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Schatzsuche – die Kolumne von Sean Grünböck

Berge von Wäsche! – Große Wäsche, kleine Wäsche. Angerotzte und angepinkelte Wäsche. Blaue, grüne und neuerdings auch rosa Wäsche. Massen von Handtüchern und Stoffwindeln – und dann kommt, im ungünstigsten Moment, auch noch eine volle Ladung Bettwäsche dazu. Et voilà! – der Wäscheinfarkt ist perfekt!

Um Herr (oder Frau) der Lage zu werden, läuft die Waschmaschine auf Hochtouren und es sind immer zwei bis drei Wäscheleinen im Einsatz – die stehen im Weg rum und stören unser ästhetisches Empfinden. So ist das Leben mit 3 Kindern…

Der beste Ausweg aus dieser misslichen Lage scheint ein Wäschetrockner zu sein. Aus ökologischen Gründen war ich lange Zeit dagegen, aber mit Momos Geburt habe ich dann doch ernsthaft darüber nachzudenken begonnen. Und es gibt ja eh die Modelle mit Wärmepumpe – die brauchen weniger Strom. Und die Wäsche wird dann auch wieder schön flauschig. Ahh – himmlisch!

Kapitalismus vs. Klima

Die Entscheidung, einen Trockner anzuschaffen, war eigentlich schon gefällt. Es galt nur noch den Platz zu schaffen… doch dann habe ich im letzten Greenpeace Magazin einen Artikel über Naomi Kleins neuestes Buch „Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“ gelesen. Die Quintessenz des Artikels ist, dass wir die Erderwärmung nicht mit einem Grünstrich unseres Konsumverhaltens eindämmen können, sondern nur durch eine drastische Reduktion unseres Energieverbrauchs.

Ökokonsum vs. Reduktion

Das soll heißen, dass es nicht reicht, bio zu essen, fairtrade zu kaufen, ein Elektroauto zu fahren und beim Kauf seines Flugtickets einen Baum pflanzen zu lassen. Naomi Klein nennt diesen Grünstrich „Ökokonsum“:

Ökokonsum heißt nichts anderes, als eine Energiequelle durch eine andere zu ersetzen oder einen Konsumartikel durch einen effizienteren. Wir haben alles auf die eine Karte mit der grünen Technologie und Effizienz gesetzt, eben weil diese Veränderungen der Marktlogik nicht widersprechen – ja, sie ermuntern sogar dazu, einkaufen zu gehen und noch mehr neue, effiziente Öko-Autos und -Waschmaschinen zu besorgen.

Ökokonsum mag zwar besser sein als gewöhnlicher Konsum, aber er vernichtet halt doch jede Menge Ressourcen und trägt somit nach wie vor zur Erderwärmung bei. Der einzige Weg, wirklich etwas gegen die Erderwärmung und die damit verbundenen, katastrophalen Folgen zu tun, ist es unseren Konsum stark zu reduzieren. Laut Untersuchungen müssten wir zu einem Energieverbrauch, wie in den 70er Jahren zurückkehren, um nachhaltig im Einklang mit der Natur leben zu können.

„Was wir tun können – was weder eine Technik- noch eine Infrastrukturrevolution bedeutet –, ist weniger konsumieren, ab sofort. Politische Maßnahmen, die Menschen ermuntern, weniger zu verbrauchen, sind für unsere derzeitige politische Klasse viel schwerer zu schlucken als eine Politik, die den Ökokonsum fördert.

Als ich diese Worte gelesen habe, ist mir klar geworden, dass ein Wäschetrockner eine reine Energieverschwendung ist. Die Wäsche trocknet von selber an der Luft – das braucht gar keine Energie und ist dabei auch dem Raumklima zuträglich. Ja, das Auf- und Abhängen mag anstrengend sein, und die Wäscheleinen stehen vielleicht ein bisschen im Weg, aber wenn ich es ehrlich betrachte, ist das alles nur Eitelkeit und Bequemlichkeit. Unsere Wohnung ist groß genug für die Wäscheleinen, und im Sommer können wir sie ohnehin auf den Balkon stellen. Also ist’s fix – kein Wäschetrockner im Hause Wagner-Grünböck!

Umweltschutz & Buddhismus

Als ich so darüber nachgedacht habe, sind mir die Parallelen des Umweltschutzes zu den buddhistischen Lojong Lehren aufgefallen. Im Umweltschutz geht es darum, sich selbst zurückzunehmen, um die Erde zu retten – in den Lojong Lehren darum, andere Wesen als wichtiger als sich selbst anzusehen. Also kann man Umweltschutz auch als eine Lojong Übung betreiben: Man sieht die Erde und ihr Wohlergehen als wichtiger an, als sich selber. Oder in unserem Fall: Wir verzichten auf den Komfort eines Wäschetrockners und unterstützen damit das Heil der Erde.

Ja, ich weiß – das ist nur ein kleiner Schritt. Und es ist auch keine große Entbehrung, weil wir ja noch gar keinen Wäschetrockner gewohnt waren. Aber jede Reise beginn mit einem Schritt und mit jedem weiteren Schritt wird man in seinem Vorhaben gestärkt und lässt ein wenig mehr von seinen alten Gewohnheiten hinter sich. Also versuchen wir, leicht zu reisen und das Gepäck, dass wir unnötig mit uns herum karren, von uns zu werfen. Wie Miten in seinem Lied „Drop the Baggage“ singt:

„We gotta Drop the Baggage, we gotta travel light.
We got a long road ahead and we’ll be moving day and night.“

Also – hast du etwas Gepäck, das du abwerfen kannst? Was ist Dein erster Schritt?

 


 

Weitere Informationen

Naomi Klein:
Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima

Lojong – Die Schule des Mitgefühls:
Im ersten Schritt betrachtet man andere Menschen als sich selbst gleich. Also anstatt sein Gegenüber wie eine Art Gegenstand zu betrachten, führt man sich vor Augen, dass es sich um einen Menschen handelt, der ebenso nach Glück strebt und Leid vermeiden will – genau wie man selber. Wenn man diese Sichtweise internalisiert hat, ist der nächste Schritt, andere Wesen als wichtiger als sich selbst zu betrachten. So kann man die Anhaftung an sein Ego abbauen, sich seiner wahren Natur gewahr werden und dauerhaft in diesem Zustand verharren.

 

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