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Viele Menschen – auch in den entwickelten Ländern – haben noch immer keinen Zugang zu guter Schulbildung. In einer Leistungsgesellschaft, in der Bildung nicht selten auch die Zugehörigkeit zu Gesellschaftsschichten bestimmt, kann das für die betroffenen Personen fatale Folgen für den gesamten Lebensweg haben. Genervt von den oft schlechten Lehrern und entschlossen an dieser Ungerechtigkeit etwas zu ändern, gründete der Hedge-Funds-Manager Salman Khan die Khan Academy, eine Sammlung von mittlerweile 1.100 frei zugänglichen Unterrichts-Videos und Lern-Programmen aus vielen Bereichen der Bildung.

Bildung für alle – und zwar umsonst

Weil seine Frau und er in Gegenschicht arbeiteten und Salman keine bessere Verwendung für seine Zeit sah, begann er 2004 Youtube-Videos aufzunehmen, die Mathematik so erklärten, wie er sie selbst immer gerne erklärt gehabt hätte. Ursprünglich waren die Videos nur für seine Neffen gedacht, die Probleme mit Mathe hatten und denen er über das Telefon Nachhilfe gab. Die Videos erlaubten eine freie Zeiteinteilung und das wiederholte ansehen, was sich schnell als wesentlich effektiver herausstellte, als die Telefon-Sessions. Damit die Beiden auch Übungsaufgaben hatten, schrieb Salman außerdem noch ein kleines Programm, dass automatisch neue Aufgaben generierte – und weil er neugierig war, ob seine Nachhilfe fruchtete, auch gleich noch ein Analyse-Programm, das den Fortschritt dokumentierte.

Schnell stießen die Videos auf großes Interesse – auch bei Erwachsenen und ständig wurden weitere Themen angefragt. Und so blieb Salman Khan dran, stellte irgendwann fest, dass diese Arbeit wichtiger war, als sein Finanz-Job und hängte diesen schließlich an den Nagel, um in Vollzeit weitere Videos zu produzieren.

„Ich habe meinen Job zum September 2009 gekündigt, um Vollzeit daran zu arbeiten. Bis vor Kurzem habe ich dafür mein Erspartes aufgebraucht. Im Mai haben mir einige sehr spendable Personen Spenden zukommen lassen, die es mir erstmal erlauben, mir ein Gehalt zu geben“, erklärt Salman. Eine Geschäftsidee ist die Khan Academy ausdrücklich nicht. Schon mehrfach wollten Investoren das Projekt kaufen und in eine Online-Bezahl-Uni verwandeln. Salman Khan hat alle Angebote abgelehnt.

„Wenn ich 80 bin möchte ich fühlen, dass ich dazu beigetragen habe Studenten rund um den Globus eine Welt-Niveau-Bildung zu ermöglichen. Das klingt für mich erheblich besser an als ein Business zu starten, das einem Bruchteil der entwickelten Welt unterrichtet, die sich die $19,90 im Monat leisten können und das Ganze dann irgendwann an einen Schulbuch-Verlag zu verkaufen. Ich habe eine wundervolle Frau, einen unglaublichen Sohn, ein ordentliches Haus und zwei Hondas – was sollte ich sonst noch brauchen?“

Wachsender Erfolg

Die Khan Academy findet guten Anklang, derzeit wurden die Videos 8 Millionen mal angesehen. Und Salman produziert munter weiter. Sein Ziel: Alle denkbaren Themen zu behandeln.

„Mein Ziel ist alles zu besprechen. Ja, alles! Mein Ziel ist es weiter Videos zu produzieren bis zu dem Tag, an dem ich sterbe (was hoffentlich die nächsten 50 oder 60 Jahre nicht der Fall sein wird). Das sollte mir genug Zeit geben mehrere Zehntausend Videos über alle möglichen Themen zu machen.“

Dabei folgt er ausdrücklich keinem Lehrplan und keiner didaktischen Methode

„Ich glaube daran, dass jemand, der einmal die Freude und Zufriedenheit wirklichen Verstehens erfahren hat, sich nie wieder mit der oberflächlichen Art des Lernens zufriedengeben wird, an die sich die meisten Schüler gewöhnt haben. Ich unterrichte in der Weise, wich ich es mir gewünscht hätte, unterrichtet worden zu sein. Die Lerneinheiten kommen von mir, einem Menschen, der fasziniert ist von der Welt, die ihn umgibt. Die Themen werden so vermittelt, wie ich sie verstanden habe, nicht wie sie in Schulbüchern stehen, die von der Bildungs-Bürokratie entwickelt wurden. Meinen gesamten Bildungsweg über war ich frustriert über die Art, wie die Themen vermittelt wurden. Für mich war es, als würden faszinierende und intuitiv verständliche Konzepte fast mutwillig in seitenweise schlaf-induzierenden Text und monotonen Unterricht zerstückelt. Ich beobachtete, wie eigentlich intelligente Mitschüler einzelne Schritte und Formeln für den nächsten Test auswendig lernten, ohne einen Sinn für Intuition oder den Zusammenhang. Die Videos sind mein Ausdruck, wie solche Themen vermittelt werden sollten.“

Neue Ära der Bildung?

Khan AcademyDas Internet könnte nach Salamans Meinung eine neue Ära der Bildung einläuten. Hier können Schüler parallel zur Schule oder in Eigenregie nach ihrem eigenen Tempo und in der Tiefe lernen, wie sie möchten. In der Schule hingegen werde nicht selten von einem oberflächlich behandelten Thema zum nächsten gehetzt, wobei das Lerntempo der Klasse so angelegt ist, dass die eine Hälfte komplett verloren ist und die andere sich langweilt. Nach der Prüfung haben beide wieder alles vergessen. Schulen, meint Salman Khan, scheinen Schüler nur zu filtern, nicht zu unterrichten.

Auch viele Universitäten, wie zum Beispiel das MIT gehen dazu über, ihre Vorlesungen kostenlos im Internet verfügbar zu machen. Der größte Bedarf besteht aber nach wie vor bei den Bildungs-Grundlagen – diese Lücke möchte Salman Khan möglichst vollständig schließen.

 

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Eine Antwort

  1. lilith kan

    Lieber salman, ich erlaube mir dich mit du anzusprechen, denn ich bin so glücklich, dass es deine wesenheit gibt. ich wünsche dir, deiner frau und deinem sohn nur das beste, mögen sich all eure träume manifestieren. du bist ein pionier des neuen zeitalters, sprichst mir aus der seele. ich selbst bin autoditaktisch musste mich aber immer wieder der gesellschaft beugen, dies hat aber zum glück ein ende, da ich meine ängste erkannt und im begriff bin sie aufzulösen. solche wesenheiten wie du geben mir mut weiterzugehen in meinem stil, ich nenne mich cosmologin, bin eine hebamme für erwachsene, da ich feinfühlig genug, um die talente zu tage zu bringen, die jeder für sich eigentlich mitgebracht. ich werde auf alle fälle dein angebot nutzen und miteinander lernen. wünsche dir bis zum nächsten kontakt alles erdenklich schöne und danke dass es dich gibt. namaste lilith Kan

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