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Aus einem Vortrag von Bhashkar Perinchery

Es ist gut, sich die Zeit zu nehmen, um einige wesentliche Aspekte dieses Themas direkt und tief zu betrachten. Normalerweise sind wir im Lebensprozeß, ohne diese Bereiche intensiv zu betrachten – eher in einem Mitgehen, als ihnen bewußt eine Richtung zu geben und dadurch eine neue Dimension zu öffnen. In einem unbewußten Zustand sind Glück und Unglück eher wie ein Zufallsprozeß, das bedeutet: manche Dinge geschehen, die unseren Vorstellungen entsprechen, die von uns als angenehm empfunden werden, wir nennen sie „glückliche Momente“, eine „gute Sache“ usw., und dann geschieht etwas, das nicht unseren Erwartungen entspricht, das von uns als unangenehm und manchmal auch rein körperlich als Schmerz empfunden wird, dann nennen wir es Unglück, und es ist eine Anstrengung in unserem Leben, Unglück zu vermeiden und nach Glück zu streben.

Wir beginnen nur dann, wirklich eine andere Einsicht hierüber zu bekommen, wenn wir sehen, daß unsere Vorstellungen, unsere Art, wie wir die Dinge wahrnehmen, durch unsere Vergangenheit in gewissem Sinne vorprogrammiert sind, daß wir nicht mit Klarheit und Freiheit handeln, sondern quasi gezwungen sind, auf bestimmte Weise zu reagieren. Diesen Zwangszustand richtig zu erkennen, ist der erste Schritt zu einer tieferen Möglichkeit des Freiseins und der Erfüllung. Was wir als Glück verstehen, kann sich jeden Moment in Richtung Unglück verwandeln. Ein Moment kann voller glücklicher Gefühle sein, wo alles stimmt, wo alles nach unserem Maßstab perfekt ist, und im nächsten Moment geschieht etwas, das unsere ganzen Erwartungen zunichte macht und dann sind wir enttäuscht, wir sind unzufrieden und unglücklich.
Daher haben Menschen, die tiefer
in diese Bereiche hineingeschaut haben, darauf aufmerksam ge-macht, daß dieses Glück, nach dem wir streben, wie Tautropfen, wie Schnee ist, der jeden Moment schmelzen kann, wie Luftblasen, die jeden Moment platzen können.

Mut ist, wenn wir uns mit diesen Tatsachen direkt und tief konfrontieren. Jeder kennt das, jeder hat irgendwo darüber gelesen, aus verschiedenen Richtungen davon gehört. Aber es ist nicht nur eine Frage des Wissens, es ist eine Frage der tieferen Auseinandersetzung damit. Denn wenn etwas als Information angesammelt ist, ist das noch keine Erfahrung, noch kein tieferes Verständnis. Wir können uns das intellektuell gut vorstellen, in gewissem Sinne begreifen, aber dieses intellektuelle Begreifen und die existentielle Erfahrung sind sehr weit voneinander entfernt.

Manchmal geschieht etwas, das wir als Schmerz empfinden oder etwas, was wir als Freude und Glück empfinden, aber selten werden diese Bereiche bewußt wahrgenommen, und es ist diese bewußte Auseinandersetzung, die einen wirklichen Unterschied macht.
Wir können zum Beispiel etwas als lustig empfinden. Aber dieselbe Erfahrung, als dauerhafter Zustand, ist dann nicht mehr lustig. Z. B., jemand wird gekitzelt, findet das lustig und kann lachen, aber wenn jemand andauernd gekitzelt wird, wird dieses Lachen zu einer Tortur. Dieselbe Empfindung, wenn sie zu viel wird, wird zu Schmerz. Was wir als angenehm und unangenehm einordnen sind dieselben Empfindungen in verschiedenem Maße, in unterschiedlicher Intensität.

Was wir daran sehen können, ist, daß unsere Empfindungen von Glück und Unglück sehr nahe beieinanderliegen und daß wir als Menschen die Möglichkeit und die Fähigkeit besitzen, uns tiefer mit diesem Bereich auseinanderzusetzen. Daß wir eine andere Dimension von Freude und Glück erfahren können, die nicht nur ein von vorübergehenden und auf bestimmte Erregungen begrenzter Zustand ist.
Nur dann können wir auch sehen, daß es nicht notwendig ist, in diesen Zuständen von Glück und Unglück unbewußt gefangen zu bleiben, sondern daß wir für unser Leben eine andere Grundlage erschaffen können, und es ist eine wichtige religiöse Qualität, wenn ein Mensch seine eigene innere Natur, ohne sie als gut oder schlecht, richtig oder falsch zu benennen, einfach betrachten wird.
Daß wir lernen, uns selbst, wie wir sind, anzunehmen und anzuschauen, so daß wir uns selbst und unsere Realität auf eine neue Weise entdecken können. Normalerweise, wenn wir uns betrachten, schauen wir nicht auf so eine direkte Art. Wir haben feste Maßstäbe, feste Vorstellungen, feste Konditionierungen und wir projizieren durch dieses Sieb der Vergangenheit und vieles ist gleich in bestimmte Schubladen eingeordnet.

Das, was wir Glück nennen und erfüllende Erfahrungen, sind im Grunde genommen Momente, in denen wir für das Leben tief empfänglich sind. Ich habe dieses Phänomen das „Vitale Harmonisierungs-Phänomen“ genannt. Es ist eine sehr einfache Beobachtung des Lebensprozesses. Egal unter welchen Umständen, wenn wir zu dieser Offenheit und Empfänglichkeit gegenüber dem Leben kommen, wenn wir, ohne uns einzumischen, für das Leben erreichbar werden, in solchen Momenten geschieht ein Prozeß, der vitalisierend, harmonisierend und Freude bringend auf uns wirkt.

In vielen Erfahrungen, die wir im Leben machen, sind wir unbewußt und denken, das Glück oder die Freude kommen wegen bestimmter Zustände oder wegen des Erreichens von etwas bestimmtem. Wir begründen das mit bestimmten Umständen, die von außen kommen. Selten betrachtet jemand, was sich eigentlich im Innern abspielt und das ist der Grund, warum wir zu sehr an Äußerlichkeiten festhalten und von äußeren Aspekten abhängig werden.

Das ist nicht in sich selbst ein Problem, wenn man damit bewußt umgehen und verspielt sein kann. Wenn wir etwas Abstand zu der Situation haben, indem wir sehen, daß es nur bestimmte Konstellationen sind, die uns helfen, zu diesem inneren Zustand zu kommen, wo wir für das Leben erreichbar werden. Denn es ist nicht notwendig uns in Situationen zu verwickeln, in denen wir unnötigerweise leiden, sondern wir können das auf unterschiedliche Weise in unserem Leben hervorrufen, ohne leiden zu müssen.

Was in bestimmten Situationen als freude- und glückbringend von uns empfunden wird, ist diese indirekte Verbindung zu der Quelle in uns, und wir können auch eine direkte Verbindung zu dieser Quelle am Leben erhalten. Diese macht unseren Umgang mit dem Leben verspielter, flexibler, freier. Ansonsten versuchen wir oft so sehr, daran festzuhalten, daß es bald zu einer schmerzvollen Erfahrung wird, daß mehr Leid erzeugt wird als Freude. Der Mensch kann diese Dimension der Freude in sich erfahren und damit vertraut werden, indem er beginnt, sich selbst wachsamer und ohne sich zu beurteilen zu betrachten.

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