Meditative Wiederholungen und gleichzeitige Varianten eines musikalischen Themas – wie Lex van Somerens spezielle Mantramusik in die Tiefe der Seele führen kann.

von Bohdan Shved und Dr. Sonja Stanger

Im Hinduismus und Buddhismus ist das Rezitieren von Mantras während der Meditation und im Gebet sowie im Yoga auch während der Übungspraxis üblich. Mantras erinnern uns an die ursprüngliche Absicht unserer Seele und geben ihr einen Fokus inmitten der Ablenkungen der äußeren Welt. Sie haben eine Schwingung der Ermächtigung, die unsere Seele an ihr fundamentales Selbst, Reinheit, Wohlstand und Gnade erinnern. Und so geben die Mantras uns Schutz gegen niedrige Schwingungen im Innen und Außen.

Beim Chanten (Singen, Rezitieren) entstehen spezifische Gedanken(energie)muster im Geist, die positiv, beruhigend und unterstützend sind. Das Bewusstsein wird gereinigt, so dass wir unser wahres Selbst leichter erkennen können. Auch auf körperlicher Ebene (Organe, Zellen) wirken die Mantras entspannend und/oder energetisierend. Zudem können Gifte ausgeschieden und gegebenenfalls sogar neutralisiert werden, und auch auf das Nervensystem haben Mantras eine entspannende Wirkung. Auf emotionaler Ebene sorgen die Schwingungen der Mantras dafür, dass Ärger, Gier, Hass und Eifersucht aufgelöst werden und Liebe, Freude und Frieden den freigewordenen Raum einnehmen können.

Zur Ruhe kommen

Der traditionelle Weg des Mantrasingens ist darauf ausgerichtet, durch viele Wiederholungen einfacher Texte und Phrasen den Geist zu fokussieren, zur Ruhe kommen zu lassen und damit den Menschen zu zentrieren. Dies ist vergleichbar mit einer Art Spirale ins tiefste Innere, den Herzensraum, zu dem das Mantrasingen – je nach Dauer und Intensität – zu führen vermag. Dabei sind es genau diese Schlichtheit sowie die Wiederholungen, die unser Tagesbewusstsein eindämmen, so dass wir im Außen von nichts mehr abgelenkt werden. Da unsere ununterbrochenen, häufig unkontrollierbaren und ungewollten Gedanken einem Elefantenrüssel gleichen, der andauernd in Bewegung ist, solange er keine Aufgabe bekommt, fühlen wir uns häufig dieser Gedankenflut ausgeliefert. Mantras sind hier eine wundervolle Möglichkeit, aus dem Gedankenkreisen auszubrechen und den Geist zu beruhigen. Doch diese unmittelbare Wirkung der Mantras ist nur ein Teilaspekt. Wesentlich ist ebenso, dass bei regelmäßiger Übung eine innere Ruhe einkehren kann, die uns in allen Lebenslagen unterstützen und bestärken wird.

Musikalische Unterschiede in Ost und West

Aus der Musiktradition heraus kennen wir Europäer zumeist Mantras aus dem orientalischen oder asiatischen Raum als meditative Musik, die insbesondere durch fortlaufende, monoton gesungene Rezitationen gekennzeichnet sind. Dahingegen entwickelte sich europäische Musik über viele Jahrhunderte über Vielfalt und kreative Gestaltung nach außen. Die sogenannte Variationsform westlicher Musik ist darauf ausgerichtet, durch Wiederholungen aufeinanderfolgender Varianten eines Themas immer weitere Finessen zu ergänzen, um die Faktur – sozusagen die Grundkonstruktion der Komposition – weiter zu entwickeln, so dass diese im Fortgang nie exakt gleich bleibt. Dabei wird ein Thema zumeist melodisch, harmonisch, rhythmisch oder dynamisch verändert. Wenn man diese beiden originär nahezu konträren historischen Pfade einer Komposition der Musik miteinander vergleicht, ergibt sich zwangsläufig ein offenkundiger Widerspruch in der Absicht und Wirkung. Dieser Widerspruch ist jedoch nur scheinbar, da sich diese beiden Bewegungen nach innen und nach außen (wie nach oben und nach unten) dennoch verbinden und in eine Einheit führen lassen.

Der Weg nach innen

Der Weg, den der visionäre Bühnenkünstler und Sänger Lex van Someren und sein Arrangeur Frank Steiner in der Mantramusik-Gestaltung gehen, ist exakt jener, der diese beide Richtungen miteinander verbindet. Zum einem hören wir Europäer mit unserem geschulten Musiker-Ohr, wenn eine stetige Entwicklung in der Komposition des Mantras von einer Wiederholung zur nächsten geschieht. Es entsteht parallel einerseits durch die vielzähligen Wiederholungen das Gefühl der inneren Einkehr, der tiefen Ruhe und Zentriertheit, sowie andererseits durch die musikalische Weiterentwicklung im Mantra-Song eine Aus- und Aufrichtung im Inneren – wie eine Säule, fest mit der Erde verbunden. Dies entspricht einem Gefühl, das durch das traditionelle indische und orientalische Mantrasingen ebenfalls erreicht werden kann. Wie sind nun diese beiden Erfahrungen gleichzeitig möglich? Offenbar liegt dieses Erleben im Auge des Betrachters beziehungsweise im Ohr des Hörenden. Wenn jemand vollkommen in diese Musik eintaucht und mitsingt, erfährt derjenige den Weg nach innen. Die Betrachter von außen, die dieses Musizieren vielmehr als Konzert anhören und sich möglicherweise gar nicht in das Singen vertiefen, erleben durch die Ebene der ständigen Musikentwicklung des Mantras ebenfalls eine inspirierende Aus- und Aufrichtung, die Innen und Außen miteinander verbindet.

Meditative Zustände

Das macht auch die Mantramusik von Lex van Someren zu einem zutiefst erfüllenden und erhabenen Erlebnis. Die einzigartige Möglichkeit, mit Mantras beide musikalischen Wege gleichzeitig erleben zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes und somit quasi doppelter Genuss, der zu ekstatischen Höhen des Bewusstseins führen kann. Der präzise durchdachte Einsatz musikalischer Stilmittel aus unterschiedlichsten Kultur-und Musikrichtungen versetzt die Zuhörer und Mitsingenden in eine hohe erhabene Schwingung. Dieser Prozess wird in den Konzerten sowie den Mantra-Singabenden durch den Raum der Stille zwischen den einzelnen Mantras weiter verstärkt, so dass sich über einen gesamten Abend die Schwingung ohne jegliche Unterbrechung permanent erhöht. Dies öffnet einen unendlich großen Bewusstseinsraum, den Lex auch „Seelenraum“ nennt. Jener Raum ist der entscheidende Faktor bezüglich der möglichen Tiefe des meditativen Zustands, der mit oder durch Mantras und Mantramusik erreicht werden kann. Diese besondere Wirkweise von Mantras in Kombination mit reiner Stille ist in Ansätzen auch bei anderen Mantra-, Kirtanund Bhajansängern zu finden, jedoch wird bei Lex van Somerens Konzerten besonderer Wert darauf gelegt, diese heilige Schwingungserhöhung nicht durch Erläuterungen oder Erzählungen zu durchbrechen.

Auf diese Weise stellen die Mantra-Kompositionen und Arrangements wie auch die Konzerte eine Verbindung von Einfachheit und höchstem musikalischen Anspruch, von Reinheit und Variationen, von Bhakti und Zentrierung im Innersten, von tiefster Hingabe und höchster Bewusstseinsöffnung dar. Van Someren: „Mein Sein und mein Wesen sind durchtränkt von einem zutiefst mystischen Bewusstseinserleben. Aus diesem inneren Raum der Seele entstehen die Musik und der Gesang. Ich möchte mit Musik und Bühnenkunst eine tiefe seelische und spirituelle Botschaft vermitteln, berühren und inspirieren.

Lex van Someren ist ein international bekannter visionärer Bühnenkünstler, der mit seiner Stimme und seiner Musik heilsam berührt. Er zählt weltweit zu den Pionieren der modernen spirituellen Musik. Auf seiner Konzerttournee „Wie im Himmel“ entführt er zusammen mit seiner Band und einem neuen Chor seine Gäste auf eine musikalische Reise für Herz und Seele in außergewöhnliche Klangwelten und lädt zum Mitsingen der Mantras ein. Er hat über 40 CDs veröffentlicht.

Termine:

24.11.2019 in der Urania Berlin
25.11.2019 im Kulturpalast Dresden
Weitere Infos auf www.someren.de

Author: Oliver Bartsch

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