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Die Beziehung der Liebe zum Ungeliebten entdecken

In jedem Menschen wohnt ein innerer Zerstörer. Er ist Teil der Schöpferkraft und steht in ergänzender Beziehung zum inneren Schöpfer. Befinden sich die beiden in einem ausgewogenen und freundschaftlichen Verhältnis, fließen sie harmonisch im natürlichen Wandel des Seins zwischen Werden und Vergehen. Sie beziehen sich als Gegensätze aufeinander, stehen in energetischer Verbindung zueinander und in Wechselwirkung miteinander. Wenn wir jedoch bestimmte Seiten in uns verdammen, ungeliebten Gefühlen wie Schmerz, Trauer, Hilflosigkeit usw. ausweichen, blockieren wir das natürliche Zusammenspiel der ab- und aufbauenden Kräfte und kreieren Leid.

Ungeliebte Persönlichkeitsanteile werden ins Schattenreich verbannt

Aus dem natürlichen Zusammenspiel zwischen gegensätzlichen Polen kreiert der Mensch nach eigenem Gutdünken ein dualistisches Weltbild – eine Hinterwelt sozusagen. Die Pole werden als losgelöste gegensätzliche Kräfte betrachtet, die in dieser Sichtweise im Widerstreit zueinander stehen. Aus der komplementären Einheit formt der Verstand eine getrennte Zweiheit, die den Nährboden für Zwist bildet. So wird der vernünftige Apoll zum Feind des rauschhaften Dionysos.
In der subjektiv geformten Realität gibt es jetzt ein Gutes und ein Böses. Etwas, das sein darf und etwas, das nicht sein darf. Persönlichkeitsanteile, von denen dann angenommen wird, dass sie dem eigenen Sein den Glanz rauben, sollen eliminiert werden. So konstruiert der Verstand eine Persönlichkeit, die seinen Vorstellungen entspricht. Alle „bösen“ und daher ungewollten und ungeliebten Persönlichkeitsanteile müssen jetzt in den Keller. Das kostet enorm viel Kraft, da die Welt auf eine Bühne reduziert werden muss. Zudem drängt der in den Keller verbannte Schatten mit aller Kraft zurück ans Licht. Er möchte erlöst werden und in den natürlichen Fluss der ursprünglichen Einheit zurückkehren. Deshalb muss der Schatten in Schach gehalten werden. Ein innerer Krieg hat begonnen. Dessen Auswirkungen zeigen sich natürlich auch in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Der Schatten klopft an die Tür

Eine beliebte Variante, bestimmte Schattenanteile von sich fern zu halten, ist das Mittel der Projektion. Das kennt ein jeder. Ein anderer Mensch drückt einen unserer „Knöpfe“. Wir reagieren heftig. Was dabei geschieht ist, dass das Tor ins Schattenreich geöffnet wird. Bleiben wir in der Projektion, werden die Schatten jedoch nicht als ins Licht strebende Persönlichkeitsanteile erkannt. Vielmehr wird der andere dann als Leinwand benutzt. Verdrängte Persönlichkeitsanteile werden auf ihn projiziert. Bestimmte Eigenschaften des Projektionsträgers werden vehement bekämpft. Der destruktive innere Krieg hat sich jetzt nach außen verlagert.
Am Beispiel G.W.Bushs ist dieser Prozess deutlich zu sehen. Er lehnt Saddam Husseins Gewaltpotential vehement ab. Doch zieht er daraus die Legitimation zu abwehrenden und ebenso gewalttätigen (Re-)aktionen. Er beschließt einen Kampf gegen das „Böse“ zu führen. Sich selbst sieht er als das „Gute“.
Viele Kriege in zwischenmenschlichen Beziehungen basieren auf dem gleichen Prinzip.

Die Sprache des Schattens verstehen lernen

Im Grunde jedoch ist die Projektion eine Sprache des Unbewussten. Diese birgt die Möglichkeit, die im Schatten wirkenden Kräfte zu erlösen. All die ungeliebten Gefühle wie Angst, Schmerz usw. klopfen an die Tür. Gelingt es, die Projektion zurückzunehmen und die Gefühle bei sich zu lassen, kann der projizierte Inhalt als Bestandteil des eigenen Wesens erkannt und integriert werden. Jetzt hat Dionysos die Möglichkeit, erlöst zu werden. Als polar zusammenwirkende Kräfte können Apollo und Dionysos wieder Freundschaft schließen. Der Weg zurück zur Synthese der beiden Pole bewirkt, dass die Energien zwischen den beiden Kräften wieder frei fließen können. Die Einheit, der Nullraum, tut sich auf. Wir erkennen, dass Gegensätze in einem natürlichen Zusammenspiel zueinander stehen. Der innere Krieg hat damit ein Ende. Ideologien und Werturteile werden als subjektive Konstrukte erkannt, die mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben.

Zurück zur Einheit

Der Weg zurück erfordert Mut. Emotionale Bomben, die sonst beim Projektionsträger explodieren, dürfen jetzt in uns selbst entschärft werden. Das kann sehr schmerzhaft sein. Das verdrängte Leid über die Trennung der Persönlichkeitsanteile wird in Form von Schmerz spürbar und kann über ihn erlöst werden. Natürlich gibt es auch Schatten, die sich leicht und spielerisch dazu verführen lassen, ins Licht zu rücken. Manchmal genügt es, einfach ein paar liebevolle Worte an sie zu richten und ihnen so den Weg aus dem Keller zu zeigen. Nach meiner Erfahrung ist es möglich, sich in einen Energieraum zu begeben, von dem aus die Einheit allen Seins direkt wahrnehmbar ist. Spirituelle Transformationsarbeit findet von diesem Energieraum aus statt. Da es in diesem Raum keine getrennten Hinterwelten gibt, können Schöpfer und Zerstörer wieder harmonisch zusammenspielen. Persönlichkeitsanteile, die sich verletzt und beschämt im Keller aufhalten mussten und von da aus verletzend und beschämend nach außen wirkten, können jetzt durch willentliche Transformation Erlösung finden und wieder in den Fluss des natürlichen Wandels eintauchen.

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