zum Beispiel Arbeitsverdichtung, Wertewandel und postmoderner Hyperindividualismus) ist eine integrativmedizinische Herangehensweise wichtig, die den kulturspezifischen Kontext berücksichtigt und naturheilkundliche Ansätze sinnvoll und möglichst wissenschaftsbasiert in die schon vorhandenen schul medizinischen Therapieansätze integriert. Last but not least lohnt es sich darüber nachzudenken, dass zentrale Präventionselemente für Depression häufig Dinge sein können, für die man in der Regel zunächst keine Therapeuten braucht: Ein gesunder, sinnstiftender Lebensstil, Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, heilsame Ernährung und ausreichende tägliche Bewegung.

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