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Ich bin heute 58 Jahre alt und praktiziere seit 34 Jahren Yoga. Begonnen hat diese Liebe in einem Berliner Buchladen. Ich war auf der Suche nach einer Bewegungsart, die einfach war und die ich überall machen konnte. Mit gut 1,80 Körpergröße hatte ich schon immer mit einem eher schwachen Rücken zu tun, der mich bereits seit Teenagerjahren plagte.

„Yoga für jeden“, lag direkt an der Kasse – ein Buch von Karen Zebroff, einer kanadischen Yogalehrerin. Bilder von Haltungen, die mir machbar und erlernbar schienen. Also kaufte ich es und begann zu Hause in meinem Zimmer mit den Yogaübungen. Sie halfen meinem Rücken und ich machte sie gern, mehrmals die Woche vielleicht 45 Minuten lang.

Dann wollte ich mehr und suchte in Berlin nach einer Yogaschule, aber – man mag es heute kaum noch glauben – es gab nur ein äußerst kleines Angebot. Ich wusste nicht, wonach ich suchte, aber das Richtige war nicht dabei. Erst 1986 traf ich „zufällig“ auf eine Yogalehrerin während eines Seminars in Süd-Kalifornien, die mir in den Pausen Yogaübungen zeigte, die sie nach einem Lehrer namens B.K.S. Iyengar gelernt hatte.

Der Name sagte mir nichts, aber die Art der Übungen war so anders als alles, was ich bisher kannte, viel anstrengender und fordernder. Schon in der ersten Stunde dachte ich: Entweder das machst du jetzt richtig, oder du vergisst den Körper. Mir war klar, dass es ein langer und mühsamer Weg werden würde.

Ein Leben mit Yoga

Das war der Beginn meines Lebens mit Yoga. Ich entschied mich, quasi als Zusatzausbildung zu meinem Psychologiestudium, eine Ausbildung zur Yogalehrerin zu machen, um so Beruf und Yoga miteinander zu verbinden und vor allem erstmal viel Yoga zu machen.

Im Iyengar-Yoga-Stil gab es in Deutschland keine Ausbildung, Amsterdam, London oder San Francisco standen zur Auswahl. Ich wählte die Westküste und blieb ein gutes Jahr dort. Yoga in dieser Tradition ist sehr präzise, der menschlichen Anatomie analog und so sinnvoll für den Körper aufgebaut, dass dieser auf allen Ebenen davon profitiert.

Der 1918 geborene B.K.S. Iyengar hat die Mammutaufgabe in seinem Leben bewältigt, Yoga dem westlichen Menschen zu- gänglich zu machen. Der Transfer von Yoga aus Indien wurde wesentlich von ihm initiiert und über alle Kontinente verbreitet.

Sein Institut im indischen Pune hat Tausende von Menschen ausgebildet, um Yoga in die Welt zu tragen. In dieser Tradition fühle ich mich bis heute zu Hause und die Art der Vermittlung von Yoga passt zu mir.

Innere und äußere Prozesse

Yoga kann ganz schön herausfordernd, anstrengend, quälend und frustrierend sein. Man kommt mit den eigenen Grenzen in spürbaren Kontakt.

Als Psychologin fasziniert es mich, wie parallel sich innere Themen in Körper und Psyche darstellen und inwieweit man innere Konflikte und Begrenzungen auch über die Weiterentwicklung des Körpers lösen kann.

Was geschieht, wenn ich über Yoga alte Verspannungen lockere und löse mit den Gefühlen, die darin gespeichert waren? Sie kommen an die Oberfläche – und können dann auch gehen. Das sind innere Prozesse, die durch Yogaübungen angestoßen werden und die unsere geistige Aufmerksamkeit brauchen.

Wer nicht hinsehen will, hat im Allgemeinen zu viel Angst vor Veränderung und dem Aufgeben vermeintlicher Sicherheiten.

Verbindung mit dem Universum

Yoga ist keine Religion und keine Therapie – das war mir immer wichtig. Yoga bedeutet Verbindung mit dem Universum, mit sich selbst, mit dem eigenen Körper, mit anderen, mit der Natur – das ist das Leben.

Je länger ich Yoga mache, desto reicher werden die Erfahrungsebenen – ich kann meinen Körper tiefer durchdringen, seine Bewegungen sind gleichzeitig leichter und intelligenter geworden. Das ist eine sehr befriedigende und freudige Erfahrung. Ich hätte früher nicht gedacht, dass ein so gesundes und positives Körpergefühl möglich ist – kleine Schwächen inbegriffen.

Die Psyche steht dieser Gesundung nicht nach, wenn wir Yoga machen. Denn das wesentliche Element von innerer Weiterentwicklung ist unser wachsendes Bewusstsein. Mit längerer Yogapraxis bemerken wir immer häufiger wie wir Dinge wahrnehmen, die uns früher nicht aufgefallen sind, im Innen und im Außen.

Es gibt noch so viel zu entdecken – der Körper ist nur der Anfang… Was also könnte sinnvoller sein als ein Leben mit Yoga – voller Wohlbefinden, Bewusstsein, Inspiration und Liebe?

Das Leben ist endlich – wie der Tod des großen Yogameisters B.K.S. Iyengar im ver­gangenen Jahr einmal mehr vor Augen geführt hat –, doch voller Chancen. Er riet: „Live happily and die majestically.“

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