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Sie haben viele Seminare oder Therapien gemacht und trotzdem das Gefühl: So ganz war es das noch nicht? Vielleicht fehlt Ihnen etwas – ein Zwilling, der mit ihnen im Mutterleib war und möglicherweise bereits in den ersten Schwangerschaftswochen gegangen ist. Die Folge: Schuldgefühle des überlebenden Kindes, eine unbewusste innere Sabotage, glücklich und erfolgreich zu sein und eine unbestimmte Sehnsucht. Anna Bahlinger-Çetin sprach mit Bettina und Alfred Ramoda Austermann

 

 Ihr sagt, es spielt eine große Rolle für das aktuelle Leben, ob jemand als Embryo im Mutterleib einen Zwilling hatte. Aber ist das nicht weit vor der bewussten Wahrnehmungsfähigkeit?
Ramoda: Das Kind hört schon sehr früh im Mutterleib. Wenn drei Wochen nach der Vereinigung von Samen und Eizelle das Herz anfängt zu schlagen, sind auch die Ohren schon angelegt. Auch wenn es noch gar kein Gehirn gibt, um diese Informationen zu speichern – wenn da ein anderes Herz schlägt, wird das sehr, sehr früh gespürt und auf Zellebene erinnert. Bei einem vier Wochen alten Embryo, der gerade einen Zentimeter groß ist, nimmt das Herz ein Drittel des gesamten Körpers ein. Wenn da ein anderes Herz daneben schlägt, wird das sehr stark wahrgenommen, schon auf der mechanischen Ebene. Darüber hinaus gibt es natürlich eine geistige Verbindung, die sehr früh gefühlt wird – vielleicht sogar schon von Eileiter zu Eileiter. Am Anfang unserer Arbeit dachten wir noch, dass es keine große Bedeutung hat, wenn sehr früh in der Schwangerschaft ein Zwilling wieder verloren geht – das haben wir mittlerweile revidiert. Wir wissen jetzt, dass auch ein ganz früher Verlust des Zwillings eine Bedeutung hat für den Überlebenden. Auf Zellebene oder auch auf geistiger Ebene war da schon eine tiefe Verbindung.
Bettina: Manchmal sind Zwillinge ganz dicht nebeneinander eingenistet, aber manchmal sind sie auch in der Gebärmutter ein Stück weg voneinander. Es kann also Raum dazwischen sein – jeder hat seine eigene Fruchtblase – und trotzdem: Diese Schwingung – da ist etwas Lebendiges, da lebt was – das spürt man auf alle Fälle ganz stark. Die Haut ist ja auch noch ganz dünn, also ist alles noch sehr durchlässig ….

Wie seid ihr denn auf das Thema vom allein geborenen Zwilling gekommen?
Ramoda: Vor zwölf Jahren ist mir dieses Phänomen in einer Aufstellung  zum ersten Mal deutlich begegnet. Da war eine junge Frau, bei der alles, was sie anpackte, schief ging. Wir stellten jemanden für sie und jemanden für die Ursache der Fehlschläge auf. Die beiden Stellvertreter verhielten sich überraschenderweise sehr liebevoll und immer spiegelbildlich zueinander. Mir drängte sich unweigerlich das Wort Zwilling auf. Die junge Frau nickte und sagte, dass man ihr wegen einer großen Dermoidzyste beide Eierstöcke entfernt hat, als sie 17 war. Man fand im Labor Haare und Zahngewebe darin.
Dann kam das in anderen Aufstellungen immer wieder, mit einer ähnlichen Dynamik, von unterschiedlichen Perspektiven aus. Es waren immer wieder Menschen, die eine unstillbare Sehnsucht oder die am laufenden Meter Misserfolge haben, beruflich und privat in der Liebe. Oder Schuldgefühle – Schuldgefühle, weil man meint, man hätte den anderen umgebracht oder ihm das Wasser abgegraben (was allerdings sehr selten tatsächlich der Fall ist). Da zeigte sich oft, dass hinter den Phänomenen ein Zwilling stand.


Sind das denn nicht seltene Einzelfälle?
Ramoda: Wir haben geforscht, was Gynäkologen darüber wissen und wann sie überhaupt in der Schwangerschaft nachschauen. Das Interessante: Wenn der erste Ultraschall in der neunten Woche gemacht wird, sind viele Zwillinge ja schon wieder verschwunden. Die Zahl 1 zu 10 schien erst mal sehr hoch gegriffen, aber viele Spezialisten haben uns bestätigt, dass durchaus jeder Zehnte ein allein geborener Zwilling sein sein könnte.
Bettina: Manche sagen sogar, dass jede zweite Schwangerschaft am Anfang eine Zwillingsschwangerschaft ist – aber niemand weiß wirklich, wie häufig dieses Phänomen auftritt. Generell scheint es eine Rolle zu spielen, wie nahe die Zwillinge einander waren, wie lange der andere gelebt hat – je nach den Umständen ist es mehr oder weniger tiefgreifend für den Überlebenden.
Mit den gleichen Symptomen kommen zu uns auch Menschen, deren Zwilling später in der Schwangerschaft gestorben ist, während oder nach der Geburt.

Welche Auswirkungen kann der Verlust eines Zwillings haben?
Bettina: Sehr unterschiedliche. Oft ist es ein subtiles Schuldgefühl, dass man den anderen verdrängt hat oder meint: „ich bin schuld, ich habe nicht genug getan, um den anderen festzuhalten und ihm zu helfen…“
Ramoda: …und deshalb traue ich mich auch nicht, im Leben glücklich zu werden…
Bettina: Ja, denn das wäre Verrat an dem anderen, der ja nicht leben kann. Das Symptom, im Leben überhaupt keinen Erfolg haben zu können, findet man zum Beispiel oft in der Form, dass Leute zwar beruflich viele Kompetenzen haben, aber das gar nicht wirklich nach außen bringen können. Im Beziehungsleben will man mit dem Partner oft verschmelzen wie mit dem Zwilling. Das kann dem Partner schnell absolut zu viel werden, oder die Sexualität verschwindet. Es ist zwar ganz eng, ganz innig, aber Sexualität hat keinen Platz mehr, weil alles ganz lieb und brüderlich und schwesterlich ist. Oder: man traut sich erst gar nicht, so viel Nähe zuzulassen – bloß nicht, nie wieder! Das könnte wieder so weh tun. Dann lieber nur kurze Beziehungen oder Entfernungsbeziehungen. Viele sagen: Ich möchte so gerne Nähe, aber es geht einfach nicht. Wenn mich schon jemand anfasst, ziehe ich mich zurück.
Ramoda: Und wenn eine Beziehung zu Ende geht, wird das dann richtiggehend wie Sterben erlebt, existenziell Sterben…
Bettina: Bei manchen gibt es auch eine ganz große Sehnsucht, dem anderen hinterher folgen und sterben zu wollen. Diese Menschen stehen nicht richtig im Leben und lassen sich nur wenig ein. Das wird dann schnell Depression genannt – es ist aber einfach eine ganz große Sehnsucht nach dem anderen und ein Schmerz, dass der andere nicht da ist.
Ramoda: Einige produzieren beispielsweise immer wieder Unfälle. Weitere Anhaltspunkte sind: Wenn jemand eine Neigung hat, immer alles doppelt zu haben, wenn er immer zwei von irgendwas mag. Oder Frauen, die immer so eine Handtasche haben, in der ganz viel drin ist – das Überlebensset. Das kann ein Hinweis sein. Oder Schmuckliebhaber, die immer gern symmetrische Stücke tragen, zum Beispiel zwei tanzende Delphine. Oder Frauen, die immer gern zwei Paar Schuhe kaufen…also immer für den Zwilling mit.
Bettina: Und sehr, sehr viele Helfer – also Menschen in helfenden Berufen, viele Therapeuten – haben die ganz starke innere Motivation, eigentlich ihren Zwilling retten zu wollen. Es gibt unglaublich viele Symptome, und die ganzen Symptome können auch immer irgendwo anders hinpassen.
Ramoda: Bei Aufstellungen, wenn da zwei Stellvertreter stehen, kann man an der Art, wie sie auf einander schauen, deutlich unterscheiden, ob das jetzt Mutter und Kind oder beide gleich sind. Das ist ein riesengroßer Unterschied. Man kann sehen, ob es um eine Paarbeziehung oder um vorgeburtliches Erleben geht. Man sieht und spürt in einer Aufstellung die Zwillingsenergie, wenn jemand nicht allein im Bauch war.

Was ihr geschildert habt, gibt es ja – in unterschiedlicher Ausprägung – häufiger. Wie weiß ich denn jetzt, wenn ich eins oder mehrere solcher „Symptome“ habe, ob ich ein allein geborener Zwilling bin oder ob das andere Ursachen hat?
Ramoda: Ein konkreter Hinweis kann sein, wenn die Mutter in den ersten Schwangerschaftswochen Blutungen hatte. Aber meistens passiert der Abgang eines Zwillings ohne Blutung, und dann wissen die Mütter auch nichts. Es ist schwer, eine Pauschalantwort zu geben, wie man das wissen kann… Ich sage mal: Wenn ich eigentlich alles habe im Leben, aber mir fehlt etwas. So als Grundgefühl die Sehnsucht nach etwas.
Wenn man das wissen will, kann man dem zum Beispiel durch innere Reisen näher kommen, man kann Hinweise durch kinesiologische Muskeltests bekommen oder auch über tief gehende Atemarbeit… oder natürlich durch Familienaufstellungen…  
Inzwischen kommen auch viele Menschen über unser Buch, das wir ja für Betroffene geschrieben haben und in dem sie sich wiederfinden.
Bettina: Natürlich ist der größte Wunsch von vielen: Ich hätte es doch so gerne mal so richtig schwarz auf weiß, dass es mich wirklich betrifft. Und das ist etwas, was wir nicht liefern können und was es leider nur in wenigen Fällen gibt. Es ist vielmehr ein inneres Gefühl, es bestätigt sich in vielen Situationen. Und natürlich ist niemand klinisch rein, es kommen immer noch andere Themen dazu – es gibt ja nicht nur eine Geschichte im Leben, und natürlich ist das dann auch mit verwoben und mit verbunden. 

Wenn sich so etwas jetzt herausgestellt hat oder wenn sich die Vermutung gezeigt hat, dass das der Fall sein könnte: Was mache ich dann damit?
Bettina: Für viele ist es erst mal ein wichtiger Schritt zu spüren: Ich war damals nicht allein, es gab da jemanden anderen. Viele gehen dann über andere Methoden noch ein Stück weiter,  zum Beispiel, indem sie innerlich noch Mal zurückgehen in den Mutterleib. Für viele ist das heilsam, um sich zu verstehen. Es war schlimm, von der ersten großen Liebe verlassen zu werden, hilflos mit anzusehen, wie er oder sie geht. Das erklärt, warum später vieles so und so gelaufen ist im Leben. Damit kann man viel liebevoller auf sich selber schauen.
Ramoda: Man kann das Thema, das oft mit viel Ladung verbunden sein, also Ängste, Panik bis hin zu Todesangst – allerdings nicht „blitzauftauen“. Es braucht oft Jahre, in kleinen, behutsamen und liebevollen Schritten. Das Resultat davon ist: Man behält die Sensibilität, die man schon immer hatte, aber man ist stabiler und geht kraftvoller ins Leben. Und darum geht es ja am Ende. Für viele ist es schon ein ganz wichtiger Schritt, das in einer Familienaufstellung zum ersten Mal gespürt zu haben. Sie fühlen sich dadurch vollständiger, mehr angekommen im Leben.
Bettina: Und bei allem Leid liegt in der Zwillingsthematik auch ein großes Geschenk. Es gibt viele fähige und kreative Menschen, die gerade daraus schöpfen, dass sie früher im Mutterleib zu zweit waren. Es sind einerseits Künstler, Musiker, Maler und Bildhauer, die aus dieser großen Suche nach dem anderen Wunderbares schaffen. Auch viele  sensible Menschen, die andere gut begleiten können, weil sie sehr genau fühlen, was das Gegenüber  braucht, und sich sehr stark auf den anderen einlassen können. Diese feine Fühlen haben sie in der Zeit damals in der Gebärmutter gelernt. Darum: Finde deinen Zwilling wieder, und dann lebe deine Kreativität – in Verbindung mit ihm.


Abb 1: Buchcover „Das Drama im Mutterleib“ von Mutton Bilderdienst

Sonderseminare:
Der verlorene Zwilling in Berlin:
17.-19.09.2010 und 17.-19.12.2010

Der verlorene Zwilling mit Aqua Release® in Kisslegg/Allgäu
17.-22.10.2010

Nächste Termine im Aquariana, Am Tempelhofer Berg 7d:

Offene Abende Familienaufstellung/ Traumatherapie
21.09., 26.10.2010, 20 Uhr

Wochenendseminar Familienaufstellung/Traumatherapie:
29.-31.10.2010

Außerdem: Rainbow-Spirit-Festival, 12.-14.11., Berlin (Stand, Vortrag, Workshop)

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