Vor 38 Jahren erschien Rudolf Bahros Buch „Die Alternative“, in dem der Autor aufzeigt, dass nicht nur der Kapitalismus gescheitert ist, sondern auch der Kommunismus und das, was man damals unter Sozialismus verstand. Sein Schluss daraus: Eine echte Revolution kann nicht aus der reinen Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse entstehen, sondern muss vom einzelnen Menschen ausgehen. Auch wenn es mit einem Blick auf die Welt nicht wirklich danach aussieht – wir befinden uns genau auf dem Weg dorthin.

Mittlerweile gibt es nicht nur immer mehr Menschen, die an innerer Transformation interessiert sind, sondern auch eine Menge vielversprechender Ansätze für eine Gesellschaft und Wirtschaft, die sich nicht am Profit weniger orientiert, sondern am Wohl aller. Was wir gerade weltpolitisch ­erleben, interpretiere ich als den letzten Widerstand des Alten gegen das Neue, das unweigerlich kommen wird – weil ich nicht glaube, dass die Menschheit sich vollkommen gegen die Wand fährt.

Warum ich das glaube? Weil Kapitalismus auf einer Illusion beruht – und jede ­Illusion wird irgendwann enttarnt. Das gehört zur Evolution des Bewusstseins. Die Illusion, die ich meine, ist die Illusion, dass wir alle getrennt voneinander sind. Dass es keine wohlmeinende Wesenheit gibt (auch Gott genannt), die das alles hier erschaffen hat. Dass das ­Leben mir feindlich gesonnen ist. Und das ­erzeugt Angst. Die Angst, dass ich verhungere, Arbeit und Wohnung verliere und irgendwann unter einer Brücke lande.

Das kann ich nur ­verhindern, wenn ich das Leben kontrolliere, wenn ich mache und tue. Vor allem Besitz ­anhäufe, immer mehr, denn Besitz verspricht ­Sicherheit. Meins! Um diesen Besitz konkurriere ich dann mit anderen und verteidige ihn mit aller Macht. Aus dieser Perspektive ist Leben vor allem eines: Kampf. Und Kampf nennt man als Gesellschaftsform eben Kapitalismus.

In diesem Heft stellen wir einige Ansätze vor, aus der Angst auszusteigen, sich dem Leben vertrauensvoll zu überlassen, die herkömmlichen gesellschaftlichen Strukturen auszuhebeln und ganz neu zu durchdenken. Dank an diejenigen, die den Mut haben, auf diesen Wegen schon voranzugehen. Und: Eigenen Ideen sind keine Grenzen gesetzt …

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Innenweltreisender, Redakteur der SEIN.

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