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Ob Wirtschaftskrise, soziale Ungerechtigkeit oder die Zerstörung der Umwelt: Der Mensch scheint in seinem ethischen Handeln versagt zu haben. Deshalb fordert Roland Alton, Medienforscher und Mitglied des akademischen Beirats von Creative Commons Austria mit seinem neuen Buch: „Ethify yourself!“ Das Buch, das kostenlos komplett im Internet zu lesen ist und von den Lesern sogar weitgerschrieben werden kann, möchte die Diskussion um eine neue, zeitgemäße und nachhaltige Ethik anregen. Im Folgenden ein Auszug aus der Einleitung, sowie eine gekürzte Fassung der  neun Ethify-Werte.

Ethische Grundwerte neu sortieren

In den Feuilletons der Zeitungen wird eine neue Ethik eingefordert, welche unser Denken und Handeln besser steuern soll. Jene, die dazu ausgebildet sind, erzählen von ethischen Konzepten, die hunderte oder gar tausende Jahre alt sind oder verschanzen sich hinter einer Wissenschaftlichkeit, die auf einige ethische Dilemmata aufmerksam macht, aber wenig konkrete Vorschläge liefert. Die Ethik ist aufgefordert, sich wieder um weitere Themenfelder zu kümmern, als etwa die Beurteilung, ob die Stammzellenforscher Gott lästern, weil sie neues Leben ohne Fortpflanzung schaffen können. Wir benötigen Lösungsansätze insbesondere auch für die Grenzen des Wachstums, dabei gilt es ethische Grundwerte neu zu sortieren, diese in einen aktuellen Kontext zu bringen und Handlungsanleitungen zu formulieren. […]

Ethify Yourself beginnt bei Dir selbst, in der Nachbarschaft und in der Region und holt Kraft in kreativen Milieus. Wer sucht, findet Menschen und auch Städte oder Gemeinden in der Umgebung, die schon auf dem richtigen Weg sind. Diese gilt es mit politischer Arbeit zu stärken, zu vernetzen und zu präsentieren, damit die Voraussetzungen, tatsächlich ein ethisches Leben führen zu können, besser werden. […]

 

Die neun Ethify-Werte

Eine nachhaltige Ethik stärkt die Gesellschaft, bewahrt die Erde und gibt dem Leben Sinn. Der Ethify-Wertekatalog liefert eine aktuelle Orientierung und bietet Übungen für den Alltag und für das Arbeiten in Organisationen.

Die Gerechtigkeit steht an erster Stelle, weil sie eine Grundvoraussetzung friedlichen Zusammenlebens ist. Die Errungenschaften der französischen Revolution mit der Gewaltentrennung von Legislative, Justiz und Exekutive gelten für alle Kulturen als ein anerkanntes Regelwerk zur Vorbeugung von gröberen Auseinandersetzungen. Aber auch ausserhalb des Einflusses von Gesetzen sind wir stets aufgefordert, uns für gewaltfreie Kommunikation zu engagieren.

Punkt zwei ist die Umsicht, diese zollen wir allem, was die Erde hervorbringt, also Umwelt, Flora und Fauna. Wir sind stets aufgefordert, mit Ressourcen schonend umzugehen und darauf zu achten, dass natürliche Gleichgewichte durch unseren Einfluss nicht aus dem Lot geraten, seien es der Treibhauseffekt, der Fischbestand oder die Wasserqualität.

Nur mit Umsicht gelingt es auch, selbst eine Balance im Leben zu finden. Das Leben besteht nicht nur aus Erwerbsarbeit, sondern es gibt viele andere Bereiche, wo wir Anerkennung verdienen und verteilen sollen.

Letztlich müssen wir uns jedoch selbst Ziele setzen, dazu benötigt es Selbstvertrauen, Wissen und einen gesunden Körper. Ein stets lohnendes Ziel ist es, zu einer ethischen Lebensweise zu finden.

Dies gelingt jedoch nicht durch Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben, sondern durch eine faire Kooperation mit anderen. Dazu zählt auch eine gewisse Portion Disziplin, etwa wenn es darum geht, Abmachungen einzuhalten.

Der Umgang unter Menschen ist jedoch immer auch von Toleranz und Güte geprägt. Auch muss ich täglich üben, zu teilen, und etwas von mir weitergeben, seien es Dinge, Anteilnahme oder Wissen und Erfahrungen.

In unserem Handeln sind wir aber vor allem auch der Zufriedenheit verpflichtet: wofür sonst hat die Wirtschaft oder die Politik zu dienen, als möglichst vielen Menschen die Rahmenbedingungen dafür zu liefern, ein glückliches Leben zu führen? Dem Glück müssen wir aber auch stets selbst auf der Spur sein, wir müssen wiederholt hinterfragen, was denn Zufriedenheit für uns bedeuten kann. Bei dieser Beurteilung ist ein zentrales Element, dass Zufriedenheit nicht auf Kosten anderer eingelöst werden soll. Wir sollen uns weiters nicht blenden lassen von jenen, die uns täglich Glück versprechen, etwa in der Werbung durch Konsum.

Oftmals ist eine Entscheidung dann nachhaltiger, wenn, wir uns in Geduld üben und Zeit investieren, als schnellen Verheissungen und Werbebotschaften nachzujagen. Das soll nicht heissen, dass der Spass auf der Strecke bleiben soll, denn spontane Freude zu erleben gehört zum Glück sicher auch dazu. Dennoch müssen wir uns täglich in Geduld im Umgang mit anderen Menschen üben. Ein vermeintlich falsches Verhalten ist selten beabsichtigt, sondern meist das Ergebnis von Umständen, die wir uns stets näher anschauen sollten, als mit Urteilen oder Vorurteilen zu reagieren.

Nachfolgend werden die neun Ethify-Werte näher beschrieben:

Gerechtigkeit

Engagement gegen Ungleichheit, Unrecht und Ungerechtigkeit mit friedlichen Mitteln.

 

Umsicht

Respekt vor Umwelt, Mensch und Tieren. Bewusst geniessen, ohne zu schaden und nur verbrauchen, was wirklich notwendig ist.

Balance

Gleichermassen aktiv sein für Erwerb, Reproduktion, Kultur und Politik.

Selbstbestimmung

Ziele setzen und sie auf selbst gewählten Wegen verfolgen, ohne überheblich zu sein. Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen.

Kooperation

Zusammenarbeit und Transparenz zahlen sich aus. Verlässlichkeit, Kollegialität, Freundschaft und Partnerschaft pflegen.

Fairness

Sich angemessen, ehrlich und respektvoll verhalten und nicht blenden lassen, weder von Menschen, Dingen oder Medien.

Güte

Wissen, Werte, Erfahrung und Besitz teilen.

Zufriedenheit

Erkennen, was wirklich gut tut, im Moment, am Tag, im Leben. Anerkennung weitergeben.

Geduld

Einer Sache, sich selbst, Kindern, Verwandten und Alten Zeit schenken.

 

 

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Dieser Artikel steht unter einer CC-Lizenz

 

Buch

ethify yourself  buch

Roland Alton

ethify yourself

zu lesen und bestellen auf

http://www.ethify.org

 

 

 

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