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Laut den alten Schriften der Veden entstehen alle Krankheiten durch ein schwaches Agni, das Verdauungsfeuer. Dies zeigt den immensen Einfluss, der im Ayurveda dieser grundlegenden Körperfunktion zugeschrieben wird. Agni nährt den mensch­-l­ichen Leib, es ist die feurige metabolische Energie der Verdauung, die verantwortlich für die Erzeugung von Wärme und chemischer Energie im Körper ist.

 

 

Im Ayurveda hat die Verdauung einen sehr hohen Stellenwert und gilt als die Basis der gesamten Gesundheit. Die ayurvedische Betrachtungsweise der Verdauung weicht allerdings von der schulmedizinischen Verdauungsphysiologie ab. Es werden keine Enzyme oder einzelne Organe untersucht, sondern das Zusammenspiel der Doshas (Bioenergien) mit Agni und das Entstehen gesunder Gewebe (Dhātus). Geraten die Doshas aus der Balance, treten unterschiedliche Beschwerden auf. Die wichtigsten Einflussfaktoren für die Verdauung sind der Lebensstil – vor allem in Stressphasen –, die Qualität der Lebensmittel, eine Ernährung gemäß der Konstitution des Körpers, der Jahreszeiten, der richtigen Zubereitungsart, dem Hungergefühl und der Verdauungskraft.

 

Agni – heilsames Feuer

Das Verdauungsfeuer sorgt dafür, dass aufgenommene Nahrung zerlegt, absorbiert und dann in körpereigenes Gewebe umgewandelt wird. Im Ayurveda kennt man 13 Arten von Agni im Körper, die in einem ausgewogenen Verhältnis stehen müssen. Innerhalb des Verdauungssystems bestimmen Agni die Produktion von Salzsäure im Magen (jathar Agni), Gallensäuren in der Leber (bhuta Agni) und zuckerverdauender Enzyme der Bauchspeicheldrüse (kloma Agni). Agni regeln auch die Schilddrüse (jatru Agni) und die metabolischen Veränderungen des Gewebes (dhatu Agni). Spezielle Agni werden sogar in jeder Zelle gefunden. Dieser Stoffwechselweg beginnt mit der Verdauung und endet in den Zellen. So ist Agni auch Teil des Immunsystems: Mit seiner Hitze zerstört es schädliche Organismen und Toxine.

 

Ama – das Gift im Körper

Nach der ayurvedischen Auffassung besteht der Körper hauptsächlich aus den sieben Gewebearten Rasa (Plasma), Rakta (Blut), Mamsa (Muskelfleisch), Meda (Fettgewebe), Asthi (Knochengewebe), Majja (Knochenmark), Shukra (Fortpflanzungsgewebe – Samen und Eizellen). Rasa, die Nahrungsessenz, passiert alle Gewebe. In jedem findet die für das jeweilige Gewebe notwendige Umwandlung von Rasa durch Agni statt, so dass jedes einzelne Gewebe aus Rasa aufgebaut wird.

Ist das Verdauungsfeuer nun geschwächt, führt dies zu einer Störung der Verdauung und damit zu der Bildung von Ama (Giftstoffen), der Ursache aller Erkrankungen! Diese Toxine können sich im ganzen Körper absetzen und zu weiteren Krankheiten – durch eine ungünstige Zusammensetzung des ersten Gewebes (Rasa) – führen, da sie ebenso wie Rasa alle anderen Gewebe passieren und in diesen Störungen provozieren können. Je nach der Menge an Ama können sich im gleichen Gewebe die unterschiedlichsten Krankheitsbilder entwickeln.

Im Laufe der Zeit gelangt Ama von einem Gewebe in das nächst tieferliegende und führt zu verschiedenen Erkrankungen in jeder Schicht. Je tiefer die Giftstoffe bereits eingedrungen sind, desto eher ist der Krankheitsverlauf chronisch. Störungen in der ersten Gewebestufe äußern sich beispielsweise als Anorexie, allgemeines Schwächegefühl, Schwindel, Verdauungsstörung, Verstopfung, Erbrechen oder Fieber. Störungen in der zweiten Gewebestufe (Rakta) bewirken Erkrankungen des Blutes, Hauterkrankungen oder andere Erkrankungen, die auf einer Pitta-Störung beruhen, wie Entzündungen und Nahrungsmittelallergien. Gelangen Ama vom Blutgewebe ins Muskelgewebe (Mamsa), treten Erkrankungen auf, die auf einer Kapha-Störung beruhen, wie Tumore und Störungen im Bindegewebe wie Myome und Zysten. Bei Eindringen von Ama in das Fettgewebe (Meda), können Krankheiten entstehen, die auf einer Kapha-Störung beruhen, wie Übergewicht, Adipositas oder Diabetes. Erreichen Ama das Knochengewebe (Asthi), kann dies zu auf einer Vata-Störung beruhenden Erkrankungen der Knochen, der Gelenke und des Nervensystems wie zum Beispiel Osteoporose, Arthritis oder Ischialgie führen. Sind Ama bis in das Knochenmarksgewebe (Majja) vorgedrungen, verursachen sie dort Erkrankungen des Gehirns wie Alzheimer, Parkinson, Epilepsie oder Gehirntumore.

Zuletzt wird durch Ama dann die Immunität (Shukra) gestört, wodurch Immunmangelkrankheiten, wie Unfruchtbarkeit, chromosomale Erkrankungen, kindliche Fehlbildungen oder geringe Zeugungskraft ausgelöst werden können. Nach der ayurvedischen Auffassung verursacht das angesammelte Ama in manchen Fällen nur in jenem Gewebe eine Krankheit, das bei der betroffenen Person geschwächt ist.

 

Therapiemöglichkeiten

Die Therapie sollte individuell auf Konstitution und Erkrankung abgestimmt werden. Jeder medizinischen Ayurveda-Behandlung geht eine Erst­anamnese voraus. Den Zustand des Agni kann man am Puls ertasten. Dabei bestimmt der Ayurveda-Arzt den Konstitutionstyp des Patienten und stellt einen individuellen Behandlungsplan auf. Der Arzt gibt außerdem Ratschläge für eine gesündere Ernährungs- und Lebensweise.

Der behandelnde Arzt muss die Symptome des Patienten bestimmen und feststellen, welches Gewebe gestört ist, welches Dosha (Kapha, Pitta, Vata) dafür verantwortlich ist und wie hoch die Menge an Giftstoffen im Gewebe ist. Ziel jeder Ayurveda-Behandlung ist es, die Giftstoffe aus den tiefen Geweben entgegengesetzt dem Nahrungsweg wieder zurück zum Verdauungstrakt zu bringen und auf diese Weise den Körper zu reinigen.

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