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Happy anyway – was auch immer geschieht

 

Eine Menge Leute sind derart mit Erfolg und Gewinnen beschäftigt, dass sie nicht einmal mitbekommen, dass sie nicht glücklich sind. Genau wie Menschen, die den Tod fürchten, wissen sie nicht, wie sie loslassen und wie sie verlieren können. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die kaum mehr als das Allernötigste besitzen und auf eine Weise glücklich sind, von der die anderen nur träumen können. Worin besteht der Unterschied?

Doch, es ist durchaus möglich, reich und glücklich zu sein, ebenso wie erfolgreich und glücklich oder berühmt und glücklich oder alles zusammen und glücklich: wenn wir wissen, wie Verlieren geht! Das ist es, worin weniger wohlhabende Leute oft viel besser sind: Sie hatten ein lebenslanges Training im Verlieren, und sie haben keine Angst davor. Als ich einem Freund erzählte, mein nächster Workshop hieße “Happy  anyway: Die verlorene Kunst der Hingabe lernen”, meinte er: “Schreib nicht ‚Hingabe‘ im Titel. Das wird jeden abschrecken, der mit Erfolg zu tun hat.” Er ist Amerikaner, und ich, ein Engländer, der auf beiden Seiten des Atlantiks lebt, kann verstehen, was er meint – und auch, dass Europäer vielleicht etwas offener dafür sind, ihren Dämonen zu begegnen. So oder so: Wenn Hingabe für uns ein Tabuthema ist, werden wir niemals glücklich sein können.

Verlieren lernen

Das Leben ist ein erstaunliches Geschenk. Das Leben ist schön! Und es enthält seine eigene Aufhebung: Wir werden alle eines Tages sterben. Deutlicher könnte uns das Leben nicht sagen, dass wir lernen müssen, zu verlieren. Stattdessen steckt unsere Gesellschaft den Kopf in den Sand und sucht nach den süßen Dingen des Lebens. Die Botschaft lautet: Sei erfolgreich, gewinne und mache immer mehr daraus. Schon in jungen Jahren wird uns vorgegaukelt, dass Besitz und Erfolg uns glücklich machen. Wir lernen, Belohnungen mit Glück zu verwechseln. Es ist nichts Verkehrtes daran, auch sie zu genießen – nur wenn wir glauben, dass sie uns glücklich machen, sind wir auf dem Holzweg. Auf dem verbringen viele Menschen ihr gesamtes Leben: Wenn sie verlieren, strengen sie sich noch mehr an, kaufen noch mehr oder versinken in Depressionen.
Das Streben nach Erfolg, der Wunsch zu gewinnen, das Muss-ich-haben-Syndrom – sie alle wurzeln in unserer Angst. Wir wollen immer mehr, um nicht unserer Urangst vor Verlust, Einsamkeit, Verlassenheit und Tod begegnen zu müssen. Glück bedeutet nicht, dieser Angst zu entrinnen. Glückliche Menschen haben Freundschaft mit ihrer Grundangst geschlossen. Sie können die Annehmlichkeiten des Lebens genießen – einschließlich Erfolg. Sie können Niederlagen und Verluste mit Anmut akzeptieren. Sie sind in jedem Fall glücklich!

Annehmen, was ist

Um das zu lernen, müssen wir uns mit allen unseren inneren Verfassungen anfreunden. Die Herausforderung besteht darin, uns auch jenen hinzugeben, mit denen wir hadern, die wir verurteilen oder ablehnen. Das mag sich wie eines der vielen Workshop-Klischees anhören, aber Tatsache ist: Wenn wir lernen, was uns nicht in der Schule beigebracht wurde – wirklich mit all dem zu SEIN, was hier und jetzt in uns vorgeht –, verwandelt sich unsere Beziehung zu allem. Selbst wenn wir uns dann dafür entscheiden, den Erfolg zu suchen, tun wir es aus Freude daran. Wir werden nicht von Verlustängsten angetrieben. Wir sind glücklich und dankbar, mit dem zu sein, was ist. Wenn ich gewinne: schön! Wenn ich verliere: auch schön. Freundlich mit allem umzugehen, was ich erlebe, lässt mich glücklich sein, denn so kann ich einfach weiter da sein. Präsent zu sein, ist der Schlüssel zum Glück. Völlig präsent können wir nur dann sein, wenn wir uns ganz uns selbst hingegeben haben.
Wir lernen es nicht, indem wir in der Schule darauf gedrillt werden, ein guter Verlierer zu sein. Wir müssen dorthin gehen, wo wir den Verlust fürchten, ob es nun der Verlust des Lebens oder der Verlust von Gesicht oder Stellung ist. Wir müssen Hingabe als etwas entdecken, das es zu erleben gilt – und nicht als Idee oder Theorie. Wir müssen bereit sein zu fühlen. Uns Dingen zu stellen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, ist an sich schon eine Form von Hingabe. Das haben wir nicht in der Schule gelernt. Die Tragikomödie unserer Zivilisation ist, dass dies das einzige Element ist, das für jede persönliche Ausbildung erforderlich ist. Ich nenne es “The Art of Being®” – die Kunst des Seins.

Über den Autor

Avatar of Alan Lowen

ist ein international anerkannter Lehrer und Wegbereiter, der seit 25 Jahren seine Seminare weltweit anbietet.
Er hat vor über zehn Jahren das „Art of Being“ gegründet als einen umfassenden Ansatz zu einem glücklichen, gesunden und erfüllten Leben.
Der Schwerpunkt seiner Seminare liegt auf den elementaren Themen des Lebens: Geburt, Tod, Sex, Liebe, Partnerschaft und Sein.

2 Responses

  1. Maria

    Sg, Herr Lowen,

    danke für diesen Artikel zum Tema >HINGABE< Es ist wirklich erschreckend , das heutige Bild des Menschen zu betrachten. So viele laufen den GLÜCK nach,aber nur wenige haben Vertrauen zu sich,diesen Schritt zu wagen. Sich dem Leben >Hingeben < ist die wunderbarste Erfahrung,was wir Menschen machen können.Nur Mut kann ich sagen,denn die ehrliche bedingungslose Hingabe an Gott-an den Nächsten-an mich selbst, ist der Weg zur höchsten Form der Liebe. Maria

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