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Als Nicola Tesla, ein begnadeter serbischer Physiker, im Jahre 1886 der Fachwelt seine Zukunftsvision einer kostenlosen Stromerzeugung präsentierte, horchten die damaligen Bosse der neu entstandenen Stromkonzerne und deren Bankiers auf. Tesla galt als Genie, hatte er doch wenige Jahre zuvor den Wechselstromgenerator erfunden, welcher die großtechnische Stromerzeugung und den Trans- port von Strom über lange Strecken erst möglich machte. Nicola Tesla wäre heute der reichste Mann der Welt, hätte er sein Patent nicht leichtfertig an seinen Sponsor, George Westinghouse, im Glauben an dessen gute Absichten, quasi verschenkt. Sein Patent hätte ihm pro Kilowattstunde installierter Kraftwerksleistung je einen Dollar garantiert. Doch Nicola Tesla hatte nicht die Absicht, reich zu werden, er wollte mehr. Eine seiner Visionen war, dass jeder Haushalt kostenlosen Strom aus einer kleinen, unscheinbaren Kiste, aufgestellt z.B. in der Besenkammer, beziehen werde. Ohne Einsatz von Öl oder Kohle, nur mit sogenannter „Freier Energie“ aus dem uns umgebenden Raum. Doch die Strombosse von damals, allen voran Westinghouse, drehten Tesla den Geldhahn für seine Forschungen zu. Wie sähe die Welt heute aus, wenn Tesla sein Werk vollendet hätte? Tesla starb verarmt 1943 an Herzversagen.
Ganz in der Tradition von Westinghouse steht es heute um die freie Wahl des Stromlieferanten in Deutschland. Eon (edis), RWE, EnBW und Vattenfall Europe (BEWAG) halten 85 Prozent der Stromerzeugungskapazität, das komplette Hochspannungsnetz sowie den größten Teil des Gas-Importgeschäfts in Deutschland. Während die Strompreise neue Rekorde erreichen, fahren die großen Stromkonzerne Rekordgewinne ein. Allen voran Eon mit einem Nettogewinn von 4,34 Mrd. Euro im Jahr 2004.
Den großen Vier der Stromwirtschaft scheint es relativ gleichgültig, ob durch die derzeit hohen Strompreise Arbeitsplätze vernichtet werden. Schließlich sind sie nur dem Profit und ihren Aktionären verpflichtet, die immer dreister ihre Forderungen nach höheren Dividenden oder Sonderausschüttungen in Milliardenhöhe durchsetzen. Während einige Anteilseigner von Eon, besonders amerikanische und britische Hedge Fonds auf eine Barausschüttung von bis zu 10 Mrd. Euro aus Eons „Kriegskasse“ drängen, plant der Aluminiumproduzent Norsk-Hydro in Hamburg, Stade und Neuss die Schließung von vier Fabriken mit über 1000 Arbeitsplätzen. „In Deutschland zeichnen sich Stromkosten von 47 Euro je Megawattstunde ab. Weltweit liegt der Durchschnittspreis jedoch bei nur 20 Euro“, so der Norsk-Hydro-Sprecher. Wer will der Aluminiumschmelze da einen Rückzug aus Deutschland verübeln?

Auch die Wirtschaftsvereinigung Metalle und der Verband der Papierfabriken klagen über zu hohe Stromkosten. Einig sind sie sich über die Ursachen der hohen Strompreise, die beherrschende Marktstellung der vier großen Stromkonzerne. Diese geben dem Staat die Schuld für die hohen Strompreise.
Ökosteuer, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Preise für die CO2-Emissionsrechte würden die Kosten der Stromproduktion erhöhen. Zudem würden die gestiegenen Brennstoffkosten auf die Preise durchschlagen. Dumm nur, dass bei Eon 60 Prozent der Elektrizität aus nicht besteuerter einheimischer Braunkohle und Kernkraft stammt und damit praktisch unabhängig von Preisschwankungen des Weltmarktes sind.
Schaut man sich dazu noch die Netzkosten an, die bei den privaten Haushalten rund 40 Prozent und bei den Betrieben 30 Prozent des gesamten Strompreises ausmachen, weiß man, woher der Wind weht. Im vergangenen Jahr kassierten die Stromnetzbetreiber 20 Mrd. Euro Nutzungsentgelte für Ihre Hochspannungsleitungen. 5 Mrd. Euro entfallen auf Steuer mindernde Abschreibungen. Tatsächlich investieren die Unternehmen jährlich jedoch nur 2 Mrd. Euro in ihre Netze. „Die Differenz wird einfach als Gewinn kassiert“, so der Energiewissenschaftler Uwe Leprich!

Der Kursanstieg bei den CO2-Zertifikaten treibt die Gewinne der Energiekonzerne ebenfalls weiter an. Der Preis für die Verschmutzungsrechte hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Von 7,00 Euro auf 23,20 Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO2). Parallel schossen die Großhandelspreise für Strom auf einen historischen Rekord von 43 Euro pro Megawattstunde (MWh). Zwar müssen die Stromerzeuger für jede Tonne CO2 ein Zertifikat vorhalten. Kalkuliert war vom Bundesumweltministerium, wenn Mehrkosten für Zertifikate drohen, reduzieren die Stromkonzerne ihre Emissionen. Jetzt tritt der Fall ein, dass die Stromhersteller Zertifikate in großem Stil auf Vorrat kaufen und damit den Preis in die Höhe treiben. Gleichzeitig werden nicht nur die Preise der zusätzlich benötigten Zertifikate auf den Strompreis aufgeschlagen, sondern der Preis aller Zertifikate, auch der kostenlos erhaltenen!

Zurecht wettert Bundesumweltminister Trittin: „Die Zertifikate, die wir den Energieversorgern für den Zeitraum 2005 bis 2007 kostenlos zugeteilt haben, sind mittlerweile 6 Mrd. Euro wert. Wenn die Konzerne dieses Geschenk als Kosten auf den Strompreis aufschlagen, dann ist das eine ziemlich dreiste Abzocke“. Erhard Schipporeit, der Finanzchef von Eon, äußert sich im Gespräch mit Journalisten wie folgt: „Der deutsche Strommarkt ist das mit Abstand profitabelste Geschäft Eons“.

Angela Merkel stellt den Stromkonzernen zusätzlich eine komplette Kehrtwende in der Energiepolitik in Aussicht. Auch FDP Chef Guido Westerwelle lässt derzeit keine Gelegenheit aus, den Umweltschutz und die Förderung der regenerativen Energien als eines der Hauptprobleme Deutschlands zu geißeln. Willkommene Amtshilfe für die großen Stromkonzerne, denen regenerative Energien schon lange ein Dorn im Auge sind. In einer gemeinsamen Aktion wollen sie nicht nur das Energie-Einspeisungs-Gesetz torpedieren, sondern die Öko-Branche gleich als solche diskreditieren. Mit den üblichen Mitteln von Lobbyismus und Propaganda, die manche schlicht als Lügen bezeichnen würden, soll die regenerative Energie schlecht gemacht, als „Jobkiller“ diffamiert und als Preistreiber dargestellt werden. Die Stromkonzerne stoßen sich dabei vor allem am Einspeisezwang, der das Wachstum der regenerativen Energiegewinnung garantieren sollte. Denn dieser ist bislang mit einem festgelegten Entgelt verbunden. Zu viel aus Sicht der Konzerne, denn eine zu hohe Vergütung zieht ein hohes Wachstum nach sich, dass den Stromkonzernen pro Jahr etwa ein Prozent Marktanteil abnimmt. Dies ist zwar, mit Blick auf den notwendigen ökologischen Umbau, viel zu wenig, aus Sicht der Konzerne jedoch zu viel. Laut einer Umfrage sind 69 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Industrie die schlechte Wirtschaftslage ausnutzt, um sich aus der ökologischen Verantwortung zu stehlen.

Die großen Vier:
Eon Chef: Wulf Bernotat, Aufsichtsrat bei Allianz, Metro und RAG
Umsatz 2004: 49,10 Mrd. Eur Nettogewinn: 4,34 Mrd. Eur Kriegskasse: 12 Mrd. Eur
Eon gehört 478.000 Aktionären, davon 60,77% Versicherungen ( 3,6 % Allianz), Banken, Vermögensverwaltungen, Investmentgesellschaften (sog. Hedge Fonds, oder neuerdings auch „Heuschrecken“ genannt), 4,96 % gehören dem Freistaat Bayern, Rest im Streubesitz.
RWE Chef: Harry Roels Umsatz 2004: 29,96 Mrd. Eur Nettogewinn: 1,243 Mrd. Eur Kriegskasse: 1,5 Mrd. Eur
EnBW – (Yello) Chef: Utz Claassen. Umsatz 2004: 9,84 Mrd. Eur Nettogewinn: 308 Mio. Eur
Vattenfall Europe – gehört zu Vattenfall Schweden und zu 100% der schwedischen Regierung. Chef: Klaus Rauscher Umsatz 2004: 7,3 Mrd. Eur
Nettogewinn gesamt: 1,29 Mrd. Eur

 

„Das alles überlagernde Problem ist der Klimawandel“

Zitat: Vattenfall International Chef Lars Josefsson – Schweden.

Wer sich nicht weiter von den großen Stromkonzernen abzocken lassen will und den Klimaschutz für eine verantwortungsvolle Aufgabe hält, die alle angeht, kann einfach zu einem umweltfreundlichen Stromanbieter wechseln. Oder noch besser, werden Sie zur Konkurrenz, werden Sie selbst zum Energieerzeuger!
In der dezentralen Strom- und Wärmeerzeugung als Unternehmer, als Investor oder als Nutzer tätig zu werden, könnte eine der Antworten auf die Frage bedeuten, wie wir in Deutschland die Zukunft meistern wollen. Woher soll neue Arbeit kommen? Was können wir Deutschen eigentlich noch, was andere nicht billiger können? Deutschland ist Weltmarktführer für alternative Energien und es könnte sogar prächtig vom derzeitigen Ölpreishoch profitieren, weil es die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt hat.

Die Wirtschaft beklagt die geringe Konsumlust in unserem Land. Wen wunderts, wenn die Verbraucher mehr Geld für Heizöl, Gas, Strom und Benzin ausgeben müssen. Logisch bleibt ihnen weniger für andere Käufe. Wenn Sie also zu den Deutschen gehören, die laut Angaben der Bundesbank 4067 Mrd. Euro bei Versicherungen und Banken gehortet haben, dann sollten Sie sich nicht über die schlechte Stimmung in diesem Land beklagen. Ignorieren Sie ruhig weiter den Ruf der Konsumpäpste. Fangen Sie an, wie ein Investor zu denken. Investieren Sie in Ihre Unabhängigkeit. Legen Sie Ihr Geld in einer eigenen Strom- und Wärmeversorgung an. Bauen Sie ein CO2-neutrales Nullenergiehaus. Gestalten Sie Ihre Mobilität unabhängig vom Öl. Beteiligen Sie sich an größeren Projekten, wie Biogasanlagen, der Kraft-Wärme-Kopplung oder dem Anbau und der Vermarktung von Ölsaaten wie z.B. der Jatropha (Brechnuss). Oder schauen Sie mal auf der Genfer Erfindermesse vorbei. Sie werden staunen, welche Innovationen auf eine Umsetzung warten.
Ob Sie die Sonne, den Wind oder Biomasse anzapfen oder sich gar von Nicola Tesla inspirieren lassen, um Ihre Abhängigkeit zu verringern, spielt keine Rolle. Lukrativ ist auf längere Sicht alles in dieser Richtung, denn nach einer Studie des britischen Marktforschungsinstituts Datamonitor in London wären 35 Millionen Stromkunden in der Europäischen Union bereit, für Strom aus erneuerbaren Energiequellen mehr Geld zu bezahlen. Immerhin 23 Prozent des gesamten Haushaltsmarktes in der EU. Derzeit sind es nur 1 Prozent, die Ökostrom beziehen.

Eon baut übrigens gemeinsam mit Shell und der Energiefirma Core den größten Windpark der Welt in England. Mit einer Investition von 2,3 Mrd. Euro sollen 270 Windrotoren mit einer Leistung von 1000 MW vor der Küste installiert werden. Soviel, wie ein Kernkraftwerk erzeugt und genug, um ein Viertel Londons mit Strom zu versorgen. Bis 2010 will die britische Regierung 10 % des Stromes aus Windkraft erzeugen. Erzeuger erhalten in England durchschnittlich 10,2 Cent je Kilowattstunde, gegenüber 8,7 Cent in Deutschland. Wen wundert´s, dass Eon in Deutschland nicht in Windkraftwerke investiert? Bei den niedrigen Einspeisevergütungen.

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