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Die Supermärkte sind voll von künstlichen, die Vitalität schwächenden Nahrungsmitteln. Die werden hauptsächlich von großen Konzernen vertrieben, die ausschließlich profitorientiert denken. Wie sehen die Chancen der Biobranche aus? Jörg Engelsing und Aman sprachen mit Joachim Weckmann, Geschäftsführer von „Märkisches Landbrot“.

 

Was braucht es, damit sich die Strukturen in der Nahrungsmittelindustrie ändern?

Joachim Weckmann: Wichtig ist eine regionale Ausrichtung. Sie ist essentieller Bestandteil verantwortungsvoller Einkaufs- und Lieferbedingungen. Es gehört mit zu einem glaubwürdigen ökologischen Konzept, dass man innerhalb einer Region die Rohstoffe einkauft, verarbeitet und auch vertreibt, um einerseits den Energieeinsatz möglichst gering zu halten und auch, um Wohlstand in die Region zu bringen. Ein weiterer Aspekt einer regionalen Ausrichtung ist darum auch Fairness. Also nicht nur Fairtrade mit Südamerika, sondern auch mit Brandenburg. Wir kaufen beispielsweise seit 1993 bei den gleichen Demeter-Bauern zu 90 Prozent in Brandenburg ein. Es gibt eine ganze Regional-Initiative, deren Mitglieder man unter www.fair-regional.de einsehen kann.

Wie bedrohlich ist die Gentechnik für „Bio“?

Eine Koexistenz genmanipulierter Pflanzen mit Ökobetrieben ist nicht möglich. Durch Winddrift, die ja es überall gibt – Roggenpollen driften über 600 Kilometer, in Kanada gibt es keinen gentechnikfreien Raps mehr – breiten sich genmanipulierte Pflanzen unaufhaltbar aus. Wenn Gentechnik weiter erlaubt wird, ist es das Ende der mittlerweile fünf bis sechs Milliarden umsatzstarken Biobranche. Gen- technik bedeutet das Aus für sämtliche Bio-Betriebe, bedeutet auch das Aus für Märkisches Landbrot. Die Auswirkungen der Gentechnik zeigen sich beispielsweise jetzt schon – in noch viel größerem Maße in den USA – in dem Sterben ganzer Bienenvölker, die mit den gentechnisch veränderten Pflanzen nicht zurecht kommen. Weil dadurch ein Glied in der natürlichen Kette fehlt und beispielsweise die Obstbäume nicht mehr bestäubt werden, fährt man noch vorhandene Bienenvölker auf LKWs durchs ganze Land.

Gibt es überhaupt noch reines Bio?

Die gesetzlichen Bestimmungen sind so, dass 0,9 Prozent eines Produktes gentechnisch verunreinigt sein dürfen, alles, was drüber ist, darf nicht mehr als Bio verkauft werden. Irgendwann wird der Verbraucher nicht mehr der Freiheit haben, sich zwischen gentechnikfreien und gentechnisch manipulierten Produkten zu entscheiden.

Was können Sie als Ökobetrieb tun?

Erstens: Das leben, wovon wir reden. Wir haben beispielsweise ein energiesparendes Heizsystem und eine große Photovoltaikanlage, die uns Strom liefert. Die Abwärme unserer Backöfen benutzen wir zum Beheizen der Räume und zur Erwärmung des Wassers. Unsere CO2-Emissionen haben wir bereits 2006 um 50 Prozent gesenkt. Darüber hinaus unterstützen wir zusammen mit dem Verein Prima Klima eine Regenwald-Aufforstungsaktion in Madagaskar. Und natürlich machen wir uns immer wieder Gedanken, wie wir die Qualität unseres Brotes weiter verbessern können. Beispielsweise haben wir aufgrund der Belastung des Trinkwassers durch Medikamentenrückstände und Nitrate einen eigenen Brunnen von 80 Metern Tiefe gegraben, der wirklich sauberes Wasser fördert. Dieses Wasser wird noch einmal gefiltert und dann – da haben wir uns die Forschungen von Dr. Masuro Emoto zu Herzen genommen – energetisiert.

Ein weiterer wichtiger Punkt heißt Aufklärung. Viele Menschen machen noch keinen Unterschied zwischen einem Nahrungs- und einem Lebensmittel. Und dieser Unterschied muss erst einmal bewusst gemacht werden. Und was auf den Tisch kommt, ist so weit abstrahiert, dass die meisten Menschen, beispielsweise selbst Studenten, noch nicht mal wissen, was in ihrem Brot ist. Darum investieren wir in Ausbildung, gehen in Schulen und führen mittlerweile jährlich über 3000 Kinder und Erwachsene durch unseren Betrieb, um unser Wissen über vollwertige und gesunde Ernährung weiterzugeben. Die Leute da zu begeistern, ist eigentlich relativ einfach. Wenn die ein paar Mal eine leckere Scheibe warmes Vollkornbrot gegessen haben, wollen die nichts anderes mehr. Und falls nichts hilft, wird es letztlich über Cent und Euro gehen: Wenn der Bundeshaushalt 2005 für ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten 180 Milliarden bereitstellen muss, dann wird irgendwann auch etwas auf politischer Ebene geschehen müssen. Es ist offensichtlich, dass das nicht einfach so weiter gehen kann. Die Industrie verkauft Weißmehl, Zucker und Produkte mit chemischen Zusatzstoffen, nur um schnelle Profite zu machen.

Was kann der Verbraucher tun?

Jeder Kaufakt ist ein politischer Akt. Er drückt Bewusstsein aus und schafft auch Bewusstsein bei anderen. Darum sollte der Käufer darauf achten, wo sein Gemüse und auch die Einzelbestandteile von Kombinationsprodukten herkommen. Man kann das bei dem jeweiligen Händler erfragen und regt damit bei ihm auch einen Bewusstseinsprozess an. Es ist tatsächlich so: Die Verbraucher können mit den Füßen abstimmen. Wo sie nicht hingehen, wird sich das Angebot ändern müssen.

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