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Wirtschaft – das ist nach dem bisherigen Denken Ellenbogenmentalität und einer gegen den anderen. Wohin das geführt hat, zeigt der Zustand unserer Welt. Zeit für ein neues Denken, das nicht auf Konkurrenz, sondern auf einem sorgenden Miteinander basiert.

 

 

Die derzeitigen Versuche, ausschließlich durch Reglementierungen und Kontrolle unser außer Rand und Band geratenes Finanzsystem ohne Berücksichtigung spiritueller Faktoren zu zügeln, wird nicht den Herausforderungen unseres Zeitgeistes gerecht. Die kreativen Räume, aus denen Lösungen für unser Wirtschafts- und Finanzsystem entstehen, benötigen die Inspiration durch einen Geist, der unser bisheriges Denken übersteigt. Die ökonomischen Probleme unserer Zeit sind Ausdruck eines kollektiven geistigen Krebsgeschwürs, das das Wirtschaftswachstum anbetet und dabei gleichzeitig seinen Wirt, die irdischen und menschlichen Ressourcen, auffrisst. Der Unternehmer Hans Jecklin, ein Vordenker „lebensdienlichen“ Wirtschaftens, führt diesen Ungeist auf tiefe kollektive archaische Erfahrungen zurück: „In uns allen lebt ein archaisches Gewebe, älter als die Erfahrungen des frühen Homno Sapiens, geprägt schon durch die Überlebensstrategien der Rudel und Horden höherer Säugetiere. Dieser Komplex ineinander verwobener Gefühls- und Denkmuster ist oft schicksalshaft durchzogen von den Spuren brutalster Traumatisierungen, die sich Ethnien und Nationen im Verlauf der Weltgeschichte gegenseitig zugefügt haben.“

Das hat unter anderem dazu geführt, dass wir die Materie ausgebeutet und unhinterfragt zum Konsum genutzt haben. Nun ist es erforderlich, dass wir als Menschheit das kollektive spirituelle Bewusstsein entdecken und beginnen, aus ihm heraus zu leben. Dies bedeutet, die Erde neu zu beseelen – mit einem wacheren und integraleren Geist, als wir ihn vorgefunden haben.

 

Vom Konkurrenzprinzip zum Hütergeist

Der Evolutionsforscher und Begründer von Spiral Dynamics Don Beck geht davon aus, dass das neueste Mem – so etwas wie ein zentraler Kulturgedanke –, welches das Bewusstsein der Menschheit inspirieren wird, das Hüter-Mem ist. Der Mensch der Zukunft wird sich inspiriert fühlen, ein Hüter für das Ganze zu sein. Dieser Hüter-Geist vereint in sich zwei scheinbare Gegensätze, die wir alle in uns tragen: Es gibt in jedem von uns einen wilden, kreativen, dionysischen, chthonischen, das heißt zur Erde gehörigen Teil. Dieser Teil bietet uns die Erfahrung von Durchsetzungskraft, Überlebenswillen und Ekstase. Ihn zu leugnen, hieße, sich um unsere (An-)Triebskraft zu betrügen. Auf der anderen Seite tragen wir in uns ein Ideal von Kontrolle, Ordnung, Vernunft, ein apollinisches ‚himmlisches‘ Prinzip. Jenes sorgt dafür, dass unsere Haushalte nicht überschießen. Spiritualität und Wirtschaft zu verbinden bedeutet, beide Aspekte – das ekstatisch-kreative wie das haushaltend-reglementierende – zusammenzubringen.

Wenn wir uns mit dem Hüter-Bewusstsein verbinden, gewinnen wir Inspiration, Kreativität, Lebenslust und gleichermaßen Verantwortungs- und Ressourcenbewusstsein, ganzheitliche Wahrnehmung und ‚Flow‘: Wir gehen ganz in unserer Tätigkeit auf. Aus dem Hüter-Geist heraus erleben wir unseren Beitrag in diesem Wirtschaftssystem, wie immer er sei, als unsere persönliche Erfüllung. Auch die Fähigkeit, in einer endlichen Welt verantwortungsvoll zu wirtschaften, erwächst aus dem Hüter-Geist.

 

 

Die innere Stimme „ausgraben“

Es liegt tief in der Sehnsucht eines jeden Menschen, kreativ zu sein und einen Beitrag zu leisten. Dies liegt schlicht und einfach daran, dass wir als Mensch Teil eines seit Urzeiten stattfindenden kollektiven evolutionären Prozesses sind. Der Physiker, Mathematiker und Philosoph Peter Russell geht davon aus, dass wir alle miteinander quasi die Zellen eines globalen Gehirns darstellen. Wir alle tragen jedoch auch noch in uns die Spuren einer jahrtausendealten Evolution, der gemäß nur die Stärksten überleben. Dies ist der Druck, der aus den Erinnerungen der Vergangenheit auf uns lastet und der eine kollektive Angst und Stress erzeugt, die unserem Wirtschaftssystem nicht gut tut. Zugleich gibt es aber auch einen verheißungsvollen Sog aus der Zukunft.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ein inspirierendes kollektives Hüter-Feld existiert, an das wir uns zum Beispiel mittels Meditation anschließen können. Durch diese Inspiration ist es uns möglich, die Grenzen des Gefangenseins im Gegensatzdenken zu transzendieren und zu erkennen, wo unser optimaler Platz in der Schöpfung ist. In Kontakt mit dieser Inspiration erfüllen wir unseren Job automatisch mit Freude zum Segen des Ganzen – in Stimmigkeit. Hans Jecklin schreibt: „Das ursprüngliche innere Wissen um das Stimmige ist unverlierbar; es ist lediglich verborgen in jenem Gewebe von individuellen und kollektiven Prägungen, das wir alle mit uns tragen. Die Wiederentdeckung der inneren Stimme und vor allem ihre Unterscheidung vom Gewirr der Stimmen von Angst, Mangel und Bedürftigkeit sind ein Lernprozess.“

 

 

Das Aufgehobensein entdecken

Ökologische Marktwirtschaft weiß beispielsweise schon, dass die Erde und ihre Bewohner eine Lebenseinheit, ein intelligenter Organismus ist, dessen Teile für ihr Wohlergehen aufeinander angewiesen sind. In diesem Sinne ist eine integrale Marktwirtschaft bereit, die Erfahrung der eigenen integralen Natur in die Wirtschaftsabläufe hinein zu tragen. Spirituelle Marktwirtschaft ist bereit, sich undogmatisch von dem Hüter-Geist inspirieren zu lassen und dadurch den optimalen Platz im großen Ganzen auszufüllen. Der spirituelle Lehrer Mario Mantese verwendet in anderem Zusammenhang den Begriff der Einpassung. Diese Einpassung ist kein Gefängnis, sondern – wie eine Asana-Position im Hatha-Yoga – eine Erinnerung an die einem entsprechende stimmige Haltung. Mantese sagt: „Es geht nicht um Veränderung, sondern um Erlösung des Veränderbaren. Erlösung des Veränderbaren geschieht durch Einfügen, durch Gnade und reine Liebe… Der Mensch sucht ständig die Leere der Egowelt…zu füllen, doch das gelingt nie. Diese Rastlosigkeit macht es dem Menschen unmöglich, die Stille jenseits der Stille zu realisieren (Anm. KJB: und aus ihr zu schöpfen).“

Hierzu noch einmal der Unternehmer Hans Jecklin: „Die entscheidende Wende liegt in der Verlagerung unserer Beheimatung von außen nach innen. Haben wir den Geschmack dieses Aufgehobenseins einmal entdeckt, mag es im Rückblick erscheinen, wie wenn eine tief in uns wirkende Erinnerung – eine unauslöschbare Sehnsucht, geliebt zu sein, uns durch unendliche Anstrengungen und Enttäuschungen des Lebens angezogen hätte, damit wir die Quelle der einen Liebe schließlich in uns selbst finden. Dem Zuwachs an Tiefe und Weite entspricht auch eine neue Qualität des Mitgefühls: eine stille Liebe, frei von Bedingungen, voller Dankbarkeit für das Wunder der Schöpfung, an und mit der wir uns selbst entfalten.“

Vordenker wie Sri Aurobindo, Teilhard de Chardin, Jean Gebser, Ken Wilber oder Don Beck haben dafür den philosophischen Boden bereitet. Um das Erdachte in unser Wirtschaftssystem hineintragen zu können, müssen wir uns selbst vom Hüter-Geist inspirieren lassen: Jeder von uns, ob Müllmann oder Vorstandsvorsitzender, repräsentiert, ja ist das Ganze im menschlichen Gewand.

 


Um einander an das große, hütende Ganze zu erinnern, habe ich das Buch „Ho´oponopono – die Kraft der Selbstverantwortung“ geschrieben und gebe entsprechende Seminare im deutschsprachigen Raum. Das hawaiianische Wort Kahuna bedeutet „Hüter“ – in dem Kontakt zum Hüter-Bewusstsein tragen wir einen neuen Geist in unser Wirtschaftssystem hinein.
 
Seminar: „Ho´oponopono und die Kraft der Selbstverantwortung“ in Berlin,  22.-24.10.2010. Infos unter www.klausjuergenbecker.de/Termine.
Info und Anm.: Gutes Gelingen, Marion Augustin, Tel: 030 – 36 28 44 92, info@gutes-gelingen.de

 


Abb: © Stefan Körber_Fotolia.com

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