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Makrobiotik – der Begriff stammt aus dem Griechischen und heißt langes Leben – ist keine Diätrichtung, keine Glaubenssache, sondern schlicht ein ganzheitlicher Ansatz, um die Phänomene der Natur, des Universums zu beschreiben und zu erfassen. Man findet ihre Wurzel überall dort, wo die Menschen natürlich, ganzheitlich im Einklang mit der Natur gelebt haben und leben.

Ganzheitlich heißt, und das wird oft vernachlässigt, dass wirklich alles, was uns betrifft in einem lebendigen, sich stets verändernden Ganzen gesehen wird. So spricht der Japaner Georges Ohsawa, Begründer der modernen Makrobiotik, von den 7 Ebenen bzw. Stufen der Urteilskraft und der Ernährung und meint damit:

die körperlich-materielle Ebene:

Die tägliche physische Nahrung inklusive Luft und Wasser sowie die körperliche Bewegung;

die sensorisch-sinnliche Ebene:

Was wir über die Sinnesorgane riechen, sehen, hören, schmecken, ertasten – „das Auge isst mit“, das Essen duftet, Gaumenfreuden;

die gefühlsmäßige Ebene:
Das Sentimentale im positivsten Sinne – „die Weihnachtsplätzchen von Oma schmeckten halt am besten“;

die intellektuelle Ebene:
Der Sachverstand über die Beschaffenheit und die Abläufe in der Natur, auch der Natur des Menschen – z.B. das Wissen über die Wichtigkeit von Mineralstoffen, von Vitaminen oder die Gefahren, die von Umweltgiften ausgehen;

die soziale Ebene:
Wir haben Vorfahren, ohne die es uns nicht gäbe, wir haben Kinder, wir stehen in Wechsel-Beziehungen zu andern Menschen; die ideologische Ebene: Wir entwickeln Ethik und Moral, setzen Werte; die einen schauen eher auf ihre Vorteile, andere setzen sich ein für die gerechtere Verteilung der Nahrungsmittel in der Welt;

die spirituelle, „göttliche“ alles umfassende Ebene:
Alles bedingt sich wechselweise. Und immer auf allen Ebenen können wir fragen: Bewirkt etwas eher eine Bewegung zu mehr YIN oder zu mehr YANG. Ein guter Koch berücksichtigt alle Ebenen und übt sich täglich in seiner persönlichen Entwicklung.

Die tägliche physische Nahrung ist also nur ein Teil. Der Körper, etwa der Magen, hilft uns, meist unmittelbar zu erfahren, ob eine Mahlzeit uns stärkt oder schwächt. Jeder kann meist individuell entscheiden, was in seinen Mund hineingeht – im Gegensatz zur Berliner Luft, die wir einatmen müssen, wenn wir hier leben, ob wir wollen oder nicht. Wichtig ist, den Zusammenhang zu kennen zwischen dem, was ich esse, und meinem Verhalten.

 

Gesundes Gleichgewicht durch das richtige Essen

Wenn ich weiß, welche Konstitution ich habe und in welcher aktuellen Verfassung ich mich befinde, wenn ich die Wirkung der Speisen, die ich einnehme, kenne, dann kann ich einen Ausgleich schaffen, kann ich mich in ein gesundes Gleichgewicht bringen.

Geht’s mir mal schlecht, kompensiere ich z.B. mit Schokolade, was kurzfristig ausgleichend wirken kann, auf die Dauer möglicherweise eher übersäuert und schwächt. Ebenso gilt: Je nachdem was ich esse, fühle ich mich besser und ausgeglichener, bin ich stärker, fühle mich freier, habe einen klareren Kopf und bin attraktiver für meine Mitmenschen.

Eine bestimmte Gefühlslage hat Einfluss auf mein Essverhalten oder verhindert sogar, dass ich essen mag. Andererseits prägen Essen und Trinken mein Tun, machen mich eher aktiv, selbstbestimmt oder passiv, erduldend.

Grundlage für die Auswahl der Nahrungsmittel und für die Zubereitungsart bildet die jahrzehntelange Erfahrung, die die Makrobiotik in den westlichen Industrienationen gemacht hat. Im Vergleich zu Ayurveda und aus anderen Kulturkreisen stammenden Ansätzen hat die Makrobiotik in der westlichen Welt ihren Prinzipien gemäß sich mit den ortstypischen Traditionen verbunden.

Besonderen Wert aus makrobiotischer Sicht legen wir auf die Berücksichtigung der Jahreszeit, der Klimazone, der Tagestemperatur, der konkreten Bedürfnisse der Altergruppe, der körperlichen, geistigen, seelischen Konstitution und aktuellen Verfassung des einzelnen Menschen und auf andere energetisch relevante Apekte.

In der Alltagspraxis ist der vorwiegende Teil der Mahlzeiten bei uns in Mitteleuropa vegan-vegetarisch: Vollkorn-Getreide in Form von Gerste, Naturreis, Hirse, Dinkel, Buchweizen, Mais u.a. sowie Vollkornnudeln, Brot aus Natursauerteig, Salat und Rohkost oder gedünstetes Gemüse, auch geringe Mengen von mineralreichem Meeresgemüse, pflanzliche eiweißhaltige Speisen wie Bohnen, Erbsen, rote und grüne Linsen oder Seitan (der eiweißhaltige Anteil des Weizens) und andere pflanzliche eiweißreiche Produkte wie Tofu und Tempeh bestimmen die Tagesgerichte.

Tierische Produkte benötigen die meisten Menschen nur in kleinen Mengen. Fisch, weil entwicklungsgeschichtlich weit von der Entstehung des Menschen entfernt, wird bevorzugt. Milch und Milchprodukte und Eier braucht der Mensch nicht, um gesund und glücklich zu sein. Der Mensch ist nicht so geworden, wie er ist, weil es Aldi- oder Demeter-Joghurt gibt. Gereinigtes Vollmeersalz und pflanzliche Öle aus kontrolliert-biologischem Anbau, Nussmuse und Ölsaaten sowie Gewürze und Kräuter sind grundlegend. Zum Süßen wird am liebsten Reismalz verwendet wegen der hohen Zweifachzuckeranteile.

„Makrobiotik ist eine Methode, zu Glück und Gesundheit zu gelangen, indem man sich gemäß den Gesetzen des Universums ernährt.“ (Zitat: Georges Ohsawa)

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Über den Autor

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56 Jahre alt, studierte in Zürich Sozialwissenschaften. Seit 1981 lebt er in Berlin, Shiatsuausbildung bei Ohashi. Makrobiotik – Ausbildung in London und in der Schweiz.
Geschäftsführer des Naturkost-Restaurants Natural’Mente
Mitbegründer des Vereins Makrobiotik in Berlin e.V.

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