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Auf DVD: 180° South

Dokumentarfilm

Die Sicherheit und Wurzeln der Heimat hinter sich lassen, zu neuen Ufern und Abenteuern aufbrechen: Dies gehört zu den Grundtrieben der Menschheit und hat von je her zu neuen Erkenntnissen und damit zur Weiterentwicklung geführt.

Jeff Johnson war als Kind schon von Menschen fasziniert, die sich an Orte trauen, an die sie eigentlich nicht „hingehören“. Als er zufällig alte Filmaufnahmen der Expedition von Yvon Chouinard (Bergsteiger und Gründer des Bergsteigerlabels „Patagonia“) und Doug Tompkins (Gründer der Labels „The North Face“ und „Esprit” sowie Umweltaktivist, der große Landflächen in Patagonien kauft, um Nationalparks daraus zu schaffen), reift in ihm der Plan, sein festes Leben aufzugeben, seinen Kindheitstraum zu verwirklichen und selbst nach Patagonien zu reisen.

Der Film, fast mehr ein Roadmovie, ist zusammengesetzt aus Jeffs Entdeckungsreise in der Jetztzeit, ebenfalls neuen Kommentaren der ursprünglichen „Entdecker“ Yvon und Doug und den alten Filmaufnahmen der damaligen Expedition. Als  Zuschauer ist man mit dabei, als mitten auf dem offenen Meer der Mast bricht und immer wieder bedrohlich gegen den Rumpf des Segelschiffes schlägt. Man
beobachtet amüsiert, wie Jeff Johnson und seine Freunde auf Rapa Nui Zwischenstation für Reparaturarbeiten machen und dadurch auch eine Frau mit ins Spiel und an Bord kommt.

Herzerfrischend und ein breites Grinsen auslösend sind auch die Sprüche der beiden „alten Herren“. So spricht Yvon – getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ – darüber, dass das eigenständige Bewältigen von zum Beispiel dem Aufstieg auf den Mount Everest eine spirituelle und körperliche Weiterentwicklung in sich berge. Etwas, was den Reichen fehlt, die dies auf dem – metaphorischen – Rücken der Sherpas als eine Art Abenteuerspaziergang betreiben. Er meint hierzu: „Wenn man den Prozess vereinfacht und verkürzt, ist man ein Arschloch, wenn man losgeht, und ein Arschloch, wenn man zurückkommt.“

Fazit: Ein ruhiger, mit schönen Landschafstbildern aufwartender, manchmal wirrer, sanft desillusionierender und durchaus auch amüsanter Dokumentarfilm. Der Film geht – durch die erzählerischen Gedanken Jeffs über sein eigenes Konsumverhalten und durch die zahlreichen Interviewszenen –  aber auch auf die traurigen Schicksale des Landes, der Umwelt und der Menschen unterwegs ein und mahnt zu einem respektvolleren Umgang mit unserem Lebensraum und den Ressourcen des Planeten.

 

Jeff Johnson
180° South
Ascot Elite, 2011
101 Minuten, 16,99 Euro

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