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Für Millionen von Internet-Nutzern sind soziale Netzwerke nicht mehr wegzudenken. Tatsächlich sind die Möglichkeiten der Vernetzung und Kooperation, der Verbreitung von Wissen und der Kommunikation, die sich durch Seiten wie Facebook und Co. bieten, eine große Bereicherung. Aber immer wieder kommt auch Kritik auf: Die Netzwerke sammeln private Daten, Profile lassen sich nicht mehr löschen. Gerade Facebook kommt aus den negativen Schlagzeilen kaum heraus, das finanzielle Interesse steht offenkundig über den Interessen vieler Nutzer. Allerdings gibt es derzeit kaum eine ernsthafte Alternative.

Eine Gruppe von Studenten hat nun die Nase voll und will das Internet mit einer völlig neuen Form von sozialem Netzwerk revolutionieren: Diaspora.

Selbstbestimmt und frei

Die Idee: Damit die Nutzer wirklich über ihre Daten bestimmen können, müssen diese beim Nutzer bleiben. Und warum sollte man eigentlich überhaupt in einem Netzwerk wie dem Internet wieder eine zentralistische Struktur verwenden?

Die Lösung: Jeder Nutzer hat seinen Knotenpunkt (genannt „Samen“) des Netzwerkes auf einem eigenen kleinen Server – ähnlich wie bei einem Blog. Diesen Samen kann er frei mit den Knotenpunkten anderer Nutzer verbinden und kann so ein großes oder beliebig viele kleine Netzwerke mit seinen Kontakten bilden. Dabei hat er stets die volle Kontrolle über seine Daten – denn sie liegen ja weiterhin auf dem eigenen Rechner. Die ganze Software ist kostenlos und Open-Source und wird von Programmierern auf der ganzen Welt weiterentwickelt. Ein Knotenpunkt kann durch Module erweitert und an die Bedürfnisse des Users angepasst werden.

Jeder Diaspora-Nutzer kann sich so also mit jedem anderen verbinden – ohne einen Giganten wie Facebook dazwischen, aber bei gleicher Funktionalität. Das könnte tatsächlich eine Revolution der sozialen Netzwerke bedeuten – und ist eigentlich eine naheliegende Idee.

Diaspora soll dem Nutzer die Wahl lassen, ob er seinen Samen autark zuhause betreibt – was ein wenig technisches Verständnis voraussetzt -, vielleicht mit Freunden einen Server betreibt oder aber auf einen Service zurückgreift, den Diaspora stellen will. Dort soll das gesamte Setup in fünf Minuten betriebsfertig sein, allerdings muss man dann wieder Diaspora vertrauen.

Vorschussvertrauen

DiasporaDas tun offenbar schon jetzt viele Menschen. Als das Diaspora-Team ihre Idee auf der Foundraising-Plattform Kickstarter vorstellte, baten sie an, das Projekt mit 10.000 Dollar an Spenden realisieren zu können. Sie würden ihren Urlaub opfern und Vollzeit an Diaspora arbeiten. Die Idee fand begeisterte Resonanz. Nicht nur waren die 10.000 Dollar in kürzester Zeit eingegangen, am Ende waren über 200.000 Dollar an Spenden auf dem Konto.

Ende diesen Sommers sollen nun die erste Version von Diaspora, sowie der gesamte Quellcode zum Download im Internet bereitstehen – dann können Programmierer auf der ganzen Welt bei der Weiterentwicklung helfen.

Geplant sind folgende Funktionen:

  • Automatische Übernahme der wichtigsten Webservices in Diaspora (Flickr, Picasa, Twitter etc.). Alle Daten werden dabei von den entsprechenden Diensten auf den eigenen Server importiert und die Profile 1:1 mit Diaspora nachgebildet. Alle Daten liegen dann allerdings beim Nutzer.
  • Die üblichen Kommunikations-Funktionen sozialer Netzwerke (Profil, Nachrichten, Kommentare, Benachrichtigungen, News-Streams etc.)
  • Internet-Telefonie (Voice over IP)
  • Instant Messaging (Chat)

Insgesamt soll Diaspora also die besten Seiten von Facebook, Twitter, Flickr und Skype in einem neuartigen Netzwerk vereinen, das der Community gehört. Ob dieses hohe Ziel erreicht werden kann und ob das Projekt tatsächlich gegen Riesen wie Facebook bestehen kann, bleibt abzuwarten. Je mehr man jedoch über die Idee nachdenkt, desto klarer scheint sie der nächste logische Schritt zu sein. Man darf also gespannt sein.

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