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Neue Modelle in der Gesundheitsversorgung – Serie Deutschland neu erfinden

 

Im Schwarzwälder Kinzigtal in der Nähe von Freiburg, haben erstmals in Deutschland Ärzte und Manger es fertiggebracht, eine Krankenkasse davon zu überzeugen, ihnen die Gesundheitsversorgung eines ganzen Landstrichs zu überlassen. Die “Gesundes Kinzigtal GmbH” hat mit der AOK Baden-Württemberg einen neun Jahres Vertrag abgeschlossen in dem 30000 Mitglieder mit allen medizinischen Leistungen (außer Zahnmedizin) versorgt werden.

Gemeinsam mit Managern und 35 Ärzten wurde Anfang des Jahres in der kleinen Schwarzwaldgemeinde Haslach die Gesundes Kinzigtal GmbH gegründet, um die Gesundheitsversorgung in der Region wirtschaftlicher organisieren zu können. Als erstes Netzwerk der Republik haben sie eine Formel entwickelt mit der der Erfolg in der Gesundheitsversorgung messbar gemacht werden kann. In dem neuen System wird langfristig vor allem der Erhalt der Gesundheit finanziell belohnt, nicht vorzugsweise die Behandlung von Krankheiten.

Helmut Hildebrandt, der Geschäftsführer des neuen Unternehmens, will den Beweis erbringen, dass Versicherte eines ganzen Landstriches besser und günstiger versorgt werden können, als es bisher im deutschen Gesundheitswesen der Fall war. “Wenn es gut läuft, werden wir tatsächlich den Nachweis angetreten haben, dass bessere Medizin im Ergebnis preisgünstiger ist”, so Helmut Hildebrandt.

Geld verdienen will das Unternehmen Gesundes Kinzigtal über ein so genanntes Einspar-Contracting, ähnlich wie in der Energiebranche üblich. Dort ist es schon länger Praxis z. B. zwischen Wohnungsbaugesellschaften und einem Energieversorger einen Vertrag über Energiedienstleistungen abzuschließen. Dabei wird Wert gelegt auf möglichst wenig Energieverschwendung, Investition in neue Technik und günstige Einkaufspreise bei Öl und Gas durch Mengenrabatte. Von der eingesparten Summe profitieren beide, der Auftraggeber und der Dienstleister.

In der Gesundheitsversorgung ist es zwar nicht ganz so einfach, aber so ähnlich soll es im Schwarzwald auch funktionieren.
Ab dem 1. Juli soll es losgehen, denn ab diesem Tag können sich die Kinzigtäler in das Projekt einschreiben. Finanziell interessant soll es für die Ärzte und die Gesellschaft immer dann werden, wenn die Kinzigtäler Versicherten über das Jahr gerechnet weniger Kosten bei der Gesundheitsversorgung verursachen als die Gesamtbevölkerung. Das Modell, mit dem sich dieser Unterschied errechnen lässt, ist Helmut Hildebrandts Geschäftsgrundlage und sozusagen sein Betriebsgeheimnis. Immerhin sitzt er schon seit 1995 an diesem Modell. So ist es nur verständlich, wenn er es hütet wie seinen Augapfel.
War die Versorgung der Kinzigtäler günstiger als die des westdeutschen Normalversicherten, so gilt die Einsparung als Erfolg des Ärzteunternehmens. Die Gelder werden anschließend zwischen der AOK und der Managementgesellschaft aufgeteilt. “Wir denken, dass wir 10 bis 20 Prozent günstiger wirtschaften können als anderswo”, sagt die Geschäftsstellenleiterin der Ärzte-GmbH, Bettina von Falck.

 

Eine bessere medizinische Versorgung ist auf lange Sicht preisgünstiger

Gespannte Erwartungen hegen die beteiligten Mediziner der GmbH, denn sie wollen endlich wieder zufrieden arbeiten können. Die Motivation der Mediziner kommt  auch über das ungewisse Schiksal der eigenen Praxis. Die Aussicht auf die Erschließung neuer Einnahmequellen über die Ärzte-GmbH sehen die Ärzte als eine überlebenswichtige Maßnahme für ihre Praxen. Zusatzvergütungen sind möglich z.B. für Präventionsangebote an Risikogruppen oder chronisch Kranke, die gemeinsam mit dem Patienten entwickelt werden und für die es eine konkrete Zielvereinbarung gibt.

Als ersten Schritt zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und zugleich der Lebensqualität der Versicherten will das Schwarzwälder Unternehmen versuchen, die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verringern. Parallel dazu plant die Ärzte-GmbH die Ausgaben für Arzneimittel neu zu organisieren. So wird mit Generikaherstellern über Rabattverträge verhandelt. Auch mit forschenden Pharmafirmen gibt es Gespräche über den Einsatz neuer innovativer Präparate, die klüger und öfter eingesetzt werden sollen, um somit teure Folgekosten zu vermeiden.

Das Vertrauen der Kinzigtäler Mediziner untereinander und auch zwischen den Patienten läßt an den Erfolg es Projektes glauben. “Im Kinzigtal ist man halt rund um die Uhr Arzt. Das ist anstrengend, aber auch schön”, so der Hausarzt Geßner. “Man werde oft in das Familienleben einbezogen und mit großen odere kleinen Gesten der Verbundenheit für gute Arbeit belohnt. “Ich krieg Kuchen, ich krieg Eier, ich krieg Speck.” Die enge Bindung an den Doktor gebe Anlass zur Hoffnung, dass zusammen mit den Patienten eine besser orgnisierte Gesundheitsvorsorgung entwickelt werden könne. “Wir wollen beweisen, dass wir es besser können als Behörden, Politiker und Kassen. Und dass es in Deutschland noch Spaß machen kann, Mediziner zu sein.”

Info unter: www.gesundes-kinzigtal.de

Netzwerke:

Auch anderswo in Deutschland verhandeln Netzwerke mit Kassen über Verträge, die dem Projekt Gesundes Kinzigtal ähneln.

Dazu zählen das Praxisnetz Nürnberg-Nord – Info unter: www.praxisnetznuernberg.de

und die Medizinische Qualitätsgemeinschaft Modell Herdecke in Nordrhein-Westfalen.
Info unter: www.gemeinschaftskrankenhaus.de – Menüpunkt „Zusammenarbeit“ anklicken, dann „Netzwerk Ganzheitsmedizin“ anklicken.

Netzwerk Ganzheitsmedizin

Am 1. November 2004 ist in den Gemeinschaftskrankenhäusern Filderklink (Stuttgart), Havelhöhe (Berlin) und Herdecke sowie im Immamuel-Krankenhaus Berlin (Naturheilkundliche Abteilung) in Kooperation mit der Techniker-Krankenkasse das Projekt „Integrierte Versorgung – Netzwerk Ganzheitsmeditzin“ gestartet.

Was ist darunter zu verstehen? „Die Versorgung der Patienten erfolgt in diesem Projekt komplett aus einer Hand, ohne das die bisher üblichen Brüche zwischem dem stationären und ambulanten Bereich“, sagt Peter Zimmermann vom Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Die vier Krankenhäuser sind gemeinsam mit dem kooperienden Ärztenetz Träger dieser integrierten Versorgung innerhalb einer bestimten Region und stehen dabei für eine Ganzheitsmedizin, die sich nicht auf die konventionellen medizinischen Maßnahmen beschränkt, sondern auch andere Verfahren aus der anthroposophischen Medizin und der Naturheilkunde einschließt.

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