Anzeige

 

Die Verflechtung von Gentechnik-Lobby und Politik ist so eng, dass einem bei der Entwirrung der Verbindungen mitunter schwindlig werden kann. Gerade erst wurde in Amerika mit Michael Taylor wieder ein bekannter Gen-Lobbyist in die Kontrollbehörde der FDA (Food and Drug Administration) berufen. Taylor war mehrfach für den Agrarkonzern Monsanto tätig und gilt als ein Drahtzieher der industriefreundlichen Biotechnologie-Politik der US-Regierung und der Versuche, Afrikas Landwirtschaft für US-amerikanische Agrarchemie-Konzerne und gentechnisch veränderte Pflanzen des Marktführers Monsanto zu öffnen.

 

Die Drehtür

Das ist kein Einzelfall. Das ständige Hin und Her zwischen Firmen und Regierung wird in Amerika mit dem Begriff „revolving door“ (Drehtür) umschrieben: Munter wechseln Personen zwischen hohen Positionen in den Konzernen zu entsprechenden Stellen in der Regierung, so dass sich die Firmen mittlerweile faktisch selbst kontrollieren – und man kaum noch auseinanderhalten kann, was nun Firma und was Regierung ist. Sieht man sich die Geschichte der US-Gen-Zulassungen an, findet man fast immer heraus, dass es wieder mal ein ehemaliger Mitarbeiter eines Gen-Konzerns war, der die Zulassung abgesegnet hat.

Doch auch in Deutschland sieht es kaum anders aus: Obwohl 78 Prozent (Forsa-Umfrage vom 19.5.2009) gegen Gentechnik im Essen sind, fließen Millionen Steuergelder in die Ausweitung dieser Technik, sind alle Genehmigungsbehörden und Fachanstalten nur von GentechnikbefürworterInnen besetzt und werden alle Anträge deutscher Gentechnikforschung politisch und amtlich unterstützt. Der Grund: Auch hier herrscht ein undurchdringlicher Filz zwischen Gentechnikfirmen und ihren KontrolleurInnen.

 

Von unabhängigen Experten und Verbraucherschützern

Wenn es um die Risiken der Gentechnik geht, verlässt sich die Regierung auf unabhängige Experten – nur so ganz unabhängig sind die leider oft gar nicht. Die Abteilung Gentechnik im Bundesamt für Verbraucherschutz wird von bekannten Gentechnik-Lobbyisten geleitet und die Berater der Regierung haben bei näherem Hinsehen auch oft eine eher zweifelhafte Vergangenheit.

„Durch eine enge Verflechtung zwischen Beamten, Wissenschaftlern, Industrievertretern und Lobbyorganisationen droht selbst der Politik die Kontrollmöglichkeiten zu entgleiten“, sagte die Agrarexpertin der Grünen, Ulrike Höfken, 2008 anlässlich der Vorstellung der Studie „Kontrolle oder Kollaboration – Agro-Gentechnik und die Rolle der Behörden“ von den Autoren Antje Lorch und Christoph Then.

Die Studie weißt ein Ausmaß an Verflechtungen nach, das selbst die Autoren überraschte. Durch seine Tätigkeit für Greenpeace war sich Autor Christoph Then dem geselligen Miteinander von Konzernen und Regierung zwar bewusst, „dass das aber in einem solchen Ausmaß stattfindet, das hat selbst mich überrascht“, sagte er gegenüber der taz.

 

Selbst ist der Bürger

FeldbefreiungKein Wunder also, dass viele Menschen sich nicht mehr auf die Regierung verlassen wollen und selbst Hand anlegen, indem sie Gen-Pflanzen ausreißen und Felder verwüsten. Ziviler Ungehorsam – das persönliche, demonstrative und öffentliche Übertreten und Missachten von Gesetzen, die die Gentechnik durchsetzen sollen – scheint zunehmend die einzig adäquate Antwort auf die massive Bedrohung zu sein, der wir alle ausgesetzt werden. Wer sich diesbezüglich informieren will, findet auf Gendreck-weg.de Informationen rund um das Thema „Feldbefreiung“.

 

 

Bilder

DNA: Thomas Splettstoesser / Wikimedia
Drehtür: Infrogmation / Wikimedia
Feldbefreiung: Gendreck-weg.de

 

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*