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Noch bevor das Kind da ist, sind die Eltern gefordert, sich eine Reihe von Kernfragen zu beantworten. Es muß unbedingt geklärt werden, wie und wo das Kind nun gewickelt wird und wo es schlafen soll, welche Methode die beste ist, es von A nach B zu transportieren. Ob Stoff- oder Wegwerfwindel oder beides, ob in der Wiege im Kinderzimmer oder in der Wiege neben dem Bett der Eltern, oder ob direkt im Bett der Eltern, ob Tragehilfe oder Kinderwagen oder eben mal das eine oder mal das andere. Mit der Entscheidung zwischen dem Stillen oder dem Verfüttern von industriell hergestellter Säuglingsnahrung fühlen sich die meisten weniger in Spannung versetzt.

Das neugeborene Kind von den ersten Momenten seines Lebens an ganz nah an sich heranzulassen und ihm bereits kurz nach der Geburt die Brust zu geben, um es dann mindestens 6 Monate lang voll, das heißt bis auf die Gabe von Tees ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren, das ist zumindest in aufgeklärten und humanistisch orientierten Kreisen selbstverständlich geworden. Auch in das Bett der Mutter bzw. der Eltern dürfen immer mehr Babies, was für das bequeme nächtliche Stillen sehr förderlich ist.

Um der Attraktivität der natürlichen Säuglingsernährung auf die Spur zu kommen, hilft schon eine Betrachtung der in diesem Umfeld angewandten Sprache. Was steckt eigentlich hinter dem Begriff “Muttermilch geben”?  –  In erster Linie liegt das Hauptaugenmerk auf der Ernährung mit dieser dem jeweiligen Entwicklungsstadium des Kindes optimal angepaßten Nährstoffsubstanz, was dann generell gut ist für das Wachstum, die Steigerung der körpereigenen Abwehrkräfte und die Allergieprophylaxe, egal, ob das Kind nun die Muttermilch aus der Brust oder aus der Flasche bekommt.

Die “Brust geben” hingegen löst ganz andere Vorstellungen aus. In diesem Fall steht nicht der Ernährungsaspekt im Vordergrund, sondern das “Geschenk” seitens der Mutter an das Kind, indem sie ihm/ihr ja ihre Brust gibt, sie sozusagen zum Saugen zur Verfügung stellt, was wiederum wichtig ist für die Entwicklung der gesamten Kiefermuskulatur.
Und beim “Stillen”, einem der gängigsten unter den vergleichbaren Begriffen, steht wiederum ein anderer Aspekt im Mittelpunkt des Geschehens: die Befriedigung der Bedürfnisse des Kindes. Gestillt werden der Durst wie auch der Hunger, doch – was noch viel wichter ist – auch das Bedürfnis des Kindes nach Nähe, womit wir bei der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Geborgenheit wären.

Wer sich mit dem Thema Stillen intensiver beschäftigt, wird neben den vielen Vorteilen auf der körperlichen Ebene fast automatisch auf die tiefgreifenden emotionalen Auswirkungen des Stillens aufmerksam. Ein älteres Kind, das lange nach den nach deutscher Norm „obligatorischen“ 6 Still-Monaten (z.B. in Frankreich sind es eher 3 Monate) noch gestillt wird, ist dabei oft viel mehr an dem tröstenden und Geborgenheit vermittelnden Gefühl beim Saugen und beim vertrauten Genuß des spezifischen Muttermilchgeschmacks als am eigentlichen Trinken interessiert. Ist ein Kind über ein Jahr alt, und kann/darf immer noch an die Brust der Mutter, so bekommt es damit die Chance, sich selbstbestimmt und selbstbewußt das zu verschaffen, was es will.

Beim ebenfalls in hohem Maße Geborgenheit vermittelnden ausgiebigen Tragen des Kindes im Tuch, eine seit den 70er Jahren von Jean Liedloff stark propagierte Art und Weise, dem Menschen als Tragling gerecht zu werden, wird das Kind bewußt in den normalen Ablauf des Alltags der Erwachsenen einbezogen statt es davon zu isolieren. Das Kind kann sich so als Teil des gesamten Geschehens begreifen. Bei einer ausgedehnten Stillzeit, die optimalerweise vom Kind selbst abgeschlossen wird, wenn es sich also “selbst abstillen” darf, erhält es ein ganz persönlich und tief geprägtes Gefühl des Urvertrauens von seiner ersten und meist engsten Bezugsperson, der Mutter. Dieser Grundstock an Sicherheit und tiefster Befriedigung stellt sicherlich für das gesamte Leben eines Menschen einen unschätzbaren Wert dar, der in einer ähnlichen oder gar gleichwertigen Qualität später nie mehr ersetzt werden kann.

Somit dürften eine zufriedene und vom Kind selbst beendete Stillzeit und eine intensive Trageperiode zwei der schönsten Geschenke für das Leben eines Menschen sein.

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