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Die Ursachen für unsere Schutzmechanismen, die Rüstungen unserer Herzen liegen tief in der Vergangenheit. Wie kann man sie erkennen?

Die Ursache unserer Schutzmechanismen

Kennen Sie das? Jemand sagt etwas zu Ihnen, und Sie reagieren nahezu automatisch mit innerem und äußerem Rückzug, Wut, Vorwürfen und Drama. Dabei ist die aktuelle Situation zwar der Anlass für den Ärger, aber nicht die Ursache. Die liegt tief in der Vergangenheit. Nur wenn wir Kontakt zu ihr und den damit zusammenhängenden Gefühlen bekommen, löst sich das Projektionsgebilde in unserem Kopf auf – und damit auch unsere Rüstung, hinter der sich die Angst, Verzweiflung und der Schmerz befinden, die das kleine Kind in uns nicht ­fühlen konnte.

Die Rüstung unserer Herzen

Das Wissen um die heilsame Wirkung von Liebe ist altbekannt, ebenso das Anlegen von beschränkenden ­Rüstungen zum Schutz vor Verletzungen. Wer kann sich nicht an den „eisernen Heinrich“ erinnern? Ihm kommt am ­Ende des bekannten Märchens „Der Froschkönig“ von den Gebrüdern Grimm eine besondere Rolle zu:

„Als die Sonne sie aufweckte, kam ein Wagen herangefahren, mit acht weißen Pferden bespannt, die hatten weiße Straußenfedern auf dem Kopf und gingen in goldenen Ketten, und hinten stand der Diener des jungen Königs, das war der treue Heinrich. Der treue Heinrich hatte sich so betrübt, als sein Herr in einen Frosch verwandelt worden war, dass er drei eiserne Bande um sein Herz hatte legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und Traurigkeit zerspränge. Der Wagen aber sollte den jungen König (nachdem er wieder zurückverwandelt worden war) in sein Reich abholen, der treue Heinrich hob beide (den jungen König und die Königstochter, die er heiraten wollte) hinein, stellte sich hinten wieder auf und war voller Freude über die Erlösung. Und als sie ein Stück Wegs gefahren waren, hörte der Königssohn, dass es hinter ihm krachte, als wäre etwas zerbrochen. Da drehte er sich um und rief:         

„Heinrich, der Wagen bricht.“

„Nein, Herr, der Wagen nicht,

es ist ein Band von meinem Herzen,

das da lag in großen Schmerzen,

als ihr in dem Brunnen saßt,

und ihr eine Fretsche (Frosch) wast (wart).“

Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Weg, und der Königssohn meinte immer, der Wagen bräche, und es waren doch nur die Bande, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr erlöst und glücklich war.“ 

Die Ursituation finden

Natürlich steht der treue Heinrich für einen Persönlichkeitsanteil des Königssohns, der durch die Erfahrung der Liebe zur Königstochter erlöst wurde. ­Leider fällt unsere innere Rüstung oft nicht so schnell von uns ab. Es braucht vor allem erst einmal ein Erkennen, wodurch sie überhaupt entstanden ist. Das Hinderliche ist, dass wir, selbst wenn ein offensichtliches Muster erkennbar ist, die eigentlichen Zusammenhänge meist nicht sehen. Denn eine äußere Situation für das aktuelle innere Verschließen ist oft nur Auslöser, aber nicht Ursache. Vielmehr liegt der wahre Grund meist in unserer Vergangenheit. Wir können natürlich überlegen, bei welchen Personen oder in welchen Situationen wir in ähnlicher Weise reagiert haben und was die Personen oder Situationen gemeinsam haben, aber vermutlich werden wir damit das ungeliebte Muster noch immer nicht loslassen können. Zum Auflösen müssten wir zurückgehen bis zum ersten Mal, als wir so reagiert haben. Dort liegt der Schlüssel. 

Meist erleben wir das Hochfahren unseres Schutzschildes ausgerechnet mit den Menschen, die uns am nächsten stehen: Eltern, Kinder, Kollegen, vor allem aber mit dem Partner. 

Aus meiner Praxis hier das Beispiel eines Paares, dessen Liebe an unbewussten alten Mustern zu zerbrechen drohte. Der Mann und die Frau hatten viele Gemeinsamkeiten – sie schienen  wie geschaffen füreinander. Der Mann bewunderte die Frau und ihre Energie, er fühlte sich magisch angezogen und Zweifel, die er in den letzten Jahren im Zusammensein mit anderen Frauen erlebt hatte, lösten sich auf. Er hatte sich immer eine Frau wie diese gewünscht. Doch plötzlich zweifelte er mehr, als dass er sich einlassen konnte. Dabei waren sie inzwischen ein Paar und verbrachten die meiste Zeit zusammen. Aber das machte ihr Zusammensein nicht harmonisch. Aus heiterem Himmel fühlte er sich von ihr kritisiert und sie stritten – warum nur war diese wunderbare Frau so anstrengend? 

Projektionen durchschauen

In einer SySt®-Aufstellung stellte sich die Frau ihrem Muster. Als zentraler Punkt zeigte sich ein Trauma aus frühester Kindheit. Der zu dem Zeitpunkt abgespaltene, sehr junge Teil ihrer selbst konnte erfolgreich integriert und darüber Zugang zum Urvertrauen ermöglich werden. Mit Vergebungsübungen gelang es außerdem, das Muster hinter ihrer (nicht zum ersten Mal schwierigen) Partnerwahl zu erkennen. So konnte sie endlich den Schmerz dort wahrnehmen, wo er seinen Ursprung hatte, und vergeben: der Mutter, die sie nicht wollte.

Der Mann bekam in einer Aufstellungssequenz mit einem aus dem Schamanismus stammenden Ritual die Möglichkeit, sich von seinen Eltern abzugrenzen. Er konnte dabei seine von der Mutter schmerzlich erfahrenen, verhassten und dennoch übernommenen Muster zurückgeben und sich damit von seinen größten Zwängen befreien. Er hatte in seinem Leben nichts sehnlicher als Liebe gesucht, doch je stärker er mit ihr in Berührung gekommen war, desto stärker wurde auch seine Angst vor der Wiederholung seiner traumatischen Kindheitserlebnisse in Beziehung zu einem anderen Menschen – und dementsprechend heftiger ging er in Ablehnung. Was er in seiner Partnerin ablehnte, entsprang seinen eigenen Projektionen. Als ihm das klar wurde, konnte er seine Partnerin wieder so strahlend sehen wie bei der ersten Begegnung – nur jetzt auch offen für Liebe und damit für Heilung.

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