Anzeige

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die psychische und körperliche Gesundheit einer entwickelten Gesellschaft nicht mit dem Einkommen zusammenhängt, sondern mit dem Ausmaß an Gleichheit innerhalb der Gesellschaft. Diese Erkenntnis ist ein Paradigmenwechsel in der Art, wie wir Gesellschaft begreifen: Es ist nicht die Armut, sondern die Ungleichheit selbst, welche viele unserer Probleme verursacht.

Seit Jahrzehnten hat der Epidemiologe Richard Wilkinson untersucht, warum manche Gesellschaften gesünder sind als andere. Sein Ergebnis ist überraschend: Er fand heraus, dass das, was die gesündesten Gesellschaften gemeinsam haben, nicht ist, dass sie mehr haben – mehr Einkommen, mehr Bildung oder mehr Wohlstand – sondern dass das, was sie haben, nur gerechter verteilt ist.

In der Tat stellte sich heraus, dass sich nicht nur Krankheit, sondern eine ganze Reihe von sozialen Problemen, von psychischen Erkrankungen bis hin zu Drogenkonsum, in ungleichen Gesellschaften verschlimmern. In seinem neuesten Buch „The Spirit Level: Why More Equal Societies Almost Always Do Better“, dass er zusammen mit Kate Pickett, geschrieben hat, erläutert er detailliert die schädlichen Auswirkungen der Ungleichheit auf eine Gesellschaft: erodierendes Vertrauen, zunehmende Angst und Krankheit, die Ermutigung zu zügellosem Konsum.

Die gute Nachricht ist, dass eine erhöhte Gleichheit den gegenteiligen Effekt hat: Die Statistiken zeigen, dass Gemeinden ohne die große Kluft zwischen Arm und Reich widerstandsfähiger sind und ihre Mitglieder ein längeres, glücklicheres Leben führen.

Auszüge aus einem Interview, das Brooke Jarvis vom YES!-Magzine mit Richard Wilkinson geführt hat.

Brooke: Sie haben die Auswirkungen der Ungleichheit auf die Gesundheit sehr lange untersucht. Hat eines ihrer bisherigen Ergebnisse sie überrascht?

Richard: Oh, so ziemlich alle. In der Tat ist Auswirkung auf die Gesundheit noch schwächer als für viele andere Probleme, wir haben uns die Lebenserwartung, Geisteskrankheiten, Teenager-Geburtenraten, Gewalt, den Prozentsatz der Bevölkerung im Gefängnis und den Drogenkonsum angesehen. Sie alle waren in ungleichen Ländern nicht nur ein wenig schlechter, sondern viel schlimmer. Wenn ich gewusst hätte, wie stark die Verbindung ist, hätte ich sie mir schon ein Jahrzehnt früher angesehen. Tatsächlich bin ich immer noch überrascht, dass niemand sich das schon früher angesehen hat.

Nichts von dem, was wir getan haben, ist kompliziert. Epidemiologen und Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, machen diese Arbeit schon seit einiger Zeit, sie beobachten nicht nur die relative Armut, sondern alle Einkommenslevel, zum Beispiel innerhalb eines amerikanischen Staates.

Wenn sie also zum Beispiel die Beziehung zwischen Einkommen und Sterberaten kennen, sollten Sie eigentlich in der Lage sein, vorherzusagen, wie die Sterblichkeitsrate eines Staates aussehen wird. Tatsächlich aber produziert das keine gute Vorhersage. Was zählt, sind nicht die Einkommen selbst, sondern wie ungleich sie sind. In einem ungleichen Staat erzeugt das gleiche Einkommen eine höhere Sterblichkeitsrate.

In der Tat sind diese Probleme in ungleichen Gesellschaften nicht nur zehn oder zwanzig Prozent höher. Es gibt vielleicht achtmal so viele Teenager-Geburten pro Kopf, das Zehnfache an Morden, dreimal die Rate der psychischen Erkrankungen. Riesige Unterschiede. Wenn die soziale Mobilität eine perfekte Sortieranlage wäre und jeder würde nach Fähigkeiten sortiert, sollte dieser Zusammenhang die Anzahl der Probleme in der Gesellschaft nicht größer machen. Es sollte nichts am Gesamtergebnis des IQs einer Bevölkerung ändern, sondern nur die soziale Verteilung des IQs. Wir wissen aber aus den Ergebnissen, dass es die Ungleichheit selbst ist, welche die Probleme schafft. Wir machen keinen großen Sprung, indem wir sagen, dass dies kausal ist. Wir zeigen, so glaube ich, dass es fast unmöglich ist, eine andere schlüssige Erklärung zu finden.

 

Brooke: Vielleicht ist diese Verbindung nicht erforscht worden, weil wir es so gewohnt sind, diese Probleme in Zusammenhang mit Armut zu denken. Herauszufinden, dass sie nicht an das Niveau des Einkommens gebunden sind, sondern an die Schichtung der Einkommen, ist ein ziemlich unerwartetes Ergebnis.

Richard: Wir zeigen, dass sich diese Probleme nicht dadurch ändern, dass die reichen Länder immer noch reicher werden. Es gibt Probleme, die wir als Probleme der Armut denken, weil sie in den ärmsten Gebieten der Gesellschaft auftauchen, aber ein Land wie die USA kann doppelt so reich sein wie Griechenland, Portugal oder Israel oder – die ärmeren der reichen, entwickelten Länder, die wir uns angesehen haben – und die Probleme sind nicht besser, obwohl die Amerikaner in der Lage sind, doppelt so viel von so ziemlich allem kaufen, wie Menschen in den ärmeren entwickelten Gesellschaften. Das macht keinen Unterschied, es sind nur die Lücken zwischen uns, die eine Rolle spielen. Und das ist wirklich eine ziemlich aufrüttelnde Erkenntnis über uns selbst und die Auswirkungen der sozialen Struktur zwischen uns.

 

Brooke: Wie ändert das Begreifen dieser Probleme in Zusammenhang mit Ungleichheit anstatt von Armut die Art, wie wir uns mit ihnen auseinandersetzen?

Richard: Ich glaube die Leute sind besorgt über das Ausmaß der sozialen Probleme in unserer Gesellschaft, sie fühlen, dass, obwohl wir materiell sehr erfolgreich sind, eine Menge Sachen schief laufen, und wir wissen nicht warum. Die Medien sind voll von diesen sozialen Problemen und sie tadeln Eltern oder Lehrer oder das Fehlen der Religion oder was auch immer. Es macht einen wichtigen Unterschied für die Menschen, eine Analyse zu haben, die wirklich passt, nicht nur in akademischer Hinsicht, sondern die auch zur Intuition passt, welche die Menschen gehabt haben. Die Menschen wissen seit Jahrhunderten intuitiv, dass Ungleichheit entzweit und sozial zersetzend ist. In gewisser Weise ist das alles, was uns die Daten zeigen. Sie zeigen, dass diese Intuition viel wahrer ist, als jeder von uns erwartet hätte.

Brooke: Als ich zum ersten Mal von Ihrer Arbeit hörte, erwartete ich, das Buch würde sich mit den materiellen Auswirkungen der Ungleichheit befassen. Aber Ihr Schwerpunkt ist anders.

Richard: Ja. Es geht um die psychosozialen Auswirkungen der Ungleichheit, um die Auswirkungen des Lebens mit Angst und Gefühlen der Überlegenheit oder Unterlegenheit. Es ist nicht die minderwertige Unterkunft, die ihnen die Herzkrankheiten einbringt, es ist der Stress, die Hoffnungslosigkeit, die Angst, die Depression, die sie fühlen. Die psychosozialen Folgen der Ungleichheit beeinträchtigen die Qualität der menschlichen Beziehungen. Weil wir soziale Wesen sind, sind es das soziale Umfeld und die sozialen Beziehungen, welche die wichtigsten Stressoren sind. Für Einzelpersonen sind es natürlich große Stressfaktoren, wenn sie ihr Haus verlieren, oder stark verschuldet sind. Aber in der Bevölkerung als Ganzes scheint es, als ob die sozialen Gesichtspunkte die größten Stressfaktoren sind, weil so viele Menschen um ihnen ausgesetzt sind.

 

Brooke: Welche psychischen Auswirkungen hat das Leben in einer ungleichen Gesellschaft für jene Menschen, die an der Spitze der Skala stehen?

Richard: Status-Wettbewerb führt zu einer Reihe von Problemen. Wir sind alle sehr empfindlich, wie wir beurteilt werden. Die Leute geben Tausende von Pfund für eine Handtasche mit den richtigen Etiketten aus, um Aussagen über sich selbst zu machen. In ungleichen Ländern neigen die Menschen eher dazu, sich zu verschulden. Sie sparen weniger von ihrem Einkommen und geben mehr Geld aus. Sie arbeiten viel mehr Stunden – die ungleichsten Länder arbeiten etwa neun Wochen länger in einem Jahr.

Wenn Sie in einer ungleichen Gesellschaft aufwachsen, ist Ihre Erfahrung der menschlichen Beziehungen anders. Ihre Idee der menschlichen Natur ändert sich. Wenn Sie in einer Konsumgesellschaft aufwachsen, denkt man an den Menschen als eigennütziges Wesen. In der Tat ist der Konsumismus so mächtig, weil wir so überaus soziale sind. Es ist nicht so, dass wir tatsächlich ein überwältigendes Bedürfnis danach hätten, Eigentum anhäufen, es geht darum, dass wir besorgt sind, wie wir gesehen werden. Deshalb missverstehen wir den Konsumismus. Es ist nicht das materielle Eigeninteresse, es geht darum, dass wir so empfindlich sind. Wir erleben uns selbst durch des jeweils anderen Augen und das ist der Grund für die Etiketten und die Kleider und die Autos.

 

Brooke: Was ist der Effekt der Ungleichheit auf die Art, wie wir unsere Gemeinschaften sehen – und wie beeinflusst diese Wahrnehmung, wie sie funktionieren?

Richard: Ungleichheit beeinträchtigt unsere Fähigkeit zu vertrauen und unser Gefühl, dass wir Teil einer Gemeinschaft sind. In gewisser Weise ist, dass die grundlegende Verbindung zwischen der Ungleichheit und den meisten ihrer Folgen: die Beschädigung, die es sozialen Beziehungen zufügt. Zum Beispiel fühlen zwei Drittel der Bevölkerung in gerechteren Staaten, dass sie Anderen generell vertrauen können, während dies in ungerechteren Ländern oder Staaten, bis auf 15 Prozent bzw. 25 Prozent fällt.

Die Ungleichheit ist ein Spiegelbild, wie stark Hierarchien sind, wie sehr wir teilen oder nicht. Es zeigt uns, welchen Teil unseres Potenzials wir entwickeln: Was für ein Spiel spiele ich? Schlage ich mich alleine durch? Oder möchte ich, dass die Leute mir vertrauen mir und mit mir zusammenarbeiten? Hängt mein Überleben von guten Beziehungen ab? Bist du mein Feind? Wirst du mich bestehlen? Muss ich festhalten, was ich habe, es verteidigen? Oder können wir teilen? Der Mensch kann beides tun. Es ist sehr interessant, dass wir messen können, wie ungleich Gesellschaften sind und wie uns das bestimmte Arten des Verhaltens entlockt.

 

 

Original-Artikel erschienen im Yes! Magazine, Übersetzung durch Sein.de
licensed under a Creative Commons License Creative Commons License

 

Weitere Artikel zum Thema auf Sein.de

Paradigmenwechsel: Ein neues ökonomisches Bewusstsein

Auf dem Weg zum Einheitsbewusstsein

Gemeingüter stärken. Jetzt!

Das Universum ist ein riesiges Gehirn

Deutschland ist wieder im Feudalismus angekommen

1 % der Bevölkerung besitzt ein Viertel des gesamten Vermögens

Das Tahiti-Projekt – perfekter Inselstaat als Vorbild für die Welt

 

9 Responses

  1. Jan S.

    Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

    Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

    http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie–die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

    oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend – siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

    Laut Politik müsse man sich „integrieren“ (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich „nicht integriert“ sind (auch sehr viele Deutsche).

    Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

    Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

    Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

    Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

    Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

    Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

    Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

    Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

    Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt… (Shakespeare)

    Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

    Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

    Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

    Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

    Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

    Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)

    Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

    Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus… (Goethe)

    Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

    So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

    „Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden“ (Helmut Schmidt)

    Antworten
  2. Alfred Reimann

    Bei allen aufgezeigten Zusammenhängen sollten wir eins nicht vergessen.

    Wir sind alle in jedem Augenblick einzigartig, genauso wie unser Wissen und Können, sowie die von uns erbrachte und mögliche Leistung.

    Wir können uns nur durch den Tausch von eigener Leistung gegenseitig helfen, wenn die Leistung des anderen tatsächlich auch anders ist.

    Warum sollte jemand Äpfel gegen Äpfel tauschen?

    Wir tauschen(schenken, verleihen,verkaufen etc.) nur freiwillig unsere Leistung, wenn wir in diesem Augenblick, für die geforderte Gegenleistung, eine höhere Genusserwartung haben als für unsere eigene Leistung. Dies gilt auch für ein Geschenk, dass der andere nur annehmen muß.

    Dieser MEHRWERT, Genusserwartungswert, oder auch zukünftige Handlungsfreude genannt, ist der Kitt der jede Gemeinschaft und letztlich auch jede Gesellschaft zusammenhällt.

    Dieser Genusserwartungsgewinn wird auch erzielt, wenn gemeinsam eine
    arbeitsteilige Leistung erbracht und zum Tausch angeboten wird.

    Aus dem Mehrwert wird allerdings ein Verlust, wenn Ich zu einer Handlung oder einem Leistungstausch gezwungen werde.

    Dabei ist die selbstbestimmt, durch Handlung erbrachte Leistung und ihre Nutzung, nur das Mittel auf der Materieebene um Handlungsgenuss und Genusserwartung das individuelle, aktuelle Wohlbefinden zu steigern.

    Mehr zu diesen Überlegungen in der Einführung zur Genuss-Wirtschafts-Lehre auf www.die-freien.de

    Antworten
  3. Jabuticaba

    @Ich

    Meines Erachtens spiegelt sich in Deinen Erklärungen & Äußerungen genau das wider, was im Artikel beschrieben worden ist.

    Die Beschaffenheit der Gesellschaft prägt uns, unsere Aussagen und das Empfinden, ob wer teilen wollen oder lieber darum kämfen wollen, dass das was vermeintlich uns gehört auch unseres bleibt.

    „Der eine arbeitet 8 Stunden, der andere 12 Stunden. Beide haben nicht die gleiche Arbeit verrichtet, sollen sie nun gleich bezahlt werden?“

    >> Ja warum nicht? Wenn der eine mit 8h Arbeit genauso viel oder mehr schafft, dann soll er genauso viel bekommen, wei jemand der 12 Stunden arbeitet.

    Auch ein Facharbeiter kann, darf und muss genauso viel verdienen, wenn er in gleicher Position wie ein vermeintlich gebildeterer Student arbeitet und gleich gute oder womöglich sogar besserer Arbeit verrichtet als zuvor genannter.

    Ich möchte mich jedoch gar nicht an den von Dir einzeln genannten Argumenten aufhängen. Grundsätzlich ist es die Gesellschaft und das System des Geldes das uns zu solchen Aussagen bringt. Die Existenz eines Geldsystemes kann nur Ungleichheit schaffen. Daher ist der Ansatz des Venus Projects von Jaques Fresco inspirierend. Wen es interessiert findet hier das Gedankengut dazu: http://www.youtube.com/watch?v=wDJ18m6KUW4&feature=related
    http://www.thevenusproject.com/

    Gruss, Jabuticaba

    Antworten
  4. chriwi

    @ich

    Es geht des um die Auswertung von Studien. Diese zeigen, dass eine Korrelation zwischen Einkommensungleichheit und den genannten Größen (Kriminalität, Gesundheit, etc.) gibt. Dabei wird nicht zwangsläufig gegen Ungleichheit polemisiert. Die Frage ist wie stark sollte sie sein. Diese Frage muss in meinen Augen gestellt werden. Denn alle innerhalb einer Gemeinschaft garantieren das Eigentum, aber einige wenige besitzen es. Die Verteidigung der Privilegien führt dann zu Lobbyarbeit, diese zu verschärften Gesetzen gegen Verbrecher. Natürlich nur gegen arme Verbrecher, denn wie man an der Steuergesetzgebung sieht, darf sich jeder ohne Strafe selbstanzeigen. So kann man das weiter treiben. Durch Lobbyarbeit wird privatisiert, was gerade für die Armen der Gesellschaft Probleme bringt. Bei der Bildung das gleiche. Durch „Elite“unis und Schulen wird sich abgesondert und der öffentliche Bereich wird durch Steuersenkungen ausgeblutet. Für mich sind die Resultate der Studie nicht verwunderlich. Bei ein wenig mehr Gleichheit hat niemand ein Interesse seine eigene Basis wegzusägen.

    Antworten
  5. Ich

    Nachtrag: Auch wenn hier jemand von Forschungsergebnissen berichtet. Forschung und deren Ergebnisse sind nicht das erste und letzte mal als Begründung missbraucht worden. Man bedenke, die Klimaveränderung bzw. Erderwärmung ist inzwischen auch als Klimalüge entlarvt worden, obwohl anfangs auch Forschungsergebnisse als Beweis missbraucht wurden.

    Antworten
  6. Ich

    Gleichheit und Ungleichheit. Von Natur sind wir alle grundverschieden. Was will uns dieser Artikel sagen? Sollen wir uns alle gleich machen?
    Nehmen wir zwei Menschen. Der eine arbeitet 8 Stunden, der andere 12 Stunden. Beide haben nicht die gleiche Arbeit verrichtet, sollen sie nun gleich bezahlt werden? Das ist ein einfaches Problem.
    Nehmen wir einen Akademiker, der 5 Jahre seines Lebens in der Hochschule zugebracht hat und keinen Cent dafür bekommen hat. Im Gegenteil, er musste nich Geld mitbringen. Wenn er nach seinem Studium ein paar Groschen mehr verdient, so unterscheidet er sich von einem Facharbeiter und beide unterscheiden sich von einem Hilfsarbeiter (ungelernte Kraft). Sollen nun alle drei gleich bezahlt werden? Wer das fordert, der kann nur ein linker Hohlkopf sein. Wenn ich das richtig verstanden habe, so hat die DDR 1.0 bereits das gleiche einige Jahrzehnte praktiziert. Wie das Experiment endete, wissen wir alle. Keiner der ehemaligen DDR Bürger wollte das System. Die sind doch nicht gezwungen worden in den Westen zu flitzen, ganz im Gegenteil. Man hat es nicht geschafft die geflitzen aufzuhalten.
    Was soll also eine solche Diskussion auslösen?
    Nun im Prinzip ist das eine Neid und Hass Debatte. Es gibt zwei Menschen und der eine beneidet den anderen und irgendwann einmal mündet das in Hass. Hass führt wiederum zum Krieg etc. Nun soll die Gleichmachung Krieg verhindern. Schon unsere alten Politiker wie Helmut Shcmidt und Helmut Kohl waren und sind der Auffassung, Deutschland müsse in Europa integriert werden, damit dauerhafter Friede sei. Was soll das nun bedeuten? Nun, der Deutsche ist arbeitssam und ihm geht es vergleichsweise gut. Er hat eine gewisse Geisteshaltung. Die Nachbarstaaten haben das Problem, dass ihnen dieser Wohlstand missfällt. Damit nun kein Neid auf Deutschland ausbricht, der dann in Hass ausarten könnte, muss Deutschland in Europa integriert werden. Wie geschieht das nun? Es wird einfach der Erfolg Deutschlands in Europa verteilt. Damit geht es den anderen etwas besser und den Deutschen etwas schlechter. Das widerum führte dazu, dass die anderen Staaten sich an diese Zahlungen gewöhnt haben und als selbstverstänlich erachten. Hat diese Praxis nun Europa vor einem Krieg bewahrt? Nun, der Hass auf Deutschland wird nicht enden, weil Deutschland nicht ewig zahlen kann. Sobald die Zahlungen eingestellt werden, wird der Hass ausbrechen und dann stehen wir wieder vor einem neuen Krieg. Das haben wir doch an der Reaktion der Griechen gesehen. Weil Deutschland nicht für die Schulden der Hellenen gerade stehen wollte, wurden wir plötzlich zu Nazis erklärt. Man hat uns vorgeheult, die Enkel würden um ihre Großväter und Väter weinen. Damit wollte man die Enkel der Kriegsgeneration zu weiteren Alimenten nötigen. Hat das etwas am Hass und einer Kriegsgefahr geändert? Nein. Hass kommt von Innen. Hass hat etwas mit Geisteshaltung zu tun und nicht mit Gleichmachung.
    Der Autor liegt völlig daneben mit seinem Vortrag.
    Sicherlich kann man wirtschaftliches Ungleichgewicht als Vorwand für Hass anführen. Nehmen wir wieder die Griechen als Beispiel, dann fällt einem folgendes auf. Die Griechen übernehmen keine Veranwtotung für ihr Handeln. So wird dann Deutschland als einem der Gläubiger die Verantwortung zugesprochen. Ist nun der Gläubiger schuld, weil er dem Schuldner einen Kredit gewährt hat?
    Hat Deutschland Griechenlands Wirtschaftsdaten manipuliert/geschönt?
    Glaubt jemand wirklich, dass man sich von Hass frei kaufen kann?
    wer das glaubt, der wird feststellen, dass der Bittsteller den Gönner dann hasst, weil dieser im vorführt, wie erfolgreich er ist im Gegensatz zu dem anderen.
    Soll nun die Lösung sein, dass wir uns alle gleich machen? Dann würde das bedeuten, dass wir uns am ärmsten aller Menschen orientieren müssten, weil das Niveau des Reichsten wohl nicht alle erreichen würden. Dann wäre ja nur eine Lösung möglich, dass alle Beteiligten bettelarm wären. Dann müsste es den totalen Frieden geben. Das wird es aber nicht sein.

    Antworten
  7. Erich Paus

    Nachdem die Verwerfungen des Neoliberalismus unübersehbar geworden sind, und der ungezügelte, absolutistische Kapitalismus die Weltwirtschaft an die Wand gefahren hat, liefern Wilkinson und Picket nun die Argumente, die zwar viele geahnt, die aber niemand formulieren konnte, um den Müll dieses absolutistischen Kapitalismus zu entsorgen. Hoffentlich haben sich diese perverse Ideologie und ihre Repräsentanten noch nicht so festgesetzt, daß das nur als Katastrofe ablaufen kann.

    Antworten
  8. Redaktion

    @ ich: Dieser Artikel ist alles andere als ein Aprilscherz.

    Wohlbemerkt: Hier geht es um einen Vergleich der entwickelten Länder, in denen eine Grundversorgung größtenteils gewährleistet ist – das in Afrika und anderswo natürlich die Armut eine zentrale Rolle spielt, ist natürlich unbestritten.

    Gruß
    David

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*