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Holunderblütenduft – ein Aphrodisiaka

Oh wie habe ich in diesem Frühjahr warten müssen. Auf die Holunderblüten. Dass sie die Knospen öffnen und ihren unverwechselbaren Duft verströmen. Der etwas Animalisches, viel Würziges und in der Kopfnote ein Quäntchen harziges Süßes enthält. Zu dieser Mischung kommen noch etliche andere leichte Herz- und Basisnoten. Alle zusammen ergeben eine Komposition, die unnachahmlich ist. Holunderblütenduft – die Dolden duften am besten, solange sie am Strauch sind, also draußen – kündet den Sommer an. Er erzählt mir von vergangenen Leben und lässt das Begehren aufflammen. Er riecht nach sinnlicher erfüllender Liebe in warmen Sommernächten, begleitet vom Gezirpe der Grillen. Er fordert mich auf, zum Leben und Lieben ja zu sagen. Gleichzeitig singt er dabei immer das Lied von der Gewissheit unserer Vergänglichkeit.

 

Mythisches

Das wundert mich nicht. Ist doch der Strauch, von dem diese betörend riechenden Blüten stammen, die Residenz der Frau Holle.

„Frau Holle ist die (vor) germanische Unterweltsgöttin „Hel“ oder „Hella“, ….
Im alten Kult war sie aber als Erd- und Unterweltsgöttin Hel-Hella-Holle das Urbild des Guten, Fruchtbaren, Gerechten, Mütterlichen, so wie uns die märchenhafte ‚Frau Holle‘ noch erscheint…. Himmelswohnung – aphroditische und mütterliche Fruchtbarkeit, paradiesische Unterwelt sind Kennzeichen der großen Göttin in ihren drei Erscheinungsformen Mädchen/Frau/Greisin, und als diese dreifaltige Gestalt lenkt sie die Jahreszeiten und die Welt.“ („Die Göttin und ihr Heros“ Heide Göttner-Abendroth)

Auch in anderen Kulturen wurde der Holunderstrauch verehrt. Zum Beispiel galt bei den Kelten der Holunder als „Baum der Königin“.

 

Die Heilpflanze

Der Holunder ist eine uralte Heil- und Nahrungspflanze.
„In Funden von Speiseresten aus der Steinzeit wurden immer wieder auch Holundersamen nachgewiesen.“ (Elisabeth Mayer „Wildfrüchte – gemüse – Kräuter“)

Bis heute haben sich verschiedene Bräuche, Reime, und das Wissen um die heilende und beschützende Wirkung des gesamten Strauches gehalten. Ein Holunder im Garten bzw. im Hof schützt das Haus und seine Bewohner gegen Blitz und böse Geister.
Auch der Spruch „Vor dem Holunder sollst du den Hut ziehen“ zeigt die Ehrerbietung, die wir Menschen diesem Strauch mit seinen zahlreichen Gaben zollen.

Holunderblüten enthalten Salizylsäure (siehe mein Artikel „Wildpflanzen in unserer Ernährung“ Sein Januar 2009), viel Mineralstoffe im Blütenstaub und Aromastoffe. Dadurch wirken sie schweißtreibend, fiebersenkend, schleimlösend und entzündungshemmend.
Das Aroma, der Geschmack von Hollerblüten ist sehr viel erdiger als der Duft. Es lohnt sich auf jeden Fall zu kosten und auszuprobieren. Die Blüten eignen sich hervorragend zum Aromatisieren von Milch, Wasser und Essig.

Sammelhinweise für Holunderblüten

an Sonnentagen um die Mittagszeit, wenn sie trocken sind, dabei von den Büschen bzw. Teilen pflücken, an denen keine schwarzen Blattläuse sind, die Dolden müssen voll erblüht sein, auf keinen Fall waschen, da sonst der wertvolle Blütenstaub verloren geht, so schnell wie möglich weiter verarbeiten

Hollerblütenküchlein mit Erdbeeren

Zutaten:
Holunderblüten, Eier, 1 Prise Salz, Dinkelvollkornmehl, Erdbeeren, Ahornsirup, Kokosöl zum Ausbacken

Zubereitung:
Aus den Eiern, Salz und Mehl einen Ausbackteig zubereiten, eventuell etwas Wasser zufügen und 10 Minuten quellen lassen, in einer Pfanne Kokosöl erhitzen, die Dolden durch den Teig ziehen und in dem heißen Öl erst die eine Seite knusprig braten, dann den grünen Hauptstiel mit einer Schere abschneiden, wenden und nun die zweite Seite goldbraun werden lassen. Mit Erdbeeren und Ahornsirup anrichten und servieren – lecker –
Die Hollerküchlein wurden traditionell zur Sommersonnenwende gegessen.

 

Hollerblütensirup

Zutaten:
15 Dolden, 1 ½ Liter Wasser, 1,5 kg Rohrohrzucker, 1 große Zitrone, 15 g Zitronensäure

Zubereitung:
Dolden in ein großes sauberes Einmachglas legen, darüber den Zucker streuen, die gewaschene in dünne Scheiben geschnittene Zitrone und die Zitronensäure geben, zum Schluss das Wasser drüber gießen, gut umrühren, Glas verschließen und auf dem Fensterbrett (sonniger Platz) 2 bis 3 Tage ziehen lassen, 2 x am Tag das Ganze umrühren und darauf achten, dass alle Blütenteile inklusive der Stängel gut mit Wasser bedeckt sind, sie schimmeln sonst sehr schnell, danach den Ansatz abgießen und die Blüten leicht auspressen ( sie können noch sehr gut weiter verwendet werden z.B. zum backen), Sirup in saubere Flaschen füllen, verschließen und kühl lagern

Hollerblütentee

Der Tee schmeckt sowohl aus frischen, als auch aus getrockneten Blüten

Zutaten für einen Tee aus frischen Blüten:
3 große Hollerblüten, etwas Zitronenschale

Zubereitung:
Blüten und Zitronenschale in eine Kanne geben und ½ Liter kochendes Wasser aufgießen, Kanne gut verschließen und 7 Minuten ziehen lassen, abgießen und trinken.
Sie können auch ein Kaltgetränk zubereiten, indem sie mit kaltem Wasser aufgießen und länger ziehen lassen, mindestens 3 Stunden, sehr gut passen Rosenblätter dazu

 

Zum Schluss ein Liebesreim aus Thüringen „Auf Johannistag blüht der Hollerda – wird die Liebe noch toller.“
Die Wurzeln, Blätter und Beeren werde ich zu einem anderen Zeitpunkt näher beschreiben.

 

 

Aus der Rubrik „Das Grüne Wilde Wunder“

 

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Über den Autor

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Vegetarisches Catering und Wildpflanzen

Lebt seit 17 Jahren vegetarisch. Seit 14 beschäftigt sie sich intensiv mit den Wildpflanzen, ging bei einer Heilpraktikerin in die Lehre, studiert die Wilden Grünen an ihren natürlichen Standorten und verwendet sie für die Zubereitung von Speisen, Herstellung von Tees, Salben, Ölen, Tinkturen und für Dekorationen. Seit 4 Jahren leitet sie Kurse zum Thema „Vegetarisch Kochen / Kochen mit Wildpflanze“ und bietet Exkursionen und Workshops zu den Wildpflanzen an.

Verkauf von Kardentinktur und vielen anderen Produkten aus/mit Wildpflanzen.

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Aktuelle Termine siehe www.wildkraeuter-catering.de

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