Anzeige

Auf DVD: Baraka

Mit „Koyaanisqatsi“ und „Lucky People Center International“ gehört „Baraka“ zu der kleinen, aber feinen Gruppe von Filmen, die man als „Weltfilme“ charakterisieren könnte. Es sind Filme, die nicht (mehr) zufrieden damit sind, eine Geschichte (oder auch mehrere) zu erzählen, sie wollen gleich das Ganze, das Gesamt des irdischen Geschehens auf den Punkt bringen.
„Baraka“ stammt von Ron Fricke, der Regisseur und Kameramann zugleich ist: ein Augenmensch, der überall gefilmt hat, wo’s spektakulär ist. Sein Film ist erst einmal eine pralle Wundertüte außergewöhnlicher Landschaften und Vorgänge, bei der einem hören und sehen vergehen kann.
Doch bei näherem, mehrfachem Sehen ordnet sich die optische Vielfalt zu einem Muster, mit dem Fricke seine Sicht der Dinge zur Erscheinung bringt.
Im Kern übt „Baraka“ Zivilisationskritik. Er spielt spektakuläre Landschaften und traditionelle Tänze prächtig bemalter Menschen aus gegen großstädtische Hektik. Die inszeniert Fricke am liebsten in Zeitraffer-Aufnahmen von Straßen- und U-Bahn-Verkehr.
Zeitraffer: Das ist überhaupt Frickes zentrale Metapher für die allgegenwärtige Beschleunigung, die in der kapitalistischen Produktion ihren Ursprung hat. Mit großer Lust und Interesse am Detail zeigt er verschiedene Formen von Bandarbeit und montiert parallel dazu den industriellen Umgang mit Küken: seelenlose Grausamkeit (bis hin zum routinemäßigen Ansengen der Schnäbel).
Den Gegenpol zu dieser durchgetakteten, in ihrem eigenen Rhythmus tanzenden Industriewelt bilden in Frickes Welt-Entwurf die religiösen Menschen verschiedener Provenienz.
Sie sind es, die Ruhe ins Bild bringen. Buddhistische Mönche, orthodoxe Juden an der Klagemauer, Sufis mit hohen braunen Filzhüten … Fricke ist nicht wählerisch. Anders gesagt: Er ist trans-religiös, argumentiert nicht für eine einzelne spirituelle Tradition, sondern für alle zugleich. Noch anders gesagt: Er übt sich in integralem Denken, argumentiert in und mit seinen Bildern für eine nach allen Seiten offene Spiritualität.
 [DVD seit November 2008 bei AL!VE, ca. 12 € im Handel]

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*