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Wie jede spirituelle Schule weist Tantra suchenden Menschen den Weg, die Wahrheit zu finden. Aber bereits an diesem Punkt trennt sich Tantra diametral von vielen anderen spirituellen Wegen. Denn es versteht Wahrheit nicht als etwas Festes, Unverrückbares, sondern als Ergebnis eigener Erfahrung.

 

Zunächst versteht Tantra Wahrheit nicht als eine Doktrin, an die es zu glauben gilt. Stattdessen besteht der tantrische Weg aus einer Folge von Übungen zum Sammeln eigener Erfahrungen, die den Suchenden zu einer Wahrnehmung der Realität leiten, die ausschließlich auf eigenen Erfahrungen beruht, einer Landkarte über das Wesen der Dinge, die für ihn verständlich ist und Sinn ergibt. Wahrheit ist aber nicht das Ziel an sich; der Fokus liegt eher auf dem, was funktioniert und praktikabel ist. So geht es beispielsweise nicht so sehr um die Frage, ob es stimmt, dass Männer und Frauen gleich sind, sondern eher um die Erkenntnis, dass bereits dann, wenn ich mich so verhalte, als wären Männer und Frauen gleich, mehr Balance, Glück und Frieden in mein Leben kommen. Nicht so sehr das Finden von Wahrheit wird mich glücklich machen, sondern viel eher werden Freude, Genuss und Glück an sich Führer sein, die mir zeigen, was dem Glück aller dient. Der Weg des Leidens hingegen trägt in sich den Keim der Verblendung. Sat chit ananda – Wahrheit ist das Bewusstsein der Glückseligkeit. Die Autorität der Wahrheit ist aber nicht außerhalb unserer selbst bei Priestern oder in Schriften zu finden, sondern sie findet sich in unserem eigenen Herzen. Die Autorität der Wahrheit hat nicht die Form von Regeln und Moralvorschriften, die die Notwendigkeit eigener Achtsamkeit und Verantwortung ersetzen, sondern bedeutet persönliche Bewusstheit in jedem Moment. Tantra bietet persönliche Freiheit, fordert aber gleichzeitig größtes persönliches Verantwortungsbewusstsein.

 

Gewebe der Realitäten

Zum anderen zeigt Tantra, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt, sondern Wahrheit eher als ein Gewebe aus zwei oder mehr Realitäten zu verstehen ist. Die Suche nach der “einen” Wahrheit führt zu Krieg und Imperialismus – nicht nur zwischen Religionen oder Völkern, sondern auch innerhalb der Gesellschaft, in der Familie zwischen Eltern und Kindern oder Ehepartnern. Die “eine” Wahrheit einer Gruppe von Leuten wird anderen gewaltsam aufgezwungen und keinerlei Abweichung wird toleriert. Diese Wahrheit wird als Eigentum dieser Gruppe gesehen, die sie anderen Gruppen und Personen überlegen macht und Macht über diese verleiht. Und der behauptete göttliche Ursprung solcher Wahrheit rechtfertigt auch die Anwendung von Gewalt. In persönlichen Beziehungen streiten Paare darüber, wer Recht oder Unrecht hat, bis ein Partner sich dem anderen unterwirft und von diesem dominiert wird. Der Gewinner wundert sich dann, warum Reiz und Energie aus der Beziehung verschwunden sind.

 

Anziehung der Gegensätze

Tantra feiert dagegen den Unterschied, den Tanz in der Anziehung von Gegensätzen. Ja, Tantra bewegt sich über das Prinzip der Dualität hinaus zu einer höheren Realität, die aus der Umarmung beider Pole entsteht. Wahrheit wird im Tantra als eine Beziehung gesehen, als ein Tanz, als etwas, das zwischen oder inmitten unterschiedlicher Wahrnehmungen der Realität entsteht. Gerade darin liegen der Reiz und die Spannung. Dieser fundamentale Tanz, der Wahrheit in jedem Moment erschafft, der das Universum und unsere Wirklichkeit gestaltet, ist der Tanz von Energie und Bewusstsein. Energie ist das weibliche Prinzip, das Prinzip der Göttin Shakti, die reine Lebendigkeit. Bewusstsein hingegen ist das männliche Prinzip, verkörpert durch Shiva, Shaktis göttlichen Partner. Der Tanz zwischen beiden ist der essentielle Tanz der Schöpfung, die nicht nur uns erschafft, jedes einzelne menschliche Individuum auf biologischer Ebene, sondern auf der Ebene von Energie und Bewusstsein das Sein an sich. Ohne Shakti ist Bewusstsein tot, steril, ungeboren. Ohne Shiva ist Energie formlos, sinnlos, pures Chaos. Leben, Dasein erwächst aus der Beziehung zwischen Erscheinung und Beobachter, zwischen Tänzer und Tanz, zwischen Bewusstsein und Leben.

 

Wir haben die Wahl

Der tantrische Weg führt uns durch Prozesse, in denen wir unmittelbar den Tanz von Energie und Bewusstsein erleben können. Wir erkennen, dass die Form der Energie, die wir erleben, davon abhängt, worauf wir unser Bewusstsein lenken. Wir erkennen, dass wir die Wahl haben, jeden Moment unseres Lebens bewusst zu kreieren. Und dabei erkennen und feiern wir auch unsere Fähigkeit, altgewohnte Sichtweisen mit eingeschränkter Erlebnisfähigkeit abzulegen und stattdessen bewusst neue zu erschaffen, die uns in Übereinstimmung bringen mit dem Gefühl unserer selbst und mit unseren innersten Lebenswünschen. Das befähigt uns, nicht länger Opfer des Schicksals zu sein. Als göttliches Wesen kreieren wir unsere eigene Realität, übernehmen Verantwortung für unser eigenes Leben und damit für Glückseligkeit auf diesem Planeten in diesem Moment.


Abb: © -Misha – Fotolia.com

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Über den Autor

Avatar of John Hawken

lehrt Tantra seid 18 Jahren und ist einer der erfahrensten Energielehrer Europas. Er gründete 1992 das Sky Dancing Institut in Großbritanien (nach Margo Anand) und gab über 30 Jahre Einzel- und Paartrainings. Er ist der Erfinder des Sky Dancing für Paare „Die tantrische Hochzeit“. Er ist Master of Arts, hat Schauspiel, Dramaturgie, Regie studiert, Bioenergetik und Gestalttherapie gelernt und vieles mehr. Er verbindet schamanische Elemente mit einer kraftvollen Klarheit, Präsenz, viel Humor und Achtsamkeit.

Mehr Infos

Seminar „Tantra – die Kunst der Transformation“ am 23.-25.9.2011
Ort: One World Family – Berlin Tiergarten
Preis: 200 € / bis 15.08. 170 €
Das Seminar findet in deutscher Sprache statt
Schnupperabend am 22.9.
(Ort bitte erfragen)
Info und Anm. bei Moana, Tel.: 030-39 03 18 88 oder spiritoflovemassage@hotmail.com

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